# Vorabklaerung Erfolgsaussichten Selbstcheck

> Für Sollten Sie wirklich klagen? Ein ehrlicher Selbstcheck: ordnet Norm, Beweislast und Gegenargument; Ergebnis: Prüfprodukt mit Risiko und nächstem Schritt.

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- Updated: 2026-09-08
- Page: https://skillmd.com/skills/klotzkette/vorabklaerung-erfolgsaussichten-selbstcheck

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# Sollten Sie wirklich klagen? Ein ehrlicher Selbstcheck

## Worum geht es?

Klage ist die schaerfste Form der Konfliktloesung. Sie kostet Geld, Zeit und Nerven. Bevor Sie klagen, sollten Sie ehrlich prüfen: Habe ich Aussicht? Kann ich den Anspruch beweisen? Lohnt sich der Aufwand? Diese Skill ist ein strukturiertes Selbst-Interview. Beantworten Sie alle Fragen ehrlich — wenn zu viele Punkte schlecht aussehen, sollten Sie Alternativen prüfen oder einen Anwalt einschalten.

## Wann brauchen Sie diese Skill?

- Sie ueberlegen, jemanden zu verklagen.
- Sie haben aussergerichtlich gemahnt, aber nichts erhalten.
- Sie sind aufgebracht und wollen klare Schritte prüfen.
- Sie wollen Kostenrisiko vs. Erfolgsaussicht abwaegen.

## Fachbegriffe (kurz erklaert)

- **Anspruchsgrundlage**: Die rechtliche Norm, die einen Anspruch traegt (z. B. § 280 BGB Schadensersatz, § 433 BGB Kaufpreis).
- **Beweislast**: Wer im Prozess die Tatsachen beweisen muss, die seinen Anspruch tragen.
- **Verjährung**: Zeitlicher Ablauf, nach dem ein Anspruch zwar weiter besteht, aber der Schuldner die Erfuellung verweigern darf.
- **Kostenrisiko**: Risiko, im Fall der Niederlage die Gerichts- und Anwaltskosten der Gegenseite zu tragen.

## Rechtsgrundlagen

- **§ 91 ZPO** — Kostenfolge: Verlierer traegt die Kosten.
- **§ 91a ZPO** — Bei Erledigung Kostenentscheidung nach billigem Ermessen.
- **§ 138 ZPO** — Wahrheitspflicht.
- **§ 195 BGB** — Regel-Verjährung 3 Jahre.
- **§ 286 BGB** — Verzug erforderlich für Verzugsschaden.

## Schritt-für-Schritt-Anleitung

### Schritt 1 — Anspruchsgrundlage benennen

Können Sie in einem Satz sagen, **warum** Sie Geld bekommen sollen?

- "Aus Kaufvertrag, weil ich die Ware geliefert habe und der Kaeufer nicht gezahlt hat" — § 433 II BGB.
- "Aus Schadensersatz, weil mein Auto bei einem Unfall beschaedigt wurde" — § 7 StVG, § 823 BGB.
- "Aus Bereicherung, weil ich versehentlich an die falsche IBAN ueberwiesen habe" — § 812 BGB.

Wenn Sie das nicht können: Skill `anspruchsgrundlage-finden-laienhilfe`.

### Schritt 2 — Tatbestandsmerkmale durchgehen

Jede Anspruchsgrundlage hat Voraussetzungen ("Tatbestandsmerkmale"). Beispiel § 433 II BGB:

- Es gibt einen Kaufvertrag (Einigung, Sache, Preis).
- Die Sache wurde uebergeben.
- Der Kaufpreis ist faellig.
- Der Kaeufer hat nicht gezahlt.

Prüfen Sie **jedes** Merkmal: Können Sie es beweisen? Mit was?

### Schritt 3 — Beweismittel kalibrieren

- Schriftlicher Vertrag? Top.
- Email-Verkehr? Sehr gut.
- Zeugen? Brauchbar, aber Aussage und Erinnerung sind variabel.
- Eigene Notizen? Schwach.
- Nichts Schriftliches? Riskant.

