Zweck
Zweisprachig geführte Dokumente divergieren schleichend: Die aktiv bearbeitete Fassung
wächst, die andere veraltet — bis „Übersetzung" nur noch dem Namen nach stimmt. Dieser
Skill macht die Synchronprüfung zu einem definierten Ablauf mit einer entscheidenden
Vorab-Festlegung: Welche Fassung führt? Ohne Leitsprache-Regel wird jede Divergenz
zur Einzelfallentscheidung und der Abgleich unwiederholbar.
Ablauf
1. Bestand feststellen
- Liegen beide (alle) Sprachfassungen vor? Fehlt eine ganz → nachziehen (vollständige
Übersetzung der führenden Fassung, nicht Neudichtung).
- Namenskonvention prüfen (z. B.
DOKUMENT.md + DOKUMENT.en.md oder _de/_en-Suffixe)
und Abweichler angleichen — Auffindbarkeit ist die halbe Synchronität.
2. Leitsprache klären (vor jedem Abgleich)
- Die Leitsprache ist die Fassung, in der inhaltlich gearbeitet wird (bei Papers oft EN,
bei lokaler Doku oft die Muttersprache). Sie gewinnt bei Widerspruch.
- Rücktransfer-Ausnahme: Löst die Nebenfassung etwas nachweislich besser (klarere
Formulierung, korrigierter Fehler), wird es in die Leitfassung ÜBERNOMMEN — erst
rücktransferieren, dann normal synchronisieren. Fachliche Korrektheit prüfen, bevor
eine „schönere" Formulierung übernommen wird.
3. Parallelität prüfen
Struktur zuerst, dann Inhalt:
- Gliederungsvergleich: Abschnitte/Überschriften beider Fassungen nebeneinander —
fehlende, zusätzliche, umsortierte Abschnitte sind die groben Divergenzen.
- Abschnittsweise Stichprobe der übereinstimmenden Gliederung: Aussagen, Zahlen,
Verweise, Beispiele identisch? Besonders divergenzanfällig: Changelogs, Tabellen,
Zahlenwerte, Literatur-/Linkverzeichnisse, zuletzt bearbeitete Abschnitte.
- Nicht übersetzbare Invarianten prüfen: Code-Blöcke, Identifier, Formeln, Pfade
müssen in beiden Fassungen IDENTISCH sein (Code wird nie übersetzt).
4. Beheben
- Divergenzen in Richtung Leitsprache auflösen (bzw. nach Rücktransfer).
- Sprachtypografie der Zielsprache respektieren (im Deutschen echte Umlaute ä ö ü ß,
keine ae/oe/ue-Ersatzschreibung; Anführungszeichen-Konventionen).
- Metadaten nachziehen: Versionsnummern, Datumsfelder, Changelog-Einträge in BEIDEN
Fassungen (der Changelog selbst ist der häufigste Divergenzpunkt).
5. Dokumentieren
Ergebnis festhalten (was war divergent, was wurde übernommen, was rücktransferiert).
Als periodischer Lauf über einen Bestand: mit dem Rotations-Gerüst kombinieren
(rotation-check) — ein Dokument(-Paar) pro Lauf, Registry als Gedächtnis.
Erweiterung: Expansions-Audit (sollten MEHR Sprachen existieren?)
Neben dem Synchronhalten bestehender Fassungen gehört zur Sprachpflege die Frage, ob ein
Dokument/Projekt WEITERE Sprachen verdient:
- Eignung bewerten statt blind übersetzen: Zielgruppe, internationale Nutzbarkeit,
Store-/Web-Präsenz, Mobilität des Inhalts. Nicht jedes interne Dokument braucht Englisch;
nicht jede App braucht fünf Sprachen.
- Technische Vorbereitung prüfen: Ist das Ziel überhaupt auf Sprachdateien/Parallel-
Fassungen vorbereitet (i18n-Struktur, Namenskonvention)? Wenn nein, ist DAS die erste
Aufgabe, nicht die Übersetzung.
- Befund dokumentieren, nicht sofort massenübersetzen: Konkrete Übersetzungsaufgaben
in die projektlokale TODO-Datei; „keine weitere Sprache sinnvoll" ist ein gültiges,
festzuhaltendes Ergebnis.
- QA bei nachgezogenen Fassungen: Auto-generierte Übersetzungen stichprobenartig
gegen die Leitfassung prüfen (Abschnitt 3), bevor sie als „vorhanden" gelten.
Beispiel
Auftrag: „Prüf, ob das Paper in DE und EN synchron ist."
1. Bestand: paper_en.tex (führend) + paper_de.tex vorhanden.
2. Gliederung: DE fehlt der neue Abschnitt 4.2 (letzte EN-Revision); DE hat einen
besseren Beweis-Absatz in 3.1.
3. Rücktransfer: 3.1-Formulierung fachlich geprüft → in EN übernommen.
4. Nachziehen: 4.2 nach DE übersetzt; Zahlen in Tabelle 2 abgeglichen (DE hatte
veraltete Werte); Literaturverzeichnis identisch gemacht.
