# Erstgespraech Mandatsannahme

> Strukturierter Erstgespraechsleitfaden für Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe): Erfassung der Konstellation, Konflikt- und GwG-Check, Vollmacht, Streitwert/Gebührenvereinbarung, Fristen-Erstprognose und Handlungsweichen.

- Skill: `majiayu000/erstgespraech-mandatsannahme-6` (Agent Skill, multi-file: 2 files)
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- Category: Coding & Dev Tools
- Author: majiayu000 (https://skillmd.com/u/majiayu000)
- Updated: 2026-09-22
- Page: https://skillmd.com/skills/majiayu000/erstgespraech-mandatsannahme-6

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# Erstgespraech und Mandatsannahme im Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe)

## Wann dieser Skill greift

- Neue Anfrage aus dem Bereich Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe) (Telefon, Mail, Empfehlung, Walk-in).
- Mandantin oder Mandant beschreibt Sachverhalt unstrukturiert; viele Anlagen ohne System.
- Vor jeder weiteren fachlichen Bearbeitung: erst Annahme klaeren, Konflikt- und GwG-Pruefung, Vollmacht, Streitwert/Vereinbarung, Fristen.

## Phasen des Erstgespraechs

### 1. Aufnahme der Konstellation (10-15 Min.)

Standard-Fragenraster fuer Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe):

- Beteiligte (Vor-/Nachname, Geburtsdatum, Anschrift, Rolle: Klaegerin/Beklagter, Antragsteller, Beschuldigter)
- Konflikt-Kern in einem Satz ("Was ist Ihr Ziel?")
- Konkrete fachliche Stossrichtung: Ruege, Nachpruefung, Wertung, Ausschluss, Eignung, Mittelstandsschutz
- Bisherige Korrespondenz (Bescheide, Schreiben der Gegenseite, anwaltliche Vertretung der Gegenseite?)
- **Fristenscreening sofort:** anstehende Klage-/Widerspruchs-/Einspruchsfristen aus den vorgelegten Schreiben (z.B. Nachpruefungsantrag VK, Sofortige Beschwerde OLG, Schadensersatzklage § 181 GWB). Frist-Alarm an die Vorbereitung weitergeben.

### 2. Konflikt-Pruefung und GwG-Check (5 Min.)

- Konflikt-Check ueber Mandantsystem: Gegnerin, Streitgegenstand, frueherer Mandant?
- GwG-Identifizierung: amtlicher Lichtbildausweis (Ausweisscan), bei juristischer Person Handelsregister-/Transparenzregister-Auszug, ggf. wirtschaftlich Berechtigte/n.
- Risikobewertung (niedrig/mittel/hoch) abhaengig von Mandatscharakter, Bargeld, Auslandsbezug.
- Doku im Mandatsbogen (Pflicht nach §§ 10 ff. GwG i.V.m. § 2 Abs. 1 Nr. 10 GwG fuer RA-Mandate).

### 3. Vollmacht und Schweigepflichtentbindung

- Allgemeine Prozess-/Aussenvollmacht (BORA, ZPO, FamFG, je nach Fachgebiet).
- Spezielle Vollmachten: ggf. Akteneinsicht Strafakte, KV-Abrechnungsdaten, Sozialdaten (Schweigepflichtentbindung gegenueber Krankenkasse, Arzt, Behoerde).
- Bei Eheleuten/GbR/GmbH: einzelvollmachtgebende Person und Vertretungsmacht klaeren.

### 4. Streitwert und Gebuehrenvereinbarung

Standard-Streitwerte im Bereich Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe):

- Skizze: Streitwert grob abschaetzen (z.B. Hauptforderung, ggf. + Zinsen, Nebenforderungen).
- RVG-Pauschalrechnung (Berechnungstool im Plugin) oder Stundenhonorarvereinbarung.
- Beratungshilfe-/Prozesskostenhilfe-Antrag pruefen, wenn wirtschaftlich angezeigt.
- Vorschussanforderung nach § 9 RVG.

### 5. Strategie-Erstskizze

Drei Weichen am Ende des Erstgespraechs:

- **Mandat annehmen:** vollstaendig (Pruefung + Schriftsatz) oder begrenzt (nur Pruefung/Gutachten).
- **Verweisen:** wenn Spezialgebiet ausserhalb der Fachanwaltschaft, oertlich unzustaendig oder Konflikt.
- **Ablehnen:** offensichtlich aussichtslos, GwG-Hit, Bauchgefuehl-Vorsicht.

## Pflicht-Output am Ende

1. **Mandatsbogen** mit Beteiligten, Konflikt-Check, GwG-Status, Streitwert.
2. **Frist-Liste** (Sofortfristen, Verjaehrung, Ausschlussfristen, Beweisanforderungs-Fristen).
3. **Anlagenverzeichnis** des uebergebenen Datenraums (Stand erstes Sortieren).
4. **Naechster-Schritt-Plan:** binnen 24/48/72 h, Owner, Output.
5. **Honorarvereinbarung** unterschrieben oder Vorbehalt notiert.

