Erstgespraech im gewerblichen Rechtsschutz strukturieren und Mandat aufnehmen
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Fokus: Erstgespraech im gewerblichen Rechtsschutz strukturieren und Mandat aufnehmen. § 14 MarkenG § 139 PatG § 8 UWG § 43a BRAO. Prüfraster: Schutzrecht Verletzungshandlung Parteistellung Eilbedürfnis Fristen. Output: Mandat-Steckbrief Sachverhaltsprotokoll fehlende Unterlagen. Abgrenzung: Einstiegs-Skill; Detailarbeit in Spezialist-Skills.
Erstgespraech und Mandatsannahme im Marken-, Patent-, Design- und Wettbewerbsrecht
Triage zu Beginn — klaere vor jedem weiteren Schritt
- Liegt eine Abmahnung, einstweilige Verfuegung oder Fristmitteilung vor? Wenn ja: Datum feststellen und sofort Kalender-Alarm setzen.
- Welches Schutzrecht ist betroffen: Marke (MarkenG), Design (DesignG), Patent (PatG), Gebrauchsmuster (GebrMG) oder lauterkeitsrechtlicher Anspruch (UWG)?
- Sind mehrere Parteien am Sachverhalt beteiligt, für die ein Interessenkonflikt bestehen koennte (§ 43a Abs. 4 BRAO, § 3 BORA)?
- Ist der Mandant eine juristische Person → Handelsregister, Transparenzregister, wirtschaftlich Berechtigte prüfen (§§ 10 ff. GwG).
- Was ist das Endziel des Mandanten in einem Satz?
Phasen des Erstgespraechs
1. Aufnahme der Konstellation (10-15 Min.)
Standard-Fragenraster für Marken-, Patent-, Design- und Wettbewerbsrecht:
- Beteiligte (Vor-/Nachname, Geburtsdatum, Anschrift, Rolle: Klägerin/Beklagter, Antragsteller, Beschuldigter)
- Konflikt-Kern in einem Satz ("Was ist Ihr Ziel?")
- Konkrete fachliche Stossrichtung: Marken, Designs, Patente, UWG-Abmahnung, Lizenz, Domain
- Bisherige Korrespondenz (Bescheide, Schreiben der Gegenseite, anwaltliche Vertretung der Gegenseite?)
- Fristenscreening sofort: anstehende Klage-/Widerspruchs-/Einspruchsfristen aus den vorgelegten Schreiben. Frist-Alarm an die Vorbereitung weitergeben.
2. Konflikt-Prüfung und GwG-Check (5 Min.)
- Konflikt-Check über Mandantensystem: Gegnerin, Streitgegenstand, frueherer Mandant?
- GwG-Identifizierung: amtlicher Lichtbildausweis, bei juristischer Person Handelsregister-/Transparenzregisterauszug, ggf. wirtschaftlich Berechtigte/n.
- Risikobewertung (niedrig/mittel/hoch) abhaengig von Mandatscharakter, Bargeld, Auslandsbezug.
- Doku im Mandatsbogen (Pflicht nach §§ 10 ff. GwG i.V.m. § 2 Abs. 1 Nr. 10 GwG für RA-Mandate).
3. Vollmacht und Schweigepflichtentbindung
- Allgemeine Prozess-/Aussenvollmacht (BORA, ZPO, FamFG, je nach Fachgebiet).
- Spezielle Vollmachten: ggf. Akteneinsicht Strafakte, Behörde.
- Bei Eheleuten/GbR/GmbH: einzelvollmachtgebende Person und Vertretungsmacht klären.
4. Streitwert und Gebührenvereinbarung
Standard-Streitwerte im Bereich Marken-, Patent-, Design- und Wettbewerbsrecht:
- Skizze: Streitwert grob abschaetzen (z.B. Hauptforderung, ggf. + Zinsen, Nebenforderungen).
- RVG-Pauschalrechnung oder Stundenhonorarvereinbarung.
- Beratungshilfe-/Prozesskostenhilfe-Antrag prüfen, wenn wirtschaftlich angezeigt.
- Vorschussanforderung nach § 9 RVG.
5. Strategie-Erstskizze
Drei Weichen am Ende des Erstgespraechs:
- Mandat annehmen: vollstaendig (Prüfung + Schriftsatz) oder begrenzt (nur Prüfung/Gutachten).