5. Registry-Eintrag: „paper-X | 2026-07-03 | de-en-sync | 3 Divergenzen behoben,
1 Rücktransfer | nächster Check nach nächster EN-Revision".
Red Flags
| Gedanke |
Realität |
| „Ich übersetze die Unterschiede einfach frisch" |
Erst Leitsprache + Rücktransfer-Frage klären — sonst wird die bessere Lösung überschrieben. |
| „Die Gliederung passt, also ist es synchron" |
Zahlen, Changelogs und Verweise divergieren zuerst — Stichprobe in die Tiefe ist Pflicht. |
| „Code-Kommentare übersetze ich mit" |
Code-Blöcke und Identifier bleiben in beiden Fassungen identisch (englisch). |
| „Ich synchronisiere alle Dokumente in einem Rutsch" |
Ein Paar pro Lauf (Rotations-Gerüst) hält den Abgleich prüfbar. |
Verwandte Skills
rotation-check — Gerüst für den periodischen Lauf über einen Dokumentbestand.
workflow-extract — wenn dieser Check als stehende Automation eingerichtet werden soll.
Changelog
1.1.0 (2026-07-03)
- Expansions-Audit ergänzt (i18n-Eignung bewerten, technische Vorbereitung, QA für
nachgezogene Fassungen) — integriert statt als eigener i18n-coverage-audit-Skill
(Dedup-Entscheid).
1.0.0 (2026-07-03)
- Initiale Version. Abstrahiert aus der Codex-Automation
„research-paper-de-en-synchronisationscheck", verallgemeinert auf beliebige parallel
geführte Sprachfassungen (Papers, READMEs, Skills, Website-Texte).
1---2name: bilingual-doc-sync3description: Parallel geführte Sprachfassungen eines Dokuments (Paper DE/EN, README + README_de, SKILL.md + SKILL.en.md, Website-Texte) synchron halten: fehlende Fassung nachziehen, Abschnitts-Parallelität prüfen, Divergenzen beheben — mit klarer Leitsprache-Regel und kontrolliertem Rücktransfer, wenn die Nebenfassung etwas besser löst. Nutze diesen Skill bei „sind DE und EN synchron?", „zieh die englische/deutsche Version nach", „Übersetzung ist veraltet", bei zweisprachigen Papers/READMEs/Skills, oder als periodischen Check über einen Dokumentbestand. Enthält auch das Expansions-Audit: bewerten, ob ein Projekt/Dokument WEITERE Sprachen verdient (i18n-Eignung nach Zielgruppe, technische Vorbereitung, kein blindes Massenübersetzen).4---56<img src="banner.png" width="100%" alt="bilingual-doc-sync banner">7# Bilingual-Doc-Sync — parallele Sprachfassungen synchron halten89## Zweck1011Zweisprachig geführte Dokumente divergieren schleichend: Die aktiv bearbeitete Fassung12wächst, die andere veraltet — bis „Übersetzung" nur noch dem Namen nach stimmt. Dieser13Skill macht die Synchronprüfung zu einem definierten Ablauf mit einer entscheidenden14Vorab-Festlegung: **Welche Fassung führt?** Ohne Leitsprache-Regel wird jede Divergenz15zur Einzelfallentscheidung und der Abgleich unwiederholbar.1617## Ablauf1819### 1. Bestand feststellen2021- Liegen beide (alle) Sprachfassungen vor? Fehlt eine ganz → **nachziehen** (vollständige22 Übersetzung der führenden Fassung, nicht Neudichtung).23- Namenskonvention prüfen (z. B. `DOKUMENT.md` + `DOKUMENT.en.md` oder `_de`/`_en`-Suffixe)24 und Abweichler angleichen — Auffindbarkeit ist die halbe Synchronität.2526### 2. Leitsprache klären (vor jedem Abgleich)2728- Die Leitsprache ist die Fassung, in der inhaltlich gearbeitet wird (bei Papers oft EN,29 bei lokaler Doku oft die Muttersprache). Sie gewinnt bei Widerspruch.30- **Rücktransfer-Ausnahme:** Löst die Nebenfassung etwas nachweislich besser (klarere31 Formulierung, korrigierter Fehler), wird es in die Leitfassung ÜBERNOMMEN — erst32 rücktransferieren, dann normal synchronisieren. Fachliche Korrektheit prüfen, bevor33 eine „schönere" Formulierung übernommen wird.3435### 3. Parallelität prüfen3637Struktur zuerst, dann Inhalt:38391. **Gliederungsvergleich:** Abschnitte/Überschriften beider Fassungen nebeneinander —40 fehlende, zusätzliche, umsortierte Abschnitte sind die groben Divergenzen.412. **Abschnittsweise Stichprobe** der übereinstimmenden Gliederung: Aussagen, Zahlen,42 Verweise, Beispiele