Expert Calls und Transkripte
Fachlicher Anker
- Normen: §§ 3, §§ 76, §§ 105.
- Entscheidungs-/Quellenanker: Tragende Rechtsprechung nur mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle einsetzen; keine Entscheidung aus Modellwissen erzwingen.
- Quellenhygiene:
references/quellenhygiene.md und references/zitierweise.md beachten.
Fachkern: Expert Calls und Transkripte
- Corporate-Aufgabe (Expert Calls und Transkripte): DD-Team führt Experten-Interviews durch und will strukturierte Findings extrahieren.
- Norm-/Dealanker: GmbHG, AktG, HGB, BGB, UmwG, Registerrecht, Beurkundung, Signing/Closing-Mechanik, Beschlusslage, Vollmachten, Datenraum und Haftungsallokation fallbezogen trennen.
- Entscheidende Weiche: Gesellschaftsrechtliche Wirksamkeit, Dealprozess, Mandatsführung, Gremienfreigabe, Dokumentenbeweis und Eskalation nicht vermischen.
- Arbeitsprodukt: Partnerfähiges Memo, Closing-/Action-Liste, Redline-Hinweis oder PMO-Board mit Verantwortlichen und Blockern.
Wann wird dieser Skill aufgerufen
Typische Auslöser:
- "Ich habe hier Expert Calls und Transkripte und brauche einen belastbaren nächsten Schritt."
- "Bitte prüfe das aus Sicht der Gesellschaft, Geschäftsführung, Gesellschafter oder Inhouse-Rechtsabteilung."
- "Mach daraus eine Beschlussvorlage, Partnernotiz, Mandantenmail oder Organunterlage."
- "Welche Register-, Beschluss-, Compliance- oder Fristpunkte fehlen noch?"
Nicht dieser Skill ist vorrangig, wenn zuerst die Gesellschaftsakte selbst angelegt, die Mandatsrolle bestimmt oder ein unklarer Upload triagiert werden muss. Dann beginne mit /corporate-kanzlei:kommandocenter oder /corporate-kanzlei:matter-file. Wenn der Nutzer nur eine Kurzfassung für interne Abstimmung will, arbeite bewusst kürzer und liefere keine lange Prüfarchitektur.
Voraussetzungen und Kontext laden
Lies zuerst, falls vorhanden, den Matter-Workspace unter ~/.config/claude-fuer-deutsches-recht/corporate-kanzlei/mandate/<slug>/: mandat.md, history.md, chronologie.md, fristen.yaml und den aktuellen Dokumentenlog. Wenn kein Workspace existiert, frage nur die Mindestdaten ab: Gesellschaft, Rechtsform, Rolle, Organstatus, Beschluss-/Registerlage, Frist, gewünschter Output und ob börsen-, konzern- oder regulierungsrelevante Bezüge bestehen.
Benötigte Unterlagen:
- Datenraumindex, Q&A-Tracker, IRL und Disclosure-Log.
- NDA, Clean-Room-Protokoll und MAR-Insiderliste falls börsennotierte Gesellschaft betroffen ist.
- Registerauszüge, wesentliche Verträge, Litigation-Liste, IP/IT- und HR-Unterlagen.
Arbeite mit diesen Variablen: gesellschaft, rolle, organ, beschlussdatum, registerstand, frist_oder_closing, materiality_threshold, owner, source_tag.
Workflow
- Corporate-Kontext fixieren. Bestimme Gesellschaft, Rechtsform, Organrolle, Anlass, Beschluss-/Registerstand und Entscheidungsempfänger. Wenn Rolle oder Rechtsform fehlen, frage genau eine Rückfrage; bei Fristdruck arbeite mit
[Annahme - prüfen] weiter.
- Quellen inventarisieren. Liste Dokumente mit Datum, Version, Quelle, Register-/Urkunden-ID und Vertraulichkeitsstufe. Markiere Uploads als
[Mandant], Register als [Register], Gerichts-/Behördenquellen als [Primärquelle] und Modellwissen als [Modellwissen - prüfen].
- Organ- und Kompetenzebene trennen. Unterscheide Geschäftsführung/Vorstand, Gesellschafterversammlung/Hauptversammlung, Aufsichtsrat/Beirat, Konzernleitung, Notar und Registergericht.