- Verweisen: wenn Spezialgebiet ausserhalb der Fachanwaltschaft, oertlich unzuständig oder Konflikt.
- Ablehnen: offensichtlich aussichtslos, GwG-Hit, Bauchgefuehl-Vorsicht.
Zentrale Normen und Paragrafenkette
- § 43a Abs. 4 BRAO — Interessenkonflikt
- § 3 BORA — Interessenkonflikt Sachzusammenhang
- §§ 10 ff. GwG i.V.m. § 2 Abs. 1 Nr. 10 GwG — Identifizierungspflicht
- § 9 RVG — Vorschussanforderung
- § 3a RVG — Schriftformerfordernis Stundenhonorar
- §§ 195, 199 BGB — Regelverjaehrung 3 Jahre
Pflicht-Output am Ende
- Mandatsbogen mit Beteiligten, Konflikt-Check, GwG-Status, Streitwert.
- Frist-Liste (Sofortfristen, Verjährung, Ausschlussfristen, Beweisanforderungs-Fristen).
- Anlagenverzeichnis des uebergebenen Datenraums (Stand erstes Sortieren).
- Naechster-Schritt-Plan: binnen 24/48/72 h, Owner, Output.
- Honorarvereinbarung unterschrieben oder Vorbehalt notiert.
Output-Template Mandatsbogen
Adressat: intern (Kanzleiakte) — Tonfall sachlich-strukturiert
MANDATSBOGEN — MARKEN-/PATENT-/DESIGN-/WETTBEWERBSRECHT
Datum: [TT.MM.JJJJ]
Aktenzeichen: [INTERN]
Mandant: [NAME, Geburtsdatum, Adresse, Telefon, E-Mail]
Gegner: [NAME, Adresse, ggf. anwaltliche Vertretung]
Sachverhalt: [5-10 Saetze]
Ziel des Mandats: [Eine Zeile]
Schutzrecht: [ ] Marke [ ] Design [ ] Patent [ ] UWG [ ] Sonstiges
Frist: [DATUM] — Bereich: [Widerspruch/Abmahnung/Klage/Einspruch]
Konflikt-Check: [ ] geprueft, kein Konflikt [ ] Einwilligung liegt vor
GwG: [ ] Identifizierung erfolgt [ ] Risiko: [niedrig/mittel/hoch]
Vollmacht: [ ] unterschrieben am [DATUM]
Streitwert: ca. [BETRAG] EUR (Schaetzung)
Honorar: [ ] RVG [ ] Stundenhonorar [BETRAG EUR/h] [ ] Pauschale
Vorschuss: [BETRAG] EUR, faellig [DATUM]
Naechste Schritte: 1. [MASSNAHME] bis [DATUM] — 2. [MASSNAHME] bis [DATUM]
Ausformulierungspflicht und Formatstandard. Das Endprodukt wird in vollständigen, ausformulierten Sätzen geliefert — keine Stichwortskelette, keine leeren Klauselrümpfe, keine reinen Aufzählungen. Klauseln stehen als ausformulierte Rechtsfolgen-Sätze; Platzhalter wie [Name der Mandantin] werden klar markiert, der umgebende Text bleibt vollständig.
Schriftbild: Wenn ein Schriftsatz, Vertrag, Memo, Beschluss, Vermerk oder sonstiges Enddokument als DOCX, PDF oder formatierter Text ausgegeben wird, ist Times New Roman 11 pt als Grundschrift zu verwenden. Überschriften bleiben in derselben Schrift und dürfen nur fett oder abgestuft sein. Bei reiner Markdown- oder Chat-Ausgabe wird dieser Formatwunsch als Exporthinweis aufgenommen.
Nummerierung: Gliederung ausschließlich dezimal (1, 1.1, 1.1.1 und so weiter). Keine römischen Ziffern, keine Buchstaben- oder Mischgliederung.
