BfDI- und Länder-Blacklist Abgleich
Zweck
Führt einen sauberen Abgleich einer konkreten Verarbeitungstaetigkeit mit der Pflichtliste der zuständigen Aufsichtsbehoerde nach Art. 35 Abs. 4 DSGVO (Blacklist) und mit der Whitelist nach Art. 35 Abs. 5 DSGVO durch. Ergebnis ist ein dokumentierter Listenabgleich, der die Erforderlichkeit oder Entbehrlichkeit einer DSFA stuetzt.
Wann dieses Modul hilft
- In der DSFA-Trigger-Prüfung (Schwellwertanalyse)
- Bei einer Aufsichtsanfrage zur Begruendung einer durchgefuehrten oder unterlassenen DSFA
- Bei wesentlichen Änderungen der Verarbeitung
- Wenn unklar ist, welche Landesdatenschutzbehoerde zuständig ist (Sitzland-Prüfung)
Rechtlicher Rahmen
- Art. 35 Abs. 4 DSGVO: Aufsichtsbehoerden erstellen und veröffentlichen Listen der Verarbeitungstaetigkeiten, für die eine DSFA durchzufuehren ist.
- Art. 35 Abs. 5 DSGVO: Aufsichtsbehoerden können Listen veröffentlichen, für die keine DSFA erforderlich ist (Whitelist).
- Art. 35 Abs. 6 DSGVO: Listen werden dem Ausschuss EDSA uebermittelt, Koehaerenzverfahren bei grenzueberschreitenden Verarbeitungen.
- § 40 BDSG: Zuständigkeit der Landesdatenschutzbehoerden für den nicht-öffentlichen Bereich.
- § 67 BDSG verweist auf die Pflichtliste im öffentlichen Bereich des Bundes.
- EDSA-Leitlinien WP 248 rev.01 als Auslegungshilfe.
Ablauf 6-Schritte-Methodik
- Verarbeitungsbeschreibung. Welche Verarbeitung soll abgeglichen werden? Konkrete Bezeichnung, Branche, eingesetzte Technologie, Datenkategorien.
- Verhältnismäßigkeitspruefung. Zustaendige Aufsichtsbehoerde ermitteln: Bund (BfDI) für öffentliche Stellen des Bundes, Telekommunikation und Postwesen; Länder für den nicht-öffentlichen Bereich, sortiert nach Sitzland des Verantwortlichen.
- Risikoanalyse Listenabgleich. Aktuelle Blacklist der zuständigen Behörde live abrufen (bfdi.bund.de bzw. Landesbehoerde). Treffer dokumentieren mit konkretem Listenpunkt und Datum des Abrufs.
- Maßnahmen. Prüfen ob die Verarbeitung exakt unter einen Listenpunkt faellt oder nur partiell. Bei partieller Deckung: Begruendung warum trotzdem oder warum nicht DSFA-pflichtig.
- Restrisiko. Falls Blacklist-Treffer: DSFA zwingend. Falls Whitelist-Treffer: DSFA entbehrlich, Dokumentation der Whitelist-Position. Falls weder noch: Prüfung nach Art. 35 Abs. 1 und Abs. 3 DSGVO erforderlich.
- Konsultation / Genehmigung. Listenabgleich dem DSB vorlegen, gegenzeichnen lassen, in das Verarbeitungsverzeichnis nach Art. 30 verlinken.
Mustertext / Template
LISTENABGLEICH NACH ART. 35 ABS. 4 / ABS. 5 DSGVO [DATUM]
Verarbeitung: [BEZEICHNUNG]
Verantwortlicher: [NAME, SITZLAND]
Zustaendige Aufsichtsbehoerde: [BfDI / LfDI BW / LDA Bayern / ...]
Quelle Blacklist (Stand): [URL, Abrufdatum]
Quelle Whitelist (Stand): [URL, Abrufdatum]
Pruefung Blacklist
- Listenpunkt 1: [Bezeichnung] — Treffer ja / nein — Begruendung
- Listenpunkt 2: [Bezeichnung] — Treffer ja / nein — Begruendung
- ...