## Relevante Rechtsgrundlagen und Standards

- BORA, BRAO, FAO fuer Fachanwaltschaft Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe).
- GwG, GwGMeldV, Identifizierungsleitfaden BRAK.
- GWB Teil 4, VgV, UVgO, VOB/A, SektVO, KonzVgV (fuer fachliche Erstpruefung).
- DSGVO und BDSG fuer den Umgang mit Mandantendaten (Art. 6 DSGVO als Rechtsgrundlage, Art. 9 ggf. Gesundheitsdaten).

## Typische Fehler im Erstgespraech

- Frist uebersehen, weil Mandantin sie nicht selber genannt hat (immer aus jedem Schreiben Frist herausziehen).
- Konflikt-Check nur nach Personennamen, nicht nach Sachzusammenhang (gleiche Liegenschaft, gleicher Sachverhalt).
- Vollmachtsumfang unklar -> spaeter Streit mit Mandantin ueber Befugnisse.
- Honorarvereinbarung muendlich -> Beweisnot bei Streitwert-/Honorar-Streit.
- GwG: kein Lichtbildausweis erfasst, kein Aktenvermerk ueber Risikobewertung.

## Praxis-Checkliste

- [ ] Personalien und Rolle aller Beteiligten erfasst
- [ ] Konflikt-Check durchgefuehrt
- [ ] GwG: Identifizierung + Risikobewertung notiert
- [ ] Allgemeine Vollmacht unterschrieben
- [ ] Speziale Vollmacht / Entbindungserklaerung (wo noetig) unterschrieben
- [ ] Streitwert geschaetzt
- [ ] Honorarvereinbarung unterschrieben oder ausdruecklich auf RVG verwiesen
- [ ] Fristenliste angelegt und in Kalender eingetragen
- [ ] Mandatsbogen vollstaendig
- [ ] Naechster-Schritt-Plan dem Mandanten kommuniziert (E-Mail-Zusammenfassung)


## Konkrete Praxis-Konstellationen

### Konstellation A: Eilbeduerftigkeit

Mandantin kommt am Donnerstag, Frist laeuft am Montag (Klage- oder Widerspruchsfrist im Bereich Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe)). Handlungs-Sequenz:

1. Sofort-Vollmacht und Sofort-Akteneinsicht (per beA, ELSTER, Behoerdenportal).
2. Antrag auf Wiedereinsetzung (§ 233 ZPO, § 60 VwGO, § 110 AO) als Reserve dokumentieren.
3. Spaeteste-Stunde-Versand-Plan: beA bevorzugt, mit qualifizierter Signatur und Empfangsbekenntnis.
4. Honorarvereinbarung NICHT auf Eilzuschlag verzichten - aber transparent kommunizieren.

### Konstellation B: Komplexer Sachverhalt, Datenraum unsortiert

Mandant uebergibt 200+ Dateien (PDF-Scans, E-Mails, Excel-Listen). Vor jeder fachlichen Bewertung:

1. Datenraum-Index in Excel: Datum, Absender, Empfaenger, Aktenzeichen, kurze Inhaltszeile.
2. Chronologischer Verlauf als Zeitstrahl - Spielraum fuer Verjaehrungs- und Ausschlussfristen identifizieren.
3. Loecher im Datenraum gezielt anfordern (Mandantenfragen-Katalog).

### Konstellation C: Interessenkonflikt-Naehe

Frueheres Mandat mit derselben Gegnerin oder gleichem Sachzusammenhang. Pruefung:

1. § 43a Abs. 4 BRAO und § 3 BORA - Sachzusammenhang, nicht nur Personenidentitaet.
2. Einwilligung beider Mandanten in Textform (mit konkreter Beschreibung).
3. Bei Zweifel: Mandat ablehnen und an Kanzleikollegium ueberweisen.

## Mandanten-Erwartungsmanagement

- Realistische Erfolgs- und Kostenprognose (nicht "Wir gewinnen sicher").
- Verfahrensdauer im Bereich Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe): Erfahrungswerte nach Instanz.
- Vergleichschance vs. streitiges Urteil als Option offen halten.
- Schriftliche Zusammenfassung des Erstgespraechs binnen 48 h.

## Honorarvereinbarung - Best Practices

- RVG-Basis als Default, Stundenhonorar nur mit gesondertem Hinweis nach § 3a RVG.
- Erfolgshonorar nur in den engen Grenzen § 4a RVG.
- Vorschuss in Hoehe der voraussichtlichen 1. Instanz.
- Klarstellung: Auslagen-Pauschale, USt, Reisekosten, Sachverstaendigenkosten gesondert.
- Bei PKH/Beratungshilfe-Mandant: schriftliche Belehrung, dass eigene Beitraege moeglich sind.