Output-Template E-Mail Erstgespraechs-Zusammenfassung
Adressat: Mandant — Tonfall verstaendlich-erklaerend
Sehr geehrte/r Frau/Herr [NAME],
vielen Dank für unser heutiges Gespraech. Ich fasse die wesentlichen Punkte zusammen:
1. Sachverhalt: [Kurzbeschreibung]
2. Handlungsbedarf: [Welche Schritte eingeleitet werden]
3. Naechste Frist: [DATUM] — [Was bis dahin geschieht]
4. Kosten: Auf Basis des Streitwerts von ca. [BETRAG] EUR fallen Anwaltsgebuehren
nach RVG von ca. [BETRAG] EUR an. [Ggf. Stundenhonorar erlaeutern.]
5. Bitte senden Sie mir bis [DATUM] folgende Unterlagen: [Liste]
Mit freundlichen Gruessen
[KANZLEI / NAME]
Schritt-für-Schritt-Workflow
Schritt 1: Frist identifizieren
→ Jedes mitgebrachte Schreiben auf Fristen scannen
→ Kalender-Alarm mit 3-Tage-Vorlauf
Schritt 2: Konflikt-Check
→ Mandantensystem abfragen: Gegner, Sachzusammenhang
→ Bei Konflikt: ablehnen und schriftlich mitteilen
Schritt 3: GwG-Pruefung
→ Ausweis kopieren und im Akt ablegen
→ Risikoklasse vermerken
Schritt 4: Vollmacht unterschreiben lassen
→ Allgemeine Vollmacht + ggf. Sondervollmacht
Schritt 5: Streitwert und Honorar festlegen
→ Ersten Schriftsatz / erste Leistung bepreisen
→ Vorschuss anfordern § 9 RVG
Schritt 6: Mandatsbogen ausfuellen
→ Vollstaendig, datiert, abgelegt
Schritt 7: E-Mail-Zusammenfassung binnen 48 h
→ Bestaetigung Strategie, Fristen, Kosten
Typische Fehler im Erstgespraech
- Frist uebersehen, weil Mandantin sie nicht selber genannt hat (immer aus jedem Schreiben Frist herausziehen).
- Konflikt-Check nur nach Personennamen, nicht nach Sachzusammenhang.
- Vollmachtsumfang unklar → später Streit mit Mandantin über Befugnisse.
- Honorarvereinbarung muendlich → Beweisnot bei Streitwert-/Honorar-Streit.
- GwG: kein Lichtbildausweis erfasst, kein Aktenvermerk über Risikobewertung.
Praxis-Checkliste
Konkrete Praxis-Konstellationen
Konstellation A: Eilbeduerftigkeit
Mandantin kommt am Donnerstag, Frist laeuft am Montag. Handlungs-Sequenz:
- Sofort-Vollmacht und Sofort-Akteneinsicht (per beA, ELSTER, Behördenportal).
- Antrag auf Wiedereinsetzung (§ 233 ZPO, § 60 VwGO) als Reserve dokumentieren.
- Spaeteste-Stunde-Versand-Plan: beA bevorzugt, mit qualifizierter Signatur und Empfangsbekenntnis.
- Honorarvereinbarung NICHT auf Eilzuschlag verzichten — aber transparent kommunizieren.
Konstellation B: Komplexer Sachverhalt, Datenraum unsortiert
Mandant uebergibt 200+ Dateien (PDF-Scans, E-Mails, Excel-Listen):
- Datenraum-Index in Excel: Datum, Absender, Empfaenger, Aktenzeichen, kurze Inhaltszeile.
- Chronologischer Verlauf als Zeitstrahl — Spielraum für Verjährungs- und Ausschlussfristen identifizieren.
- Loecher im Datenraum gezielt anfordern (Mandantenfragen-Katalog).
Konstellation C: Interessenkonflikt-Naehe
Frueheres Mandat mit derselben Gegnerin oder gleichem Sachzusammenhang:
- § 43a Abs. 4 BRAO und § 3 BORA — Sachzusammenhang, nicht nur Personenidentitaet.
- Einwilligung beider Mandanten in Textform (mit konkreter Beschreibung).
- Bei Zweifel: Mandat ablehnen und an Kanzleikollegium ueberweisen.