- Materiality-Schwelle setzen. Fehlt eine Vorgabe, arbeite mit Ampel: Nichtigkeit/Unwirksamkeit, Anfechtungs-/Haftungsrisiko, Registerhindernis, Zustimmungserfordernis, Housekeeping.
- Normenprüfung durchführen. Prüfe die unten genannten Normgruppen bezogen auf den konkreten Corporate-Schritt: Zuständigkeit, Form, Frist, Mehrheit, Vollmacht, Registerfähigkeit, Haftung und Beweisquelle.
- Belegkette bauen. Jede wesentliche Aussage braucht Quelle, Dokument, Fundstelle und Unsicherheitsmarker. Keine Fundstelle erfinden. Wenn Registerauszug, BGH-/EuGH-Entscheidung oder Behördenpraxis nicht abrufbar ist, steht
[zu verifizieren].
- Risikomatrix erstellen. Gib pro Punkt aus: Sachverhalt, Rechtsfrage, Norm, Subsumtion, Risikoampel, Rechtsfolge, empfohlene Aktion, Owner, Deadline und Folge-Skill.
- Draft oder Review-Gate wählen. Wenn die Tatsachen reichen, liefere den gewünschten Output. Wenn nicht, liefere eine Information-Request-Liste oder eine Partner-/Organvorlage mit genau den offenen Entscheidungen.
- Hand-off vorbereiten. Überführe Findings in Beschlussentwurf, Board Paper, Registeranmeldung, SPA-Markup, CP-Tracker, Mandantenmail oder Closing Bible. Verweise auf den konkreten Anschluss-Skill unten.
- Abschlusskontrolle. Prüfe: keine ungeprüften Aktenzeichen, keine BeckRS-Blindzitate, keine automatische Außenkommunikation, keine vertraulichen Informationen außerhalb des Need-to-know-Kreises.
Prüfraster im Gutachtenstil
Obersatz: Zu prüfen ist, ob der im Skill bearbeitete Corporate-Schritt gesellschaftsrechtlich wirksam, registerfähig, organschaftlich vertretbar und für die Mandatsseite praktisch umsetzbar ist.
1. Mandats- und Rollenrahmen. Zunächst muss feststehen, wer vertreten wird: Gesellschaft, Organmitglied, Gesellschafter, Investor, Käufer, Verkäufer oder Konzernmutter. Ist die Rolle unklar, darf kein parteilicher Beschluss-, Vertrags- oder Verhandlungsoutput als final erscheinen; zulässig ist nur eine neutrale Struktur- oder Fragenliste.
2. Zuständigkeit, Form und Corporate Authority. Bei Anteils-, Beschluss- und Strukturmaßnahmen sind Vertretungsmacht, Zustimmungserfordernisse, Mehrheit, Form und Registerlage zu prüfen. Relevanter Kern:
- BGB §§ 311 Abs. 2, 241 Abs. 2 und 280 für vorvertragliche Aufklärungspflichten.
- GeschGehG §§ 2, 4, 6 und 17 für Geschäftsgeheimnisse im Datenraum.
- GWB §§ 35 ff. und § 41 sowie Art. 7 FKVO für Gun-Jumping und Clean-Room-Fragen.
- MAR Art. 7, 17 und 18 bei börsennotierter Gesellschaft.
3. Organ- und Zuständigkeitsprüfung. Nur wenn der konkrete Arbeitsschritt eine Organentscheidung vorbereitet, Zuständigkeit, Zustimmungsvorbehalte, Interessenkonflikte, Informationsgrundlage und Dokumentation prüfen. Der fachlich passende Haftungs- oder Board-Paper-Skill liefert die dafür einschlägige Rechtsprechung; ARAG/Garmenbeck ist kein Universalanker.
4. Register- und Gesellschafterlistenlogik. Nur bei GmbH-Anteilen, Einziehung, Vollmachtskette oder streitiger Legitimation Paragraf 16 und 40 GmbHG sowie Registerstand und materielle Berechtigung getrennt prüfen. Ohne solche Title- oder Legitimationsfrage diesen Prüfstrang auslassen.