## Mandatsbogen-Muster (Mindestinhalt)

- Mandant (Name, Geburtsdatum, Anschrift, Telefon, E-Mail)
- Gegner (Name, Anschrift, ggf. anwaltliche Vertretung)
- Kurzbeschreibung Sachverhalt (5-10 Saetze)
- Ziel des Mandats (eine Zeile)
- Strittige Fragen (bullet)
- Geprueft: Konflikt - GwG - Vollmacht
- Streitwert (Schaetzung)
- Honorarvereinbarung (RVG/Stunde/Pauschale)
- Frist-Liste
- Aktenanlage Datum
- Naechster-Schritt

## Cross-Refs

- `vergleichsverhandlung-strategie` (im selben Plugin) fuer den Fall, dass aussergerichtliche Loesung angestrebt wird.
- `schriftsatzkern-substantiierung` (im selben Plugin) fuer den Schriftsatzaufbau, wenn Klage/Widerspruch eingereicht wird.
- Kanzlei-Allgemein-Plugin `kanzlei-allgemein` fuer Konflikt-, GwG- und PEP-Pruefroutinen.

## Strategische Optionen (vor dem Template entscheiden)

Bevor das Template eins-zu-eins gefuellt wird, ist zu pruefen welche Variante zur Mandantenkonstellation passt. Das Template ist **eine** moegliche Form — nicht die einzige.

| Konstellation | Empfohlener Weg |
|---|---|
| Standard — Erstgespraech Vergaberecht dokumentieren | Mandatsbogen-Protokoll; Template unten |
| Variante A — Stillhaltefrist laeuft schon | Frist-Prioritaet; Vollmandat und Ruege noch heute |
| Variante B — Auftraggeber-Mandat (kein Bieter) | Vergaberechts-Compliance; andere Beratungsrichtung |
| Variante C — Unterhalb EU-Schwellenwert | Nationales Vergaberecht; keine VK-Zustaendigkeit |

Wenn die Mandantenkonstellation **nicht** ins Standardschema passt, ist das Template anzupassen oder durch ein anderes Skill abzuloesen — nicht das Mandat in das Schema zu pressen.


## Vertiefung: Rechtsprechung und Normen Vergaberecht Erstmandat

### Leitsaetze Erstgespräch und Fristen

- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.

### Normen Vergaberecht Erstmandat
- §§ 97-109 GWB — Grundsaetze des Vergaberechts (Wettbewerb, Transparenz, Gleichbehandlung)
- § 106 GWB — EU-Schwellenwerte (Anwendungsbereich)
- § 160 Abs. 3 GWB — Ruegeobliegenheit und Fristen
- § 134 GWB — Informationspflicht vor Zuschlag (Stillhaltefrist 10 Tage)
- § 135 GWB — Unwirksamkeit des Zuschlags
- § 181 GWB — Schadensersatz bei Vergaberechtsverstoss

### Triage Vergaberecht — Erstgespräch

Bevor losgelegt wird, klaere:
1. Liegt der Auftragswert ueber EU-Schwellenwert (§ 106 GWB)? → GWB-Vergaberecht; darunter: UVgO/VOB-A
2. Wann erhielt Mandant Kenntnis vom Verstoss? → 10-Tage-Ruegeobliegenheit berechnen
3. Liegt Informationsschreiben § 134 GWB vor? → Stillhaltefrist 10 Tage bis Zuschlag beachten
4. Welche Vergabeart? → VgV / SektVO / KonzVgV / UVgO / VOB-A
5. Zuschlag bereits erteilt? → § 135 GWB Feststellung Unwirksamkeit oder § 181 GWB Schadensersatz
- **Was will der Mandant wirklich erreichen?** (Nicht: was steht im Standardweg, sondern: welches Ergebnis ist fuer den Mandanten persoenlich/wirtschaftlich das beste? Manchmal ist der schnellere Vergleich besser als der formal "richtige" Weg.)

### Output-Template Mandatsbogen Vergaberecht
**Adressat:** Intern — Tonfall: praezise, fristorientiert

```
MANDATSBOGEN Vergaberecht
=========================================
Datum Erstgespraech:      [TT.MM.JJJJ]
Mandant:                  [NAME / UNTERNEHMEN]
Rolle Mandant:            [Bieter / Auftraggeber / Beigeladene]
Vergabeverfahren:         [TED-Nr. / Az. Vergabestelle]
Auftraggeber:             [NAME, ANSCHRIFT]
Auftragswert (geschaetzt):EUR [BETRAG]
Schwellenwert ueberschritten: JA / NEIN
Kenntnisdatum Verstoss:   [TT.MM.JJJJ]
Ruegeobliegenheit-Frist:  [TT.MM.JJJJ] (§ 160 Abs. 3 GWB)
Informationsschreiben § 134 GWB vom: [DATUM]
Stillhaltefrist bis:      [DATUM]
Zuschlag erteilt:         JA / NEIN
Naechster Schritt:        [Ruege / NPA / Klage § 181 GWB]
=========================================
```

--- vor Versand klaeren ---
1. Welches Verhandlungsziel hat der Mandant? [Bestand / Abfindung / Reputation / Schnelle Loesung]
2. Welche Kompromisslinien sind absolut? [Mindestabfindung / Freistellung / Zeugnisformulierung]
3. Sind Anschlusswege erwuenscht? [Mediation / Direktgespraech / Settlement vor Klageerhebung]