Vertiefung: Fristen im gewerblichen Rechtsschutz
| Verfahren |
Frist |
Norm |
| Widerspruch Marke DPMA |
3 Monate ab Veroeffentlichung |
§ 42 Abs. 1 MarkenG |
| Widerspruch Marke EUIPO |
3 Monate ab Veroeffentlichung |
Art. 46 UMV |
| UWG-Verfuegungsantrag |
Dringlichkeit (max. 4 Wochen Kenntniswahrung) |
§ 12 Abs. 1 UWG |
| Einspruch DPMA (Patent) |
9 Monate ab Erteilung |
§ 59 Abs. 1 PatG |
| Nichtigkeitsklage Patent |
keine Frist (solange Patent laeuft) |
§ 81 PatG |
| Verjährung UWG/MarkenG |
3 Jahre ab Kenntnis |
§§ 195, 199 BGB |
| Verjaerungs-Hemmung |
Klage, Mahnbescheid, Verhandlung |
§ 204 BGB |
Cross-Refs
vergleichsverhandlung-strategie — für den Fall, dass aussergerichtliche Loesung angestrebt wird.
schriftsatzkern-substantiierung — für den Schriftsatzaufbau, wenn Klage/Widerspruch eingereicht wird.
Quellenregel: Entscheidungen nur nach Prüfung einer amtlichen oder frei zugänglichen Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage ausgeben.
1---2name: erstgespraech-mandatsannahme-183description: Für Erstgespräch im gewerblichen Rechtsschutz strukturieren und Mandat aufnehmen: ordnet Norm, Beweislast und Gegenargument; Ergebnis: Prüfprodukt mit Risiko und nächstem Schritt.4---5
6# Erstgespraech im gewerblichen Rechtsschutz strukturieren und Mandat aufnehmen
7
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9## Arbeitsweg
10
11- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
12- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
13- Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
14- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
15- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
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17**Fokus:** Erstgespraech im gewerblichen Rechtsschutz strukturieren und Mandat aufnehmen. § 14 MarkenG § 139 PatG § 8 UWG § 43a BRAO. Prüfraster: Schutzrecht Verletzungshandlung Parteistellung Eilbedürfnis Fristen. Output: Mandat-Steckbrief Sachverhaltsprotokoll fehlende Unterlagen. Abgrenzung: Einstiegs-Skill; Detailarbeit in Spezialist-Skills.
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19### Erstgespraech und Mandatsannahme im Marken-, Patent-, Design- und Wettbewerbsrecht
20
21## Triage zu Beginn — klaere vor jedem weiteren Schritt
22
231. Liegt eine **Abmahnung, einstweilige Verfuegung oder Fristmitteilung** vor? Wenn ja: Datum feststellen und sofort Kalender-Alarm setzen.
242. Welches **Schutzrecht** ist betroffen: Marke (MarkenG), Design (DesignG), Patent (PatG), Gebrauchsmuster (GebrMG) oder lauterkeitsrechtlicher Anspruch (UWG)?
253. Sind **mehrere Parteien** am Sachverhalt beteiligt, für die ein Interessenkonflikt bestehen koennte (§ 43a Abs. 4 BRAO, § 3 BORA)?
264. Ist der Mandant eine **juristische Person** → Handelsregister, Transparenzregister, wirtschaftlich Berechtigte prüfen (§§ 10 ff. GwG).
275. Was ist das **Endziel** des Mandanten in einem Satz?
28
29## Phasen des Erstgespraechs
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31### 1. Aufnahme der Konstellation (10-15 Min.)
32
33Standard-Fragenraster für Marken-, Patent-, Design- und Wettbewerbsrecht:
34
35- Beteiligte (Vor-/Nachname, Geburtsdatum, Anschrift, Rolle: Klägerin/Beklagter, Antragsteller, Beschuldigter)
36- Konflikt-Kern in einem Satz ("Was ist Ihr Ziel?")
37- Konkrete fachliche Stossrichtung: Marken, Designs, Patente, UWG-Abmahnung, Lizenz, Domain
38- Bisherige Korrespondenz (Bescheide, Schreiben der Gegenseite, anwaltliche Vertretung der Gegenseite?)
39- **Fristenscreening sofort:** anstehende Klage-/Widerspruchs-/Einspruchsfristen aus den vorgelegten Schreiben. Frist-Alarm an die Vorbereitung weitergeben.
40
41### 2. Konflikt-Prüfung und GwG-Check (5 Min.)
42
43- Konflikt-Check über Mandantensystem: Gegnerin, Streitgegenstand, frueherer Mandant?