5. Vollzugshindernisse. Wenn Fusionskontrolle, AWV/FDI, MAR, GwG, Sanktionen, Bankzustimmung, Satzungszustimmung oder branchenspezifische Genehmigungen berührt sind, muss das Ergebnis lauten: Anmeldung erforderlich? Vollzugsverbot? Registerhindernis? Beschlussmangel? Long-Stop-Date gefährdet? Bußgeld-, Nichtigkeits- oder Haftungsfolge?
6. Subsumtion. Subsumtion erfolgt dokumentennah. Beispiel: § 15 GmbHG notarielle Form erfüllt? nur bejahen, wenn Entwurf/Urkunde/Notarbestätigung vorliegt. § 46 GmbHG Zustimmung erforderlich? nur bejahen, wenn Satzung, Geschäftsordnung und Maßnahme geprüft sind.
Zwischenergebnis: Formuliere als Ampel: grün mit Beleg, gelb mit offener Information, rot mit Handlungssperre. Rot bedeutet im Corporate-Kontext: nicht beschließen, nicht anmelden, nicht signieren, nicht closen oder nicht extern versenden, bevor Partner, Organ oder Spezialist freigegeben hat.
Output-Module
- Corporate-Vermerk: Kurzbild, Sachverhalt, Normen, Subsumtion, Risikoampel, Empfehlung.
- Beschluss-/Board-Paper-Modul: Zuständigkeit, Beschlussvorschlag, Informationsgrundlage, BJR-Dokumentation, Anlagenliste.
- Issue List: Finding, Quelle, Risiko, Rechtsfolge, Register-/Vertragsfolge, Owner, Deadline.
- Information Request: konkrete Fragen an Mandant, Organ, Notar, Registerteam, Steuerberater oder Gegenseite.
- Matter-Update: kurzer Eintrag für
history.md und ggf. Frist-/Owner-Eintrag für fristen.yaml.
Quellen und Zitierregel
Nutze nur frei prüfbare Quellen oder vom Nutzer bereitgestellte/lizenzierte Quellen. Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsdatum, Aktenzeichen und Link auf dejure.org, openjur.de, bundesgerichtshof.de, bundesverfassungsgericht.de, curia.europa.eu oder eur-lex.europa.eu. Keine BeckRS-Alleinzitate, keine anwalt24-Belege, keine erfundenen Randnummern. Quellen-Tags: [Mandant], [Register], [BGH-Datenbank], [dejure.org], [EUR-Lex], [Web-Recherche - prüfen], [Modellwissen - prüfen].
Hand-Off zu anderen Skills
Nach diesem Skill weiter mit:
/corporate-kanzlei:datenraum-aufbau - wenn Dokumente, Datenraumlücken oder Clean-Room-Fragen der nächste Engpass sind.
/corporate-kanzlei:datenraum-gap-clean-room - wenn Informationslücken, Wettbewerberdaten oder Clean-Room-Grenzen geklärt werden müssen.
/corporate-kanzlei:due-diligence-legal - wenn aus Unterlagen ein Corporate-/Legal-DD-Befund gebaut werden soll.
/corporate-kanzlei:qa-information-requests - wenn Findings in Information Requests und Q&A übersetzt werden müssen.
/corporate-kanzlei:due-diligence-reporting - wenn ein adressatengerechter DD-Report entstehen soll.
Was dieser Arbeitsgang nicht macht
- Er ersetzt keine Partner-, Organ- oder Mandantenentscheidung über Beschluss, Signing, Registeranmeldung oder Closing.
- Er führt keine automatische Außenkommunikation an Gegenseite, Behörde, Notar, Registergericht, Datenraumteilnehmer oder Mandant aus.
- Er behauptet keine Registerlage, Behördenpraxis oder Rechtsprechung ohne prüfbare Quelle.
- Er vermischt nicht Corporate-Befund, Vertragsrisiko und wirtschaftliche Bewertung; diese Ebenen bleiben getrennt.
- Er trifft keine steuerliche, kartellrechtliche, sanktionsrechtliche oder ausländische Rechtsaussage final ohne Spezialisten-Review.
- Er behandelt vertrauliche Daten nur innerhalb des Need-to-know-Kreises und markiert sensible Informationen für Clean-Room oder Insiderlisten.
