# Auslandsrechte Rezensionsexemplar

> Für Verl-038 · Auslandsrechte, Sanktionen und Exportkontrolle: ordnet Norm, Beweislast und Gegenargument; Ergebnis: Schnittstellenkarte mit Zuständigkeits- und Nachweisfragen.

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- Updated: 2026-09-08
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# Verl-038 · Auslandsrechte, Sanktionen und Exportkontrolle

## Arbeitsweg

- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.

## Zweck dieses Skills

Verlage, die Lizenzen an ausländische Verlage vergeben, müssen **Sanktionsrecht** und Exportkontrolle beachten. Lizenzen an Verlage in sanktionierten Ländern (z.B. Russland, Iran, Nordkorea) können gegen EU-Sanktionsverordnungen oder US-OFAC-Regelungen verstoßen. Kläre die Compliance-Anforderungen.

## Rechtsgrundlagen

| Norm | Inhalt | Quelle |
|------|--------|-------|
| EU-Sanktionsverordnungen | z.B. VO (EU) Nr. 833/2014 (Russland), Nr. 267/2012 (Iran) | https://eur-lex.europa.eu |
| AWG § 4 | Außenwirtschaftsgesetz: Verbotene Geschäfte | https://www.gesetze-im-internet.de/awg/__4.html |
| AWV | Außenwirtschaftsverordnung: Genehmigungspflichten | https://www.gesetze-im-internet.de/awv/ |
| US OFAC Regulations | US-Sanktionslisten (SDN List) | https://ofac.treasury.gov |
| GWG §§ 10 ff. | Geldwäschegesetz: Sorgfaltspflichten | https://www.gesetze-im-internet.de/gwg_2017/ |
| StGB §§ 34, 18 | Außenwirtschaftsstrafrecht | https://dejure.org/gesetze/AWG/18.html |

## Sanktionsrecht und Buchrechte: Grundlagen

### Was sind Sanktionen?
- Sanktionen sind staatliche oder internationale Maßnahmen, die wirtschaftliche Transaktionen mit bestimmten Ländern, Unternehmen oder Personen verbieten.
- **EU-Sanktionen**: Verordnungen des Rates der EU; unmittelbar anwendbar in allen Mitgliedstaaten.
- **US-OFAC**: Office of Foreign Assets Control; US-Sanktionen haben extraterritoriale Wirkung (betreffen auch deutsche Verlage bei US-Dollar-Zahlungen oder US-Verträgen).

### Sind Buchlizenzen Sanktionsgegenstand?
- Grundsatz: Kulturelle Güter (Bücher, Lizenzen) sind häufig **ausgenommen** von Sanktionen.
- Ausnahmen:
 - Technologietransfer (Dual-Use-Güter: Bücher mit militärischen oder nuklearen Inhalten).
 - Lizenzen an sanktionierte Personen (SDN-Liste, EU-Sanktionsliste).
 - Zahlungen in sanktionierten Währungen oder über sanktionierten Finanzinstitute.

## EU-Sanktionen: Russland (Beispiel VO 833/2014)

### Verbotene Transaktionen
- Zahlungen an von der EU gelistete russische Personen und Organisationen.
- Technologietransfer (technische Spezifikationsbücher, Dual-Use-Materialien).

### Buchlizenzen in der Praxis
- Kulturelle Ausnahmen: Bücher als solche sind i.d.R. nicht verbotene Güter.
- **Zahlungsweg**: Auch wenn Buch erlaubt, kann Zahlungstransfer über russische Banken blockiert sein.
- **Listung des Lizenznehmers**: Wenn russischer Verlag auf SDN- oder EU-Sanktionsliste → Vertrag verboten.

### Sorgfaltspflichten (GWG § 10)
- Verlag muss Geschäftspartner auf Sanktionslisten prüfen (Know-Your-Customer, KYC).
- Screening-Tools: EU-Sanktionsliste (EUR-Lex), US-SDN-Liste (OFAC), nationale Sanktionslisten.
- Dokumentation: KYC-Prüfung dokumentieren; Ergebnis aufbewahren.

## US-OFAC: Extraterritoriale Wirkung

- Deutschen Verlage, die USD-Zahlungen empfangen oder US-Korrespondenzbanken nutzen, können US-Sanktionen unterfallen.
- **OFAC-SDN-Liste**: Specially Designated Nationals — jede Transaktion mit gelisteten Personen ist für US-Personen und oft auch Nicht-US-Personen verboten.
- Deutsche Verlage: Direkte Anwendbarkeit zweifelhaft; aber USD-Clearing durch US-Banken kann OFAC-Compliance erfordern.
- **Secondary Sanctions**: US kann Sanktionen gegen Nicht-US-Unternehmen verhängen, die mit sanktionierten Ländern Geschäfte machen.

## Due-Diligence-Checkliste für Auslandslizenzen

### Schritt 1: Ländercheck
- Ist das Zielland von EU- oder US-Sanktionen betroffen?
- Ist das Zielland auf FATF-Grauer oder -Schwarzer Liste (Geldwäscherisiko)?

### Schritt 2: Lizenznehmers-Screening
- Lizenznehmers-Name und Eigentümerstruktur prüfen.
- Screening gegen EU-Sanktionsliste, US-SDN-Liste, Interpol-Liste.
- PEP-Screening (Politically Exposed Persons).

### Schritt 3: Vertragsdokumentation
- Zahlungswährung und Zahlungsweg: EUR über SEPA sicher; USD über US-Korrespondenzbank prüfen.
- Vertragsklausel: „Lizenzgeber und Lizenznehmer bestätigen, keiner Sanktionsliste zu unterfallen. Bei Aufnahme auf Sanktionsliste: sofortige Vertragsauflösung."
- Sanktionsklausel: Vertrag erlischt automatisch bei Listung einer Partei.

### Schritt 4: Monitoring
- Laufende Überwachung: Sind Vertragsparteien nach Vertragsschluss gelistet worden?
- Jährliches Re-Screening.

## Dual-Use-Bücher

- Dual-Use: Waren, Software, Technologien, die zivil und militärisch genutzt werden können.
- Einschlägig für Verlage: Technische Handbücher, Chemie, Biotechnologie, Kryptographie-Bücher.
- EU-Dual-Use-VO (VO (EU) 2021/821): Ausführgenehmigungspflicht für gelistete Güter.
- Bücher als solche: Nur in Extremfällen Dual-Use; aber Know-how-Transfer kann relevant sein.

## Typische Fallen

- **Sanktions-Listing nach Vertragsschluss**: Russischer Verlag wird kurz nach LOI auf Sanktionsliste gesetzt → bestehender Vertrag muss beendet werden; aufgelaufene Advance-Zahlungen blockiert.
- **USD-Zahlungsweg und US-Banken**: Verlag akzeptiert USD-Advance; Zahlung über US-Korrespondenzbank → OFAC-Compliance-Problem.
- **KYC-Dokumentation fehlt**: Behördenprüfung zeigt, dass Verlag keine Sanktionsscreening-Dokumentation geführt hat → GWG-Bußgeld.
- **Dual-Use-Buch nicht erkannt**: Technisches Handbuch mit Anwendungen für Waffensysteme → Exportgenehmigung erforderlich.

## Checkliste Auslandslizenzen Sanktions-Compliance

- [ ] Zielland auf Sanktionsliste geprüft (EU, US-OFAC)
- [ ] Lizenznehmers-Screening: EU-Sanktionsliste, SDN-Liste, PEP
- [ ] Zahlungswährung und -weg geprüft (kein USD über US-Banken bei sanktioniertem Land)
- [ ] Sanktionsklausel im Lizenzvertrag
- [ ] KYC-Dokumentation aufbewahrt
- [ ] Dual-Use-Relevanz des Werkes geprüft
- [ ] Jahres-Re-Screening geplant

## Quellenreferenzen

- EU-Sanktionsliste: https://eur-lex.europa.eu/content/sanctions/sanctions.html
- US-OFAC SDN-Liste: https://ofac.treasury.gov/sanctions-list-search
- AWG: https://www.gesetze-im-internet.de/awg/
- EU Dual-Use-VO 2021/821: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32021R0821
- GWG: https://www.gesetze-im-internet.de/gwg_2017/

## Output-Formate

- **Sanktions-Screening-Protokoll**: Ergebnis je Vertragspartner dokumentiert
- **Sanktionsklausel-Muster** für Lizenzverträge
- **Länder-Risikomatrix**: Sanktions- und Exportkontrollrisiko je Zielmarkt
- **KYC-Dokumentationsvorlage**
- **Dual-Use-Prüfprotokoll** für technische Werke