44- GwG-Identifizierung: amtlicher Lichtbildausweis, bei juristischer Person Handelsregister-/Transparenzregisterauszug, ggf. wirtschaftlich Berechtigte/n.
45- Risikobewertung (niedrig/mittel/hoch) abhaengig von Mandatscharakter, Bargeld, Auslandsbezug.
46- Doku im Mandatsbogen (Pflicht nach §§ 10 ff. GwG i.V.m. § 2 Abs. 1 Nr. 10 GwG für RA-Mandate).
47
48### 3. Vollmacht und Schweigepflichtentbindung
49
50- Allgemeine Prozess-/Aussenvollmacht (BORA, ZPO, FamFG, je nach Fachgebiet).
51- Spezielle Vollmachten: ggf. Akteneinsicht Strafakte, Behörde.
52- Bei Eheleuten/GbR/GmbH: einzelvollmachtgebende Person und Vertretungsmacht klären.
53
54### 4. Streitwert und Gebührenvereinbarung
55
56Standard-Streitwerte im Bereich Marken-, Patent-, Design- und Wettbewerbsrecht:
57
58- Skizze: Streitwert grob abschaetzen (z.B. Hauptforderung, ggf. + Zinsen, Nebenforderungen).
59- RVG-Pauschalrechnung oder Stundenhonorarvereinbarung.
60- Beratungshilfe-/Prozesskostenhilfe-Antrag prüfen, wenn wirtschaftlich angezeigt.
61- Vorschussanforderung nach § 9 RVG.
62
63### 5. Strategie-Erstskizze
64
65Drei Weichen am Ende des Erstgespraechs:
66
67- **Mandat annehmen:** vollstaendig (Prüfung + Schriftsatz) oder begrenzt (nur Prüfung/Gutachten).
68- **Verweisen:** wenn Spezialgebiet ausserhalb der Fachanwaltschaft, oertlich unzuständig oder Konflikt.
69- **Ablehnen:** offensichtlich aussichtslos, GwG-Hit, Bauchgefuehl-Vorsicht.
70
71## Zentrale Normen und Paragrafenkette
72
73- § 43a Abs. 4 BRAO — Interessenkonflikt
74- § 3 BORA — Interessenkonflikt Sachzusammenhang
75- §§ 10 ff. GwG i.V.m. § 2 Abs. 1 Nr. 10 GwG — Identifizierungspflicht
76- § 9 RVG — Vorschussanforderung
77- § 3a RVG — Schriftformerfordernis Stundenhonorar
78- §§ 195, 199 BGB — Regelverjaehrung 3 Jahre
79
80## Pflicht-Output am Ende
81
821. **Mandatsbogen** mit Beteiligten, Konflikt-Check, GwG-Status, Streitwert.
832. **Frist-Liste** (Sofortfristen, Verjährung, Ausschlussfristen, Beweisanforderungs-Fristen).
843. **Anlagenverzeichnis** des uebergebenen Datenraums (Stand erstes Sortieren).
854. **Naechster-Schritt-Plan:** binnen 24/48/72 h, Owner, Output.
865. **Honorarvereinbarung** unterschrieben oder Vorbehalt notiert.
87
88## Output-Template Mandatsbogen
89
90**Adressat:** intern (Kanzleiakte) — Tonfall sachlich-strukturiert
91
92```
93MANDATSBOGEN — MARKEN-/PATENT-/DESIGN-/WETTBEWERBSRECHT
94
95Datum: [TT.MM.JJJJ]
96Aktenzeichen: [INTERN]
97Mandant: [NAME, Geburtsdatum, Adresse, Telefon, E-Mail]
98Gegner: [NAME, Adresse, ggf. anwaltliche Vertretung]
99Sachverhalt: [5-10 Saetze]
100Ziel des Mandats: [Eine Zeile]
101Schutzrecht: [ ] Marke [ ] Design [ ] Patent [ ] UWG [ ] Sonstiges
102Frist: [DATUM] — Bereich: [Widerspruch/Abmahnung/Klage/Einspruch]
103Konflikt-Check: [ ] geprueft, kein Konflikt [ ] Einwilligung liegt vor
104GwG: [ ] Identifizierung erfolgt [ ] Risiko: [niedrig/mittel/hoch]
105Vollmacht: [ ] unterschrieben am [DATUM]
106Streitwert: ca. [BETRAG] EUR (Schaetzung)
107Honorar: [ ] RVG [ ] Stundenhonorar [BETRAG EUR/h] [ ] Pauschale
108Vorschuss: [BETRAG] EUR, faellig [DATUM]
109Naechste Schritte: 1. [MASSNAHME] bis [DATUM] — 2. [MASSNAHME] bis [DATUM]
110```
111
112<!-- BEGIN ausformulierungspflicht (autogen) -->
113> **Ausformulierungspflicht und Formatstandard.** Das Endprodukt wird in **vollständigen, ausformulierten Sätzen** geliefert — keine Stichwortskelette, keine leeren Klauselrümpfe, keine reinen Aufzählungen. Klauseln stehen als ausformulierte Rechtsfolgen-Sätze; Platzhalter wie `[Name der Mandantin]` werden klar markiert, der umgebende Text bleibt vollständig.