Berufsrechtliche Hinweise
Vor Mandatsarbeit sind Interessenkonflikte nach § 43a BRAO und § 3 BORA, Verschwiegenheit nach § 43a Abs. 2 BRAO, Vergütungsrahmen nach § 49b BRAO und GwG-Sorgfaltspflichten zu beachten. Bei personenbezogenen Daten gelten DSGVO Art. 5, 6, 25 und 32. Bei Drittakten, Datenräumen, Akteneinsicht oder Clean-Room-Material ist der Zweckbindungsrahmen zu prüfen; Material aus einem Mandat darf nicht stillschweigend in ein anderes Mandat übernommen werden.
Bisheriger Skill-Kern, integriert und weiterzuverwenden
Expert Calls und Transkripte
Triage — klaere vor Expert Call
- Welches Ziel hat der Expert Call: Branchenverstaendnis, Wettbewerbs-Assessment, Management-Einschaetzung, technische Frage?
- Experten-Status: Externer Branchenexperte, ehemaliger Mitarbeiter, oder aktueller Insider der Zielgesellschaft?
- Insider-Risiko: Koennte der Experte Insiderinformationen offenbaren? → MAR-Compliance
- Vertraulichkeit: Unter NDA? Expert-Network-Protokoll (z.B. Glenbrook/Guidepoint/GLG)?
- Transkript-Weiterverwendung: Nur intern oder in DD-Report?
- DSGVO: Personenbezogene Daten des Experten wie behandeln?
Zentrale Normen
- Art. 14, 15 MAR — Insiderhandelsverbot; Marktmanipulation; Expert der Insiderinfos hat darf diese nicht weitergeben; Kaeufer darf keine Insiderinfos intentional bekommen
- § 17 UWG — Geschäftsgeheimnis des Zielunternehmens; ehemaliger Mitarbeiter darf keine Geheimnisse offenbaren
- Art. 6 I DSGVO — Rechtsgrundlage für Aufnahme und Verarbeitung von Expert-Call-Gespraechen
- § 201 StGB — Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes; Aufnahme ohne Einwilligung verboten in Deutschland
Expert-Call-Compliance-Protokoll
Vor dem Call:
- Expert-NDA abschliessen (oder Expert-Network-Protokoll verwenden)
- Expert auf Insider-Pflichten hinweisen: keine nicht-öffentlichen Informationen zur Zielgesellschaft
- Einwilligung für Aufnahme/Transkription einholen (§ 201 StGB)
- Vorbereitung: Fragen-Katalog; Themen-Grenzen definieren
Waehrend des Calls:
5. Erinnerung an Insider-Regelung zu Beginn
6. Bei Insider-Info-Verdacht: Call unterbrechen; Compliance-Konsultation
7. Keine Nennung konkreter Personen-Namen der Zielgesellschaft
Nach dem Call:
8. Transkript erstellen (mit KI-Tool: anonymisiert)
9. Insider-Check: Enthaelt Transkript potenziell Insider-Informationen? → Compliance
10. Findings extrahieren und in DD-Report einarbeiten
Schritt-für-Schritt-Workflow
- Expert identifizieren — via Expert-Network (GLG, Guidepoint, Glenbrook) oder eigenes Netzwerk
- Compliance-Vorpruefung — aktuelle Insider-Status prüfen; ex-Mitarbeiter: § 17 UWG-Abgrenzung
- Call-Vorbereitung — Fragenkatalog; Themen-Scope; Grenzen definieren
- NDA/Expert-Protokoll — Einwilligung schriftlich; Aufnahme-Einwilligung
- Call durchfuehren — strukturiert; Protokoll; bei Insider-Alarm: Unterbrechung
- Transkript auswerten — Findings extrahieren; Risiken kennzeichnen
- Integration in DD — Brancheneinschaetzung; Wettbewerber-Assessment; Management-Einschaetzung
Output-Template Call-Transkript-Summary
EXPERT-CALL-SUMMARY
Transaktion: [DEAL-NAME]
Call-Datum: [DATUM], [DAUER]
Expert: [Funktion / Titel; kein Name wenn anonym]
Expert-Netzwerk: [GLG / Guidepoint / Direkt]
Interviewer: [NAME, KANZLEI/INVESTOR]