Pruefung Whitelist
- Listenpunkt: [Bezeichnung] — Treffer ja / nein — Begruendung
Ergebnis
[ ] BLACKLIST-TREFFER — DSFA zwingend nach Art. 35 Abs. 4 DSGVO
[ ] WHITELIST-TREFFER — DSFA entbehrlich nach Art. 35 Abs. 5 DSGVO
[ ] KEIN LISTENTREFFER — Pruefung nach Art. 35 Abs. 1, 3 DSGVO fortsetzen
Naechster Schritt: [Vollstaendige DSFA / Dokumentation / Weiterleitung an Skill]
Unterschrift: ____________________
Praxishinweise zur Zuständigkeit
- Nicht-öffentlicher Bereich: Landesdatenschutzbehoerde am Sitz des Verantwortlichen.
- Oeffentlicher Bereich Bund (Bundesbehoerden, Telekommunikation, Post): BfDI.
- Oeffentlicher Bereich Land: jeweilige Landesdatenschutzbehoerde.
- Grenzueberschreitende Verarbeitung Art. 56 DSGVO: Federfuehrungsbehoerde am Sitz der Hauptniederlassung.
- Konzern mit mehreren Sitzlaendern: Hauptniederlassung nach Art. 4 Nr. 16 DSGVO bestimmen.
Typische Fehler
- Nur BfDI geprueft, Landesbehoerde uebersehen — im nicht-öffentlichen Bereich ist regelmaessig die Landesbehoerde des Sitzlandes zuständig.
- Listenstand veraltet — Listen werden fortgeschrieben, immer aktuelles Datum dokumentieren.
- Partielle Deckung als Volltreffer behandelt — Listenpunkte sind typenoffen, aber konkret zu prüfen.
- Whitelist als Freibrief verstanden — Whitelist entlastet nur, wenn die Verarbeitung exakt zur Listenposition passt.
- Keine Dokumentation des Abrufdatums — Aufsicht kann den Stand nicht nachvollziehen.
- Grenzueberschreitende Verarbeitung: Federfuehrungsbehoerde nach Art. 56 DSGVO uebersehen.
- Konzerngesellschaften mit Sitz in mehreren Bundeslaendern: jede Gesellschaft hat eigene Aufsicht; nicht zentralisieren.
- Konflikt Bundes- versus Landesliste: bei Doppelpflicht die strengere Vorgabe anwenden.
Beispielfaelle
- Kreditscoring-Plattform: regelmaessig auf mehreren Landeslisten (Scoring + automatisierte Entscheidung).
- Patientenakte mit Cloud-Speicherung: meist auf BfDI- bzw. Landesliste (besondere Kategorien Art. 9 + neue Technologie).
- Videoueberwachung Bahnhofsvorplatz: Art. 35 Abs. 3 lit. c DSGVO unmittelbar und zusaetzlich Listentreffer wegen öffentlichem Bereich.
- KI-Personalauswahl: regelmaessig Listentreffer wegen Profiling und neuen Technologien.
Quellen Stand 06/2026
- Art. 35 Abs. 4, 5, 6 DSGVO
- § 40, § 67 BDSG
- BfDI: bfdi.bund.de — Pflichtliste und Whitelist (live prüfen)
- LfDI Baden-Wuerttemberg, LDA Bayern, BlnBDI Berlin, HmbBfDI Hamburg, HBDI Hessen, LfDI Rheinland-Pfalz, LfD Niedersachsen, LDI NRW, ULD Schleswig-Holstein, LfDI Saarland, SaechsDSB, LfD Sachsen-Anhalt, TLfDI, LfD Mecklenburg-Vorpommern, LfDI Bremen, LfD Brandenburg — eigene Listen abrufen
- EDSA-Leitlinien WP 248 rev.01
- Literatur: Kommentar- und Aufsatzfundstellen nur bei eigener Quelle
Quellenregel: Entscheidungen nur nach Prüfung einer amtlichen oder frei zugänglichen Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage ausgeben.
