# Vorpruefung Schranke Finden

> Für Stufe 0c: Welche Schranke gilt?: ordnet Norm, Beweislast und Gegenargument; Ergebnis: Tatbestands- oder Anspruchsmatrix.

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- Updated: 2026-09-08
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# Stufe 0c: Welche Schranke gilt?

> Erst wenn die einschlaegige Schranke benannt ist, kann die Schranken-Schranke (Verhältnismäßigkeit) sie kontrollieren.

## Drei Vorbehaltsarten

### Einfacher Gesetzesvorbehalt
Das Grundrecht darf durch oder aufgrund eines Gesetzes eingeschraenkt werden, ohne dass die Schranke selbst Zwecke vorgibt.
- Art 12 I 2 GG (Berufsausuebung)
- Art 2 II 3 GG (koerperliche Unversehrtheit, Freiheit der Person)
- Art 5 II GG (Schranken-Trias der Meinungsfreiheit)
- Art 14 I 2 GG (Inhalt und Schranken des Eigentums)

### Qualifizierter Gesetzesvorbehalt
Das Grundrecht darf nur für die in der Schranke ausdruecklich genannten Zwecke eingeschraenkt werden.
- Art 8 II GG (Versammlungen unter freiem Himmel)
- Art 10 II GG (Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis nur unter qualifizierten Voraussetzungen, vgl BVerfGE 100, 313 (G10-Gesetz))
- Art 11 II GG (Freizuegigkeit nur für Bestand des Bundes oder eines Landes, Bekaempfung Seuchengefahr usw.)
- Art 13 III bis VII GG (Wohnung; sehr fein abgestufte Eingriffsstufen)

### Vorbehaltlose Grundrechte
Kein ausdruecklicher Schrankenvorbehalt. Eingriffe sind nur über **verfassungsimmanente Schranken** möglich, also zugunsten kollidierender Verfassungsgueter.
- Art 4 I, II GG (Glaubens- und Gewissensfreiheit; vgl BVerfGE 93, 1 Kruzifix-Beschluss zur Konkordanz mit Art 6 II GG und Schulpflicht)
- Art 5 III 1 GG (Kunst- und Wissenschaftsfreiheit; vgl BVerfGE 30, 173 Mephisto-Beschluss)
- Art 8 I GG für Versammlungen in geschlossenen Raeumen
- Art 1 I GG (absoluter Wesensgehalt, siehe `absolute-grenze-menschenwuerde-art-1-i-gg`)

## Schranken-Trias des Art 2 I GG

Die allgemeine Handlungsfreiheit darf eingeschraenkt werden durch:
1. die verfassungsmaessige Ordnung,
2. die Rechte anderer,
3. das Sittengesetz.

Praktisch reduziert auf "jedes formell und materiell verfassungsmaessige Gesetz". Das BVerfG verlangt also volle Verhältnismäßigkeitspruefung (vgl BVerfGE 6, 32 Elfes-Urteil).

## Schranken bei Drittwirkung

Bei mittelbarer Drittwirkung (BVerfGE 7, 198 Lueth-Urteil) gibt der Gesetzgeber über die Generalklauseln des Privatrechts (Paragraf 138, 242, 826 BGB) eine Schranke vor, die im Lichte der Grundrechte ausgelegt wird.

## Prüfraster

1. Lautet der Schrankenvorbehalt einfach oder qualifiziert?
2. Bei qualifiziertem Vorbehalt: Welche Zwecke nennt er, und ist der vorgetragene Zweck darunter subsumierbar?
3. Bei vorbehaltlosem Grundrecht: Welches Verfassungsgut kollidiert und rechtfertigt einen Eingriff?
4. Ist das Eingriffsgesetz formell verfassungsmaessig (Kompetenz, Verfahren, Form)?

## Quellen mit Schlagwort

- BVerfGE 6, 32 (Elfes-Urteil, allgemeine Handlungsfreiheit)
- BVerfGE 7, 198 (Lueth-Urteil, Drittwirkung)
- BVerfGE 30, 173 (Mephisto-Beschluss, Kunstfreiheit)
- BVerfGE 93, 1 (Kruzifix-Beschluss, praktische Konkordanz)
- BVerfGE 100, 313 (G10-Gesetz, qualifizierter Vorbehalt Art 10 II GG)