114>
115> **Schriftbild:** Wenn ein Schriftsatz, Vertrag, Memo, Beschluss, Vermerk oder sonstiges Enddokument als DOCX, PDF oder formatierter Text ausgegeben wird, ist **Times New Roman 11 pt** als Grundschrift zu verwenden. Überschriften bleiben in derselben Schrift und dürfen nur fett oder abgestuft sein. Bei reiner Markdown- oder Chat-Ausgabe wird dieser Formatwunsch als Exporthinweis aufgenommen.
116>
117> **Nummerierung:** Gliederung ausschließlich dezimal (`1`, `1.1`, `1.1.1` und so weiter). Keine römischen Ziffern, keine Buchstaben- oder Mischgliederung.
118<!-- END ausformulierungspflicht (autogen) -->
119
120## Output-Template E-Mail Erstgespraechs-Zusammenfassung
121
122**Adressat:** Mandant — Tonfall verstaendlich-erklaerend
123
124```
125Sehr geehrte/r Frau/Herr [NAME],
126
127vielen Dank für unser heutiges Gespraech. Ich fasse die wesentlichen Punkte zusammen:
128
1291. Sachverhalt: [Kurzbeschreibung]
1302. Handlungsbedarf: [Welche Schritte eingeleitet werden]
1313. Naechste Frist: [DATUM] — [Was bis dahin geschieht]
1324. Kosten: Auf Basis des Streitwerts von ca. [BETRAG] EUR fallen Anwaltsgebuehren
133 nach RVG von ca. [BETRAG] EUR an. [Ggf. Stundenhonorar erlaeutern.]
1345. Bitte senden Sie mir bis [DATUM] folgende Unterlagen: [Liste]
135
136Mit freundlichen Gruessen
137[KANZLEI / NAME]
138```
139
140## Schritt-für-Schritt-Workflow
141
142```
143Schritt 1: Frist identifizieren
144 → Jedes mitgebrachte Schreiben auf Fristen scannen
145 → Kalender-Alarm mit 3-Tage-Vorlauf
146
147Schritt 2: Konflikt-Check
148 → Mandantensystem abfragen: Gegner, Sachzusammenhang
149 → Bei Konflikt: ablehnen und schriftlich mitteilen
150
151Schritt 3: GwG-Pruefung
152 → Ausweis kopieren und im Akt ablegen
153 → Risikoklasse vermerken
154
155Schritt 4: Vollmacht unterschreiben lassen
156 → Allgemeine Vollmacht + ggf. Sondervollmacht
157
158Schritt 5: Streitwert und Honorar festlegen
159 → Ersten Schriftsatz / erste Leistung bepreisen
160 → Vorschuss anfordern § 9 RVG
161
162Schritt 6: Mandatsbogen ausfuellen
163 → Vollstaendig, datiert, abgelegt
164
165Schritt 7: E-Mail-Zusammenfassung binnen 48 h
166 → Bestaetigung Strategie, Fristen, Kosten
167```
168
169## Typische Fehler im Erstgespraech
170
171- Frist uebersehen, weil Mandantin sie nicht selber genannt hat (immer aus jedem Schreiben Frist herausziehen).
172- Konflikt-Check nur nach Personennamen, nicht nach Sachzusammenhang.
173- Vollmachtsumfang unklar → später Streit mit Mandantin über Befugnisse.