1---2name: dsfa-bfdi-und-laender-blacklist3description: Für BfDI- und Länder-Blacklist Abgleich: ordnet Norm, Beweislast und Gegenargument; Ergebnis: Prüfprodukt mit Risiko und nächstem Schritt.4---56# BfDI- und Länder-Blacklist Abgleich78## Zweck910Führt einen sauberen Abgleich einer konkreten Verarbeitungstaetigkeit mit der Pflichtliste der zuständigen Aufsichtsbehoerde nach Art. 35 Abs. 4 DSGVO (Blacklist) und mit der Whitelist nach Art. 35 Abs. 5 DSGVO durch. Ergebnis ist ein dokumentierter Listenabgleich, der die Erforderlichkeit oder Entbehrlichkeit einer DSFA stuetzt.1112## Wann dieses Modul hilft1314- In der DSFA-Trigger-Prüfung (Schwellwertanalyse)15- Bei einer Aufsichtsanfrage zur Begruendung einer durchgefuehrten oder unterlassenen DSFA16- Bei wesentlichen Änderungen der Verarbeitung17- Wenn unklar ist, welche Landesdatenschutzbehoerde zuständig ist (Sitzland-Prüfung)1819## Rechtlicher Rahmen2021- Art. 35 Abs. 4 DSGVO: Aufsichtsbehoerden erstellen und veröffentlichen Listen der Verarbeitungstaetigkeiten, für die eine DSFA durchzufuehren ist.22- Art. 35 Abs. 5 DSGVO: Aufsichtsbehoerden können Listen veröffentlichen, für die keine DSFA erforderlich ist (Whitelist).23- Art. 35 Abs. 6 DSGVO: Listen werden dem Ausschuss EDSA uebermittelt, Koehaerenzverfahren bei grenzueberschreitenden Verarbeitungen.24- § 40 BDSG: Zuständigkeit der Landesdatenschutzbehoerden für den nicht-öffentlichen Bereich.25- § 67 BDSG verweist auf die Pflichtliste im öffentlichen Bereich des Bundes.26- EDSA-Leitlinien WP 248 rev.01 als Auslegungshilfe.2728## Ablauf 6-Schritte-Methodik29301. **Verarbeitungsbeschreibung.** Welche Verarbeitung soll abgeglichen werden? Konkrete Bezeichnung, Branche, eingesetzte Technologie, Datenkategorien.312. **Verhältnismäßigkeitspruefung.** Zustaendige Aufsichtsbehoerde ermitteln: Bund (BfDI) für öffentliche Stellen des Bundes, Telekommunikation und Postwesen; Länder für den nicht-öffentlichen Bereich, sortiert nach Sitzland des Verantwortlichen.323. **Risikoanalyse Listenabgleich.** Aktuelle Blacklist der zuständigen Behörde live abrufen (bfdi.bund.de bzw. Landesbehoerde). Treffer dokumentieren mit konkretem Listenpunkt und Datum des Abrufs.334. **Maßnahmen.** Prüfen ob die Verarbeitung exakt unter einen Listenpunkt faellt oder nur partiell. Bei partieller Deckung: Begruendung warum trotzdem oder warum nicht DSFA-pflichtig.345. **Restrisiko.** Falls Blacklist-Treffer: DSFA zwingend. Falls Whitelist-Treffer: DSFA entbehrlich, Dokumentation der Whitelist-Position. Falls weder noch: Prüfung nach Art. 35 Abs. 1 und Abs. 3 DSGVO erforderlich.356. **Konsultation / Genehmigung.** Listenabgleich dem DSB vorlegen, gegenzeichnen lassen, in das Verarbeitungsverzeichnis nach Art. 30 verlinken.3637## Mustertext / Template3839```40LISTENABGLEICH NACH ART. 35 ABS. 4 / ABS. 5 DSGVO [DATUM]4142Verarbeitung: [BEZEICHNUNG]43Verantwortlicher: [NAME, SITZLAND]44Zustaendige Aufsichtsbehoerde: [BfDI / LfDI BW / LDA Bayern / ...]4546Quelle Blacklist (Stand): [URL, Abrufdatum]47Quelle Whitelist (Stand): [URL, Abrufdatum]4849Pruefung Blacklist50- Listenpunkt 