Skill `beweismittel-vorab-sammeln-checkliste`, `beweislast-grundregel-wer-was`.

### Schritt 4 — Verjährung prüfen

Forderung verjaehrt? Skill `verjaehrungsfrist-pruefen-195-bgb`. Bei Verjährung: Anspruch besteht zwar, aber Schuldner kann verweigern (= klage faktisch sinnlos).

### Schritt 5 — Kostenrisiko durchrechnen

Bei Streitwert 3.000 EUR:

- Gerichtskosten 3,0 Gebühren x ca. 100 EUR = ca. 300 EUR.
- Anwaltsgebuehr Gegenseite (wenn die einen Anwalt nimmt): 2,5 Gebühren x ca. 200 EUR + Auslagen + MwSt = ca. 700 EUR.
- Sachverstaendiger ggf. 500-3.000 EUR.

Im Niederlagefall zahlen Sie also schnell mehr als 1.000 EUR. Skill `kostenrisiko-streitwert-berechnen-gkg`.

### Schritt 6 — Bonitaet der Gegenseite prüfen

Selbst wenn Sie gewinnen: Bekommen Sie das Geld? Bei Insolvenz/Vermögenslosigkeit haben Sie zwar einen Titel, aber nichts zu vollstrecken. Hinweise auf schlechte Bonitaet:

- Gegenseite ist privat insolvent (Schufa, öffentliches Schuldnerverzeichnis).
- Wiederholt ausstehende Forderungen anderer Gläubiger.
- Gewerbe abgemeldet.

Schauen Sie ins Schuldnerverzeichnis (§ 882f ZPO) bei der Vollstreckungsbehoerde.

### Schritt 7 — Alternative prüfen

- **Aussergerichtliche Mahnung**: oft genug, um zu zahlen. Skill `aussergerichtliche-mahnung-286-bgb`.
- **Mahnverfahren §§ 688 ff. ZPO**: schneller und billiger als Klage. Skill `mahnverfahren-688-ff-zpo-vor-klage`.
- **Mediation**: bei Beziehungsbeziehungen (Nachbar, Familie) oft sinnvoller.
- **Schlichtung**: bei kleinen Streitwerten ggf. Pflicht (§ 15a EGZPO, je nach Bundesland).

### Schritt 8 — Ehrliche Selbstpruefung

Beantworten Sie:

- Kann ich die Tatsachen beweisen? Ja/Nein/Teilweise.
- Habe ich eine klare Anspruchsgrundlage? Ja/Nein.
- Ist die Verjährung noch offen? Ja/Nein.
- Ist die Gegenseite voraussichtlich liquide? Ja/Nein/Unklar.
- Lohnt sich der Aufwand im Verhältnis zum Streitwert? Ja/Nein.

Wenn Sie mehr als 2x "Nein/Unklar" haben: pause — prüfen Sie nochmal mit der Rechtsantragsstelle oder einem Anwalt.

## Worauf Sie besonders achten müssen

- **Klage als emotionale Reaktion** ist meistens schlecht. Lassen Sie 1 Woche zwischen Streitenstuende und Klage-Entschluss vergehen.
- **Beweislast nicht unterschaetzen**: "Ich weiss doch, dass das passiert ist" reicht nicht. Sie müssen es **beweisen**.
- **Kosten der Gegenseite**: Wenn Gegenseite einen Anwalt nimmt, zahlen Sie bei Niederlage dessen Honorar.
- **Vollstreckung**: Ein Titel ist nichts wert, wenn nichts zu holen ist.

## Typische Fehler

- "Ich klage erst, dann sehen wir weiter." → Klage wirft sofort Kosten auf.
- "Ich habe ja Recht, das sieht der Richter doch." → Beweislage zaehlt, nicht Ueberzeugung.
- "Wenn der Beklagte nichts hat, hat das Gericht ihn zur Zahlung zu verpflichten." → Gericht entscheidet, ob Anspruch besteht. Vollstreckung ist Ihr Problem.

## Quellen und Aktualitaet

Stand: 05/2026. Praxis-Skill, keine spezifischen Reformen.