174- Honorarvereinbarung muendlich → Beweisnot bei Streitwert-/Honorar-Streit.
175- GwG: kein Lichtbildausweis erfasst, kein Aktenvermerk über Risikobewertung.
176
177## Praxis-Checkliste
178
179- [ ] Personalien und Rolle aller Beteiligten erfasst
180- [ ] Konflikt-Check durchgefuehrt
181- [ ] GwG: Identifizierung + Risikobewertung notiert
182- [ ] Allgemeine Vollmacht unterschrieben
183- [ ] Speziale Vollmacht / Entbindungserklaerung (wo noetig) unterschrieben
184- [ ] Streitwert geschaetzt
185- [ ] Honorarvereinbarung unterschrieben oder ausdruecklich auf RVG verwiesen
186- [ ] Fristenliste angelegt und in Kalender eingetragen
187- [ ] Mandatsbogen vollstaendig
188- [ ] Naechster-Schritt-Plan dem Mandanten kommuniziert (E-Mail-Zusammenfassung)
189
190## Konkrete Praxis-Konstellationen
191
192### Konstellation A: Eilbeduerftigkeit
193
194Mandantin kommt am Donnerstag, Frist laeuft am Montag. Handlungs-Sequenz:
195
1961. Sofort-Vollmacht und Sofort-Akteneinsicht (per beA, ELSTER, Behördenportal).
1972. Antrag auf Wiedereinsetzung (§ 233 ZPO, § 60 VwGO) als Reserve dokumentieren.
1983. Spaeteste-Stunde-Versand-Plan: beA bevorzugt, mit qualifizierter Signatur und Empfangsbekenntnis.
1994. Honorarvereinbarung NICHT auf Eilzuschlag verzichten — aber transparent kommunizieren.
200
201### Konstellation B: Komplexer Sachverhalt, Datenraum unsortiert
202
203Mandant uebergibt 200+ Dateien (PDF-Scans, E-Mails, Excel-Listen):
204
2051. Datenraum-Index in Excel: Datum, Absender, Empfaenger, Aktenzeichen, kurze Inhaltszeile.
2062. Chronologischer Verlauf als Zeitstrahl — Spielraum für Verjährungs- und Ausschlussfristen identifizieren.
2073. Loecher im Datenraum gezielt anfordern (Mandantenfragen-Katalog).
208
209### Konstellation C: Interessenkonflikt-Naehe
210
211Frueheres Mandat mit derselben Gegnerin oder gleichem Sachzusammenhang:
212
2131. § 43a Abs. 4 BRAO und § 3 BORA — Sachzusammenhang, nicht nur Personenidentitaet.
2142. Einwilligung beider Mandanten in Textform (mit konkreter Beschreibung).
2153. Bei Zweifel: Mandat ablehnen und an Kanzleikollegium ueberweisen.
216
217## Vertiefung: Fristen im gewerblichen Rechtsschutz
218
219| Verfahren | Frist | Norm |
220|-----------|-------|------|
221| Widerspruch Marke DPMA | 3 Monate ab Veroeffentlichung | § 42 Abs. 1 MarkenG |
222| Widerspruch Marke EUIPO | 3 Monate ab Veroeffentlichung | Art. 46 UMV |
223| UWG-Verfuegungsantrag | Dringlichkeit (max. 4 Wochen Kenntniswahrung) | § 12 Abs. 1 UWG |
224| Einspruch DPMA (Patent) | 9 Monate ab Erteilung | § 59 Abs. 1 PatG |
225| Nichtigkeitsklage Patent | keine Frist (solange Patent laeuft) | § 81 PatG |
226| Verjährung UWG/MarkenG | 3 Jahre ab Kenntnis | §§ 195, 199 BGB |
227| Verjaerungs-Hemmung | Klage, Mahnbescheid, Verhandlung | § 204 BGB |
228
229## Cross-Refs
230
231- `vergleichsverhandlung-strategie` — für den Fall, dass aussergerichtliche Loesung angestrebt wird.
232- `schriftsatzkern-substantiierung` — für den Schriftsatzaufbau, wenn Klage/Widerspruch eingereicht wird.
233
234> Quellenregel: Entscheidungen nur nach Prüfung einer amtlichen oder frei zugänglichen Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage ausgeben.