1: [Bezeichnung] — Treffer ja / nein — Begruendung51- Listenpunkt 2: [Bezeichnung] — Treffer ja / nein — Begruendung52- ...5354Pruefung Whitelist55- Listenpunkt: [Bezeichnung] — Treffer ja / nein — Begruendung5657Ergebnis58[ ] BLACKLIST-TREFFER — DSFA zwingend nach Art. 35 Abs. 4 DSGVO59[ ] WHITELIST-TREFFER — DSFA entbehrlich nach Art. 35 Abs. 5 DSGVO60[ ] KEIN LISTENTREFFER — Pruefung nach Art. 35 Abs. 1, 3 DSGVO fortsetzen6162Naechster Schritt: [Vollstaendige DSFA / Dokumentation / Weiterleitung an Skill]6364Unterschrift: ____________________65```6667## Praxishinweise zur Zuständigkeit6869- Nicht-öffentlicher Bereich: Landesdatenschutzbehoerde am Sitz des Verantwortlichen.70- Oeffentlicher Bereich Bund (Bundesbehoerden, Telekommunikation, Post): BfDI.71- Oeffentlicher Bereich Land: jeweilige Landesdatenschutzbehoerde.72- Grenzueberschreitende Verarbeitung Art. 56 DSGVO: Federfuehrungsbehoerde am Sitz der Hauptniederlassung.73- Konzern mit mehreren Sitzlaendern: Hauptniederlassung nach Art. 4 Nr. 16 DSGVO bestimmen.7475## Typische Fehler7677- Nur BfDI geprueft, Landesbehoerde uebersehen — im nicht-öffentlichen Bereich ist regelmaessig die Landesbehoerde des Sitzlandes zuständig.78- Listenstand veraltet — Listen werden fortgeschrieben, immer aktuelles Datum dokumentieren.79- Partielle Deckung als Volltreffer behandelt — Listenpunkte sind typenoffen, aber konkret zu prüfen.80- Whitelist als Freibrief verstanden — Whitelist entlastet nur, wenn die Verarbeitung exakt zur Listenposition passt.81- Keine Dokumentation des Abrufdatums — Aufsicht kann den Stand nicht nachvollziehen.82- Grenzueberschreitende Verarbeitung: Federfuehrungsbehoerde nach Art. 56 DSGVO uebersehen.83- Konzerngesellschaften mit Sitz in mehreren Bundeslaendern: jede Gesellschaft hat eigene Aufsicht; nicht zentralisieren.84- Konflikt Bundes- versus Landesliste: bei Doppelpflicht die strengere Vorgabe anwenden.8586## Beispielfaelle8788- Kreditscoring-Plattform: regelmaessig auf mehreren Landeslisten (Scoring + automatisierte Entscheidung).89- Patientenakte mit Cloud-Speicherung: meist auf BfDI- bzw. Landesliste (besondere Kategorien Art. 9 + neue Technologie).90- Videoueberwachung Bahnhofsvorplatz: Art. 35 Abs. 3 lit. c DSGVO unmittelbar und zusaetzlich Listentreffer wegen öffentlichem Bereich.91- KI-Personalauswahl: regelmaessig Listentreffer wegen Profiling und neuen Technologien.9293## Quellen Stand 06/20269495- Art. 35 Abs. 4, 5, 6 DSGVO96- § 40, § 67 BDSG97- BfDI: bfdi.bund.de — Pflichtliste und Whitelist (live prüfen)98- LfDI Baden-Wuerttemberg, LDA Bayern, BlnBDI Berlin, HmbBfDI Hamburg, HBDI Hessen, LfDI Rheinland-Pfalz, LfD Niedersachsen, LDI NRW, ULD Schleswig-Holstein, LfDI Saarland, SaechsDSB, LfD Sachsen-Anhalt, TLfDI, LfD Mecklenburg-Vorpommern, LfDI Bremen, LfD Brandenburg — eigene Listen abrufen99- EDSA-Leitlinien WP 248 rev.01100- Literatur: Kommentar- und Aufsatzfundstellen nur bei eigener Quelle101102> Quellenregel: Entscheidungen nur nach Prüfung einer amtlichen oder frei zugänglichen Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage ausgeben.