Einwilligung Aufnahme: [Ja / Nein → kein Transkript moeglich]
INSIDER-STATUS: [Kein Insider-Verdacht / Vorsicht: potenzielle Insider-Info bei Thema X]
KERN-FINDINGS:
1. [Thema]: [Erkenntnis in 2-3 Saetzen]
2. [Thema]: [Erkenntnis]
3. [Thema]: [Erkenntnis]
RELEVANZ FUER DD:
- Workstream: [Commercial DD / Branche / Management Assessment]
- Risikobewertung: [Bestaetigt Befund X / Neue Information Y / Widerspruch zu Datenraum]
INSIDER-COMPLIANCE-CHECK:
[ ] Keine Insiderinformation offenbart
[ ] Potenzielle Insiderinformation: [Beschreibung] → Compliance-Review am [Datum]
Rote Schwellen
- Insider-Information im Call erhalten und nicht gemeldet → Art. 14 MAR; Strafbarkeit
- Aufnahme ohne Einwilligung → § 201 StGB; Verwertbarkeit fraglich
- § 17 UWG: Geschäftsgeheimnis der Zielgesellschaft weitergegeben → UWG-Klage; Schadensersatz
- Transkript in DD-Report ohne Anonymisierung → DSGVO-Risiko; Persoenlichkeitsrechtsverletzung
Quellen
- Art. 14, 15 MAR; § 17 UWG; § 201 StGB; Art. 6 DSGVO
- Ohly/Sosnitza UWG § 17; Assmann/Schneider/Muelbert WpHG Art. 14 MAR
Quellenregel: Entscheidungen nur nach Prüfung einer amtlichen oder frei zugänglichen Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage ausgeben.
1---2name: expert-calls-transkripte3description: Für Expert Calls und Transkripte: ordnet Norm, Beweislast und Gegenargument; Ergebnis: Prüfprodukt mit Risiko und nächstem Schritt. Fachgebiet: Corporate-Kanzlei.4---56# Expert Calls und Transkripte78## Fachlicher Anker910- **Normen:** §§ 3, §§ 76, §§ 105.11- **Entscheidungs-/Quellenanker:** Tragende Rechtsprechung nur mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle einsetzen; keine Entscheidung aus Modellwissen erzwingen.12- **Quellenhygiene:** `references/quellenhygiene.md` und `references/zitierweise.md` beachten.1314## Fachkern: Expert Calls und Transkripte1516- **Corporate-Aufgabe (Expert Calls und Transkripte):** DD-Team führt Experten-Interviews durch und will strukturierte Findings extrahieren.17- **Norm-/Dealanker:** GmbHG, AktG, HGB, BGB, UmwG, Registerrecht, Beurkundung, Signing/Closing-Mechanik, Beschlusslage, Vollmachten, Datenraum und Haftungsallokation fallbezogen trennen.18- **Entscheidende Weiche:** Gesellschaftsrechtliche Wirksamkeit, Dealprozess, Mandatsführung, Gremienfreigabe, Dokumentenbeweis und Eskalation nicht vermischen.19- **Arbeitsprodukt:** Partnerfähiges Memo, Closing-/Action-Liste, Redline-Hinweis oder PMO-Board mit Verantwortlichen und Blockern.2021## Wann wird dieser Skill aufgerufen22Typische Auslöser:23- "Ich habe hier Expert Calls und Transkripte und brauche einen belastbaren nächsten Schritt."24- "Bitte prüfe das aus Sicht der Gesellschaft, Geschäftsführung, Gesellschafter oder Inhouse-Rechtsabteilung."25- "Mach daraus eine Beschlussvorlage, Partnernotiz, Mandantenmail oder Organunterlage."26- "Welche Register-, Beschluss-, Compliance- oder Fristpunkte fehlen noch?"2728Nicht dieser Skill ist vorrangig, wenn zuerst die Gesellschaftsakte selbst angelegt, die Mandatsrolle bestimmt oder ein unklarer Upload triagiert werden muss. Dann beginne mit `/corporate-kanzlei:kommandocenter` oder `/corporate-kanzlei:matter-file`. Wenn der Nutzer nur eine Kurzfassung für interne Abstimmung will, arbeite bewusst kürzer