identisch? Besonders divergenzanfällig: Changelogs, Tabellen,43 Zahlenwerte, Literatur-/Linkverzeichnisse, zuletzt bearbeitete Abschnitte.443. **Nicht übersetzbare Invarianten** prüfen: Code-Blöcke, Identifier, Formeln, Pfade45 müssen in beiden Fassungen IDENTISCH sein (Code wird nie übersetzt).4647### 4. Beheben4849- Divergenzen in Richtung Leitsprache auflösen (bzw. nach Rücktransfer).50- Sprachtypografie der Zielsprache respektieren (im Deutschen echte Umlaute ä ö ü ß,51 keine ae/oe/ue-Ersatzschreibung; Anführungszeichen-Konventionen).52- Metadaten nachziehen: Versionsnummern, Datumsfelder, Changelog-Einträge in BEIDEN53 Fassungen (der Changelog selbst ist der häufigste Divergenzpunkt).5455### 5. Dokumentieren5657Ergebnis festhalten (was war divergent, was wurde übernommen, was rücktransferiert).58Als periodischer Lauf über einen Bestand: mit dem Rotations-Gerüst kombinieren59(`rotation-check`) — ein Dokument(-Paar) pro Lauf, Registry als Gedächtnis.6061## Erweiterung: Expansions-Audit (sollten MEHR Sprachen existieren?)6263Neben dem Synchronhalten bestehender Fassungen gehört zur Sprachpflege die Frage, ob ein64Dokument/Projekt WEITERE Sprachen verdient:65661. **Eignung bewerten** statt blind übersetzen: Zielgruppe, internationale Nutzbarkeit,67 Store-/Web-Präsenz, Mobilität des Inhalts. Nicht jedes interne Dokument braucht Englisch;68 nicht jede App braucht fünf Sprachen.692. **Technische Vorbereitung prüfen:** Ist das Ziel überhaupt auf Sprachdateien/Parallel-70 Fassungen vorbereitet (i18n-Struktur, Namenskonvention)? Wenn nein, ist DAS die erste71 Aufgabe, nicht die Übersetzung.723. **Befund dokumentieren, nicht sofort massenübersetzen:** Konkrete Übersetzungsaufgaben73 in die projektlokale TODO-Datei; „keine weitere Sprache sinnvoll" ist ein gültiges,74 festzuhaltendes Ergebnis.754. **QA bei nachgezogenen Fassungen:** Auto-generierte Übersetzungen stichprobenartig76 gegen die Leitfassung prüfen (Abschnitt 3), bevor sie als „vorhanden" gelten.7778## Beispiel7980```text81Auftrag: „Prüf, ob das Paper in DE und EN synchron ist."82831. Bestand: paper_en.tex (führend) + paper_de.tex vorhanden.842. Gliederung: DE fehlt der neue Abschnitt 4.2 (letzte EN-Revision); DE hat einen85 besseren Beweis-Absatz in 3.1.863. Rücktransfer: 3.1-Formulierung fachlich geprüft → in EN übernommen.874. Nachziehen: 4.2 nach DE übersetzt; Zahlen in Tabelle 2 abgeglichen (DE hatte88 veraltete Werte); Literaturverzeichnis identisch gemacht.895. Registry-Eintrag: „paper-X | 2026-07-03 | de-en-sync | 3 Divergenzen behoben,90 1 Rücktransfer | nächster Check nach nächster EN-Revision".91```9293## Red Flags9495| Gedanke | Realität |96| --- | --- |97| „Ich übersetze die Unterschiede einfach frisch" | Erst Leitsprache + Rücktransfer-Frage klären — sonst wird die bessere Lösung überschrieben. |98| „Die Gliederung passt, also ist es synchron" | Zahlen, Changelogs und Verweise divergieren zuerst — Stichprobe in die Tiefe ist Pflicht. |99| „Code-Kommentare übersetze ich mit" | Code-Blöcke und Identifier bleiben in beiden Fassungen identisch (englisch). |100| „Ich synchronisiere alle Dokumente in einem Rutsch" | Ein Paar pro Lauf (Rotations-Gerüst) hält den Abgleich prüfbar. |101102## Verwandte Skills103104- `rotation-check` — Gerüst für den periodischen Lauf über einen Dokumentbestand.105- `workflow-extract` — wenn dieser Check als stehende Automation eingerichtet werden soll.106107## Changelog108109### 1.1.0 (2026-07-03)110- Expansions-Audit ergänzt (i18n-Eignung bewerten, technische Vorbereitung, QA für111 nachgezogene Fassungen) — integriert statt als eigener i18n-coverage-audit-Skill112 (Dedup-Entscheid).113114### 1.0.0 (2026-07-03)115- Initiale Version. Abstrahiert aus der Codex-Automation116 „research-paper-de-en-synchronisationscheck", verallgemeinert auf beliebige parallel117 geführte Sprachfassungen (Papers, READMEs, Skills, Website-Texte).