# Produktmarkt Nachfragesubstitution

> Für Produktmarkt — Nachfragesubstitution: ordnet Norm, Beweislast und Gegenargument; Ergebnis: Prüfprodukt mit Risiko und nächstem Schritt.

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- Author: Klotzkette (https://skillmd.com/u/klotzkette)
- Updated: 2026-09-08
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# Produktmarkt — Nachfragesubstitution

## Arbeitsweg

- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: FKVO Art. 4 Anmeldepflicht vor Vollzug, GWB § 40 1-Monats-Frist Phase I / 4 Monate Phase II, Bagatellschwellen § 35 GWB (50/17,5 Mio. EUR).
- Tragende Normen verifizieren: GWB §§ 18, 19, 20, 35, 36, 39, AEUV Art. 101, 102, FKVO (VO 139/2004), Bekanntmachung Kommission Marktabgrenzung 2024 (C/2024/1645), Leitlinien horizontale/vertikale Zusammenarbeit, HMG-Index — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Bundeskartellamt, EU-KOM (DG COMP), Anmelder, Wettbewerber, OLG Düsseldorf (Kartellsenat), EuG, EuGH.
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Zusammenschlussanmeldung Form CO, Marktabgrenzungsanalyse, SSNIP-Test, HMG-Berechnung, Critical-Loss-Analyse, Datenanalyse (PoS/Scanner), Marktbefragung — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.

## Fachkern: Produktmarkt — Nachfragesubstitution
- **Normen-/Quellenanker:** Art. 101/102 AEUV, VO 1/2003, FKVO, GWB, Vertikal-GVO, DMA/DSA-Schnittstellen, private damages und Behördenpraxis.
- **Entscheidende Weiche:** Markt, Verhalten, Beteiligte, Schwelle, Effekt, Effizienzrechtfertigung, Verfahren, Dawn Raid/Leniency und Schadensersatz getrennt ordnen.
- **Arbeitsprodukt:** Erzeuge eine konkrete Prüf- oder Entscheidungsmatrix mit Norm, Tatbestand, Beleg, Einwand, Risikoampel und nächstem Schritt; Anschluss-Skills nur bei echter Vertiefung nennen.

## Rechtlicher Rahmen

Die Nachfragesubstituierbarkeit ist das primäre Instrument der sachlichen Marktabgrenzung. Die Kommission folgt in ihrer Bekanntmachung zur Marktdefinition (2024) dem Grundsatz: Ein Markt umfasst alle Produkte, die aus Sicht der Nachfrager funktionell austauschbar sind.

Einschlägige Prüfmaßstäbe:
- EU-Kommission, Bekanntmachung zur Marktdefinition, ABl. 2024/C 1645 (Nachfolger Bekanntmachung 1997, ABl. C 372/5).
- § 18 Abs. 1 Nr. 1 GWB: Nachfrager können nicht auf andere Anbieter ausweichen.
- EuGH, Rs. 27/76 — *United Brands*: Bananen als eigener Markt wegen Besonderheiten für Kleinkinder, Kranke und ältere Menschen.

## Prüfungsschritte

### 1. Funktionale Austauschbarkeit

- Decken die Produkte denselben Bedarf?
- Können Nachfrager ohne erhebliche Anpassungskosten wechseln?
- Wird derselbe Verwendungszweck erfüllt?

Dokumentation: Auflistung aller Produkte, die als Substitute behauptet werden, mit Begründung für Einschluss/Ausschluss.

### 2. Preisreagibilität

- Führt eine Preiserhöhung von 5–10 Prozent für Produkt A zu einer spürbaren Abwanderung zu Produkt B?
- Sofern Elastizitätsdaten vorhanden: Kreuzpreiselastizität-Schwelle (in der Praxis: > 0,5 als Indiz für Substitution).
- Wenn keine Daten: Begründung der Substitutionsvermutung durch qualitative Indikatoren.

### 3. Qualitative Unterschiede

Checkliste zu trennenden Merkmalen:
- Technische Standards und Normen (z.B. Medizinproduktezulassung)
- Marken- und Wahrnehmungsunterschiede (sog. "commercial reality")
- Regulatorische Anforderungen für Einsatz des Produkts
- Kundensegmentierung (Konsumenten vs. professionelle Verwender)

### 4. Verallgemeinerungscheck

Häufige Fehler:
- Aggregation heterogener Produkte zu einem Markt ohne Begründung.
- Vernachlässigung von Primär- vs. Sekundärmarktstruktur.
- Fehlende Differenzierung nach Kundensegmenten mit unterschiedlichen Ausweichmöglichkeiten.

### 5. Bewertungsmatrix

| Kriterium | Erfüllt | Nicht erfüllt | Offen |
|-----------|---------|--------------|-------|
| Funktionale Deckung | | | |
| Preisreagibilität | | | |
| Qualitative Äquivalenz | | | |
| Kundensegmentierung | | | |
| Methodische Begründung | | | |

## Zwischenergebnis

Stufe: **eng / angemessen / zu weit** — mit Kurzformulierung der Hauptschwäche.

## Leitentscheidungen Nachfragesubstitution

> Quellenregel: Entscheidungen nur nach Prüfung einer amtlichen oder frei zugänglichen Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage ausgeben.