und liefere keine lange Prüfarchitektur.2930## Voraussetzungen und Kontext laden31Lies zuerst, falls vorhanden, den Matter-Workspace unter `~/.config/claude-fuer-deutsches-recht/corporate-kanzlei/mandate/<slug>/`: `mandat.md`, `history.md`, `chronologie.md`, `fristen.yaml` und den aktuellen Dokumentenlog. Wenn kein Workspace existiert, frage nur die Mindestdaten ab: Gesellschaft, Rechtsform, Rolle, Organstatus, Beschluss-/Registerlage, Frist, gewünschter Output und ob börsen-, konzern- oder regulierungsrelevante Bezüge bestehen.3233Benötigte Unterlagen:34- Datenraumindex, Q&A-Tracker, IRL und Disclosure-Log.35- NDA, Clean-Room-Protokoll und MAR-Insiderliste falls börsennotierte Gesellschaft betroffen ist.36- Registerauszüge, wesentliche Verträge, Litigation-Liste, IP/IT- und HR-Unterlagen.3738Arbeite mit diesen Variablen: `gesellschaft`, `rolle`, `organ`, `beschlussdatum`, `registerstand`, `frist_oder_closing`, `materiality_threshold`, `owner`, `source_tag`.3940## Workflow411. **Corporate-Kontext fixieren.** Bestimme Gesellschaft, Rechtsform, Organrolle, Anlass, Beschluss-/Registerstand und Entscheidungsempfänger. Wenn Rolle oder Rechtsform fehlen, frage genau eine Rückfrage; bei Fristdruck arbeite mit `[Annahme - prüfen]` weiter.422. **Quellen inventarisieren.** Liste Dokumente mit Datum, Version, Quelle, Register-/Urkunden-ID und Vertraulichkeitsstufe. Markiere Uploads als `[Mandant]`, Register als `[Register]`, Gerichts-/Behördenquellen als `[Primärquelle]` und Modellwissen als `[Modellwissen - prüfen]`.433. **Organ- und Kompetenzebene trennen.** Unterscheide Geschäftsführung/Vorstand, Gesellschafterversammlung/Hauptversammlung, Aufsichtsrat/Beirat, Konzernleitung, Notar und Registergericht.444. **Materiality-Schwelle setzen.** Fehlt eine Vorgabe, arbeite mit Ampel: Nichtigkeit/Unwirksamkeit, Anfechtungs-/Haftungsrisiko, Registerhindernis, Zustimmungserfordernis, Housekeeping.455. **Normenprüfung durchführen.** Prüfe die unten genannten Normgruppen bezogen auf den konkreten Corporate-Schritt: Zuständigkeit, Form, Frist, Mehrheit, Vollmacht, Registerfähigkeit, Haftung und Beweisquelle.466. **Belegkette bauen.** Jede wesentliche Aussage braucht Quelle, Dokument, Fundstelle und Unsicherheitsmarker. Keine Fundstelle erfinden. Wenn Registerauszug, BGH-/EuGH-Entscheidung oder Behördenpraxis nicht abrufbar ist, steht `[zu verifizieren]`.477. **Risikomatrix erstellen.** Gib pro Punkt aus: Sachverhalt, Rechtsfrage, Norm, Subsumtion, Risikoampel, Rechtsfolge, empfohlene Aktion, Owner, Deadline und Folge-Skill.488. **Draft oder Review-Gate wählen.** Wenn die Tatsachen reichen, liefere den gewünschten Output. Wenn nicht, liefere eine Information-Request-Liste oder eine Partner-/Organvorlage mit genau den offenen Entscheidungen.499. **Hand-off vorbereiten.** Überführe Findings in Beschlussentwurf, Board Paper, Registeranmeldung, SPA-Markup, CP-Tracker, Mandantenmail oder Closing Bible. Verweise auf den konkreten Anschluss-Skill unten.5010. **Abschlusskontrolle.** Prüfe: keine ungeprüften Aktenzeichen, keine BeckRS-Blindzitate, keine automatische Außenkommunikation, keine vertraulichen Informationen außerhalb des Need-to-know-Kreises.5152## Prüfraster im Gutachtenstil53**Obersatz:** Zu prüfen ist, ob der im Skill bearbeitete Corporate-Schritt gesellschaftsrechtlich wirksam, registerfähig, organschaftlich vertretbar und für die Mandatsseite praktisch umsetzbar ist.5455**1. Mandats- und Rollenrahmen.