# Gliederung Mit Tiefenstruktur

> Für Gliederung mit Tiefen-Struktur: ordnet Norm, Beweislast und Gegenargument; Ergebnis: Prüfprodukt mit Risiko und nächstem Schritt.

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- Updated: 2026-09-08
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# Gliederung mit Tiefen-Struktur

## Arbeitsweg

- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: Hausarbeitsfrist i.d.R. 4-6 Wochen, kein Abgabeaufschub, JAG-Wiederholung pro Klausur, Promotionsverfahren landesrechtlich.
- Tragende Normen verifizieren: JAG/JAPO Land (Pflicht-Hausarbeit), HRG, Studien-/Prüfungsordnung, GG Art. 5 Abs. 3, UrhG §§ 51, 51a (Zitatrecht), Promotionsordnung — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Studenten, Korrektor (Lehrstuhl/Justizprüfungsamt), Bibliothek, juris/Beck-Online (Recherche), Plagiats-Software.
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Gutachten-Hausarbeit, Sachverhalt, Lösungsskizze, Literaturverzeichnis, Plagiatsbericht, Korrekturanmerkungen, Notenbescheid — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.

## Triage zu Beginn
1. Welches Fachgebiet und wie viele Anspruchsgrundlagen/Prüfungspunkte sind zu erwarten?
2. Wie ist die gewuenschte Tiefe der Gliederung (Anfaenger: A.I.1.a), Examen: tiefer)?
3. Gibt es Konkurrenzen zwischen Anspruchsgrundlagen, die in der Gliederung sichtbar sein müssen?
4. Sollen Hilfsweise-Prüfungen als eigene Gliederungspunkte oder als Unterpunkte erscheinen?

## Zentrale Normen
- § 242 BGB — Treu und Glauben: Gliederung muss die rechtlichen Beziehungen vollstaendig abbilden
- § 308 ZPO — Bindung an Antraege: Gliederung darf nicht über den Bearbeitungsvermerk hinausgehen
- §§ 195 ff. BGB — Verjährung als eigener Gliederungspunkt bei Anspruchs-Erloesung
- § 362 BGB — Erfuellung als erster Erloeschungsgrund in Gliederungs-Unterebene

## Schritt 1 — Standard-Tiefenstruktur

```
A. Erster Hauptpunkt
 I. Erster Unter-Hauptpunkt
 1. Erste Voraussetzung
 a) Erste Teilvoraussetzung
 aa) Erste Teil-Teil-Voraussetzung
 bb) Zweite Teil-Teil-Voraussetzung
 b) Zweite Teilvoraussetzung
 2. Zweite Voraussetzung
 II. Zweiter Unter-Hauptpunkt
B. Zweiter Hauptpunkt
```

**Reihenfolge**: A — B — C; I — II — III; 1 — 2 — 3; a) — b) — c); aa — bb — cc.

## Schritt 2 — Reihenfolge je Fachgebiet

### Zivilrecht

```
A. Anspruch K gegen B aus § 433 II BGB (Kaufpreiszahlung)
 I. Wirksamer Kaufvertrag
 1. Angebot
 2. Annahme
 3. Wirksamkeit (Geschäftsfähigkeit, Form, AGB)
 II. Anspruch nicht erloschen
 1. Erfüllung § 362 I BGB
 2. Aufrechnung § 387 BGB
 3. Verjährung
 III. Anspruch durchsetzbar
 1. Einreden (z.B. § 320 BGB)

B. Anspruch K gegen B aus § 280 I BGB iVm § 433 BGB (Schadensersatz statt der Leistung)
 I. Schuldverhältnis
 II. Pflichtverletzung
 III. Vertretenmüssen
 IV. Schaden
```

### Öffentliches Recht (Verwaltungsklage)

```
A. Zulässigkeit
 I. Verwaltungsrechtsweg § 40 VwGO
 II. Statthafte Klageart § 42 I VwGO
 III. Klagebefugnis § 42 II VwGO
 IV. Vorverfahren §§ 68 ff. VwGO
 V. Klagefrist § 74 VwGO
 VI. Zuständigkeit (sachlich, örtlich)

B. Begründetheit
 I. Anspruchsgrundlage / Rechtsgrundlage
 II. Formelle Rechtmäßigkeit (Zuständigkeit, Verfahren, Form)
 III. Materielle Rechtmäßigkeit
 1. Tatbestand
 2. Rechtsfolge / Ermessen
 IV. Rechtsverletzung Kläger
```

### Strafrecht

```
A. Strafbarkeit T wegen Diebstahl gemäß § 242 StGB
 I. Tatbestand
 1. Objektiver Tatbestand
 a) Fremde bewegliche Sache
 b) Wegnahme
 aa) Bruch fremden Gewahrsams
 bb) Begründung neuen Gewahrsams
 2. Subjektiver Tatbestand
 a) Vorsatz
 b) Zueignungsabsicht
 aa) Aneignungs-Element
 bb) Enteignungs-Element
 II. Rechtswidrigkeit
 III. Schuld
 1. Schuldfähigkeit
 2. Schuldformen / Unrechtsbewusstsein
 3. Entschuldigungsgründe
 IV. Strafzumessungs-Erwägungen (ggf.)
 V. Ergebnis
```

## Schritt 3 — Anspruchsgrundlagen-Reihenfolge im Zivilrecht (V-C-G-D-D-B)

| Rang | Anspruchs-Grundlage | Norm |
|---|---|---|
| **V** ertrag | Erfüllungsanspruch | § 433 II BGB usw. |
| **C** ulpa in contrahendo | Vorvertragliches Verschulden | § 280 I iVm § 311 II BGB |
| **G** eschäftsführung ohne Auftrag | echte / unechte GoA | §§ 677 ff. BGB |
| **D** inglich | Eigentums-/Besitzansprüche | §§ 985 und 1004 BGB |
| **D** elikt | Unerlaubte Handlung | §§ 823 ff. BGB |
| **B** ereicherung | Leistungs-/Eingriffskondiktion | §§ 812 ff. BGB |

### Warum diese Reihenfolge?

- **Vertraglich** vor **gesetzlich**: Vertrags-Anspruch ist regelmäßig spezieller
- **Vorvertraglich** vor **dinglich**: c.i.c. wird oft als "neben-vertraglich" gerechnet
- **Vor Bereicherung**: weil bei Vorliegen eines Vertrags Bereicherung typisch ausgeschlossen ist (Bestandsschutz Leistungs-Anspruch)

## Schritt 4 — Tiefe der Gliederung

### Anfänger-Hausarbeit (20-30 Seiten)

- Hauptpunkte: 3-5
- Maximal-Tiefe: aa) / bb)
- Mehr Tiefe verzettelt

### Fortgeschrittenen-Hausarbeit (30-40 Seiten)

- Hauptpunkte: 4-7
- Maximal-Tiefe: aaa) / bbb)
- Bei sehr komplexen Anspruchs-Konkurrenzen tiefere Strukturierung

### Examens-Hausarbeit (50-80 Seiten)

- Hauptpunkte: 5-10
- Maximal-Tiefe: ααα) / βββ) (gr. Buchstaben für Tiefen-Tiefe)

## Schritt 5 — Konkretes Gliederungs-Beispiel — gemischter Fall

**Sachverhalt**: A verkauft B ein gebrauchtes Auto. B zahlt nicht. Später entwickelt A Bedenken wegen einer Mängel-Anzeige B's, dass das Auto nicht funktioniere.

```
A. Anspruch A gegen B auf Kaufpreis aus § 433 II BGB
 I. Wirksamer Kaufvertrag
 1. Angebot
 2. Annahme
 3. Wirksamkeit (AGB-Kontrolle? Sittenwidrigkeit?)
 II. Anspruch nicht erloschen
 1. Erfüllung
 2. Rücktritt B (§ 437 Nr. 2 sowie §§ 323 und 326 BGB)
 a) Mangel
 aa) Vereinbarte Beschaffenheit
 bb) Übliche Beschaffenheit
 b) Nacherfüllungs-Frist gesetzt?
 c) Folge: Rücktritt durchgreifend?
 3. Aufrechnung (Schadensersatz B)
 III. Anspruch durchsetzbar
 1. Verjährung
 2. § 320 BGB Einrede

B. Anspruch A gegen B auf Schadensersatz aus §§ 280 I, 437 Nr. 3 BGB
 I. Schuldverhältnis (Kaufvertrag)
 II. Pflichtverletzung
 III. Vertretenmüssen
 IV. Schaden

C. Gegenanspruch B gegen A auf Lieferung mangelfreier Sache aus § 437 Nr. 1 BGB
 I. Mangel
 II. Frist
 III. Anspruch nicht ausgeschlossen
```

## Schritt 6 — Probleme bei der Gliederung

### Problem 1: Doppelung von Voraussetzungen

Wenn dieselbe Voraussetzung in zwei Anspruchs-Grundlagen geprüft wird:

✅ Beim ersten Mal vollständig prüfen.
✅ Beim zweiten Mal verweisen: "Auf die Ausführungen unter A. I. wird verwiesen."

### Problem 2: Tief-Verschachtelung

Wenn die Tiefe `aa) → aaa)` benötigt wird, prüfe:
- Lässt sich strukturell anders gliedern?
- Sind die untersten Punkte wirklich getrennt zu behandeln?

### Problem 3: Hilfsweise-Prüfung

Wenn ein Punkt am Ergebnis nicht entscheidet, aber zur Vollständigkeit zu prüfen ist:

```
III. Hilfsweise: Annahme der Wirksamkeit des Vertrags
 1. ...
 2. ...
```

### Problem 4: Mehrere Anspruchssteller

Bei mehreren Klägern: pro Kläger eigenen Hauptpunkt.

```
A. Ansprüche des A
 I. Anspruch gegen B
 II. Anspruch gegen C
B. Ansprüche des K
 I. Anspruch gegen B
 II. Anspruch gegen C
```

## Schritt 7 — Inhaltsverzeichnis

### Format

```
INHALTSVERZEICHNIS

A. Ansprüche des A gegen B........................................ 5
 I. Anspruch aus § 433 II BGB................................... 5
 1. Wirksamer Kaufvertrag.................................... 5
 a) Angebot............................................... 5
 b) Annahme............................................... 6
 c) Wirksamkeit........................................... 7
 2. Anspruch nicht erloschen.................................. 9
 II. Anspruch aus § 823 I BGB................................... 12
B. Ansprüche des B gegen A....................................... 15
...
```

### Tipps

- Seitenzahlen genau angeben
- Tiefen-Struktur visuell durch Einrückung
- Bei elektronisch generiertem Inhaltsverzeichnis Verlinkungen verwenden

## Schritt 8 — Selbst-Test

- Liest sich Deine Gliederung wie eine Geschichte?
- Folgen die Anspruchs-Grundlagen der V-C-G-D-D-B-Regel (Zivilrecht)?
- Sind alle Tatbestandsmerkmale erfasst?
- Sind keine Strukturen über-tief?
- Sind alle Hilfsweise-Punkte gekennzeichnet?

## Hilfsfragen für Deine Reflexion

- Habe ich die **Reihenfolge** der Anspruchsgrundlagen richtig?
- Ist meine **Tiefe** angemessen für die Hausarbeit-Art?
- Habe ich alle **Tatbestandsmerkmale** erfasst?
- Habe ich die **Konkurrenzen** strukturell abgebildet?
- Habe ich **Hilfsweise-Prüfungen** als solche markiert?

## Übergang zu

- `gutachtenstil-vs-urteilsstil` — Schreib-Stil
- `zivilrecht-anspruchsgrundlagen-pruefung` — Detail Zivilrecht-Schema
- `öffentliches-recht-statthaft-zulaessig-begruendet` — ÖR-Schema
- `strafrecht-tatbestand-rechtswidrigkeit-schuld` — Strafrecht-Schema

> Quellenregel: Entscheidungen nur nach Prüfung einer amtlichen oder frei zugänglichen Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage ausgeben.