** Zunächst muss feststehen, wer vertreten wird: Gesellschaft, Organmitglied, Gesellschafter, Investor, Käufer, Verkäufer oder Konzernmutter. Ist die Rolle unklar, darf kein parteilicher Beschluss-, Vertrags- oder Verhandlungsoutput als final erscheinen; zulässig ist nur eine neutrale Struktur- oder Fragenliste.5657**2. Zuständigkeit, Form und Corporate Authority.** Bei Anteils-, Beschluss- und Strukturmaßnahmen sind Vertretungsmacht, Zustimmungserfordernisse, Mehrheit, Form und Registerlage zu prüfen. Relevanter Kern:58- BGB §§ 311 Abs. 2, 241 Abs. 2 und 280 für vorvertragliche Aufklärungspflichten.59- GeschGehG §§ 2, 4, 6 und 17 für Geschäftsgeheimnisse im Datenraum.60- GWB §§ 35 ff. und § 41 sowie Art. 7 FKVO für Gun-Jumping und Clean-Room-Fragen.61- MAR Art. 7, 17 und 18 bei börsennotierter Gesellschaft.6263**3. Organ- und Zuständigkeitsprüfung.** Nur wenn der konkrete Arbeitsschritt eine Organentscheidung vorbereitet, Zuständigkeit, Zustimmungsvorbehalte, Interessenkonflikte, Informationsgrundlage und Dokumentation prüfen. Der fachlich passende Haftungs- oder Board-Paper-Skill liefert die dafür einschlägige Rechtsprechung; ARAG/Garmenbeck ist kein Universalanker.6465**4. Register- und Gesellschafterlistenlogik.** Nur bei GmbH-Anteilen, Einziehung, Vollmachtskette oder streitiger Legitimation Paragraf 16 und 40 GmbHG sowie Registerstand und materielle Berechtigung getrennt prüfen. Ohne solche Title- oder Legitimationsfrage diesen Prüfstrang auslassen.6667**5. Vollzugshindernisse.** Wenn Fusionskontrolle, AWV/FDI, MAR, GwG, Sanktionen, Bankzustimmung, Satzungszustimmung oder branchenspezifische Genehmigungen berührt sind, muss das Ergebnis lauten: Anmeldung erforderlich? Vollzugsverbot? Registerhindernis? Beschlussmangel? Long-Stop-Date gefährdet? Bußgeld-, Nichtigkeits- oder Haftungsfolge?6869**6. Subsumtion.** Subsumtion erfolgt dokumentennah. Beispiel: `§ 15 GmbHG notarielle Form erfüllt?` nur bejahen, wenn Entwurf/Urkunde/Notarbestätigung vorliegt. `§ 46 GmbHG Zustimmung erforderlich?` nur bejahen, wenn Satzung, Geschäftsordnung und Maßnahme geprüft sind.7071**Zwischenergebnis:** Formuliere als Ampel: grün mit Beleg, gelb mit offener Information, rot mit Handlungssperre. Rot bedeutet im Corporate-Kontext: nicht beschließen, nicht anmelden, nicht signieren, nicht closen oder nicht extern versenden, bevor Partner, Organ oder Spezialist freigegeben hat.7273## Output-Module74- **Corporate-Vermerk:** Kurzbild, Sachverhalt, Normen, Subsumtion, Risikoampel, Empfehlung.75- **Beschluss-/Board-Paper-Modul:** Zuständigkeit, Beschlussvorschlag, Informationsgrundlage, BJR-Dokumentation, Anlagenliste.76- **Issue List:** Finding, Quelle, Risiko, Rechtsfolge, Register-/Vertragsfolge, Owner, Deadline.77- **Information Request:** konkrete Fragen an Mandant, Organ, Notar, Registerteam, Steuerberater oder Gegenseite.78- **Matter-Update:** kurzer Eintrag für `history.md` und ggf. Frist-/Owner-Eintrag für `fristen.yaml`.7980## Quellen und Zitierregel81Nutze nur frei prüfbare Quellen oder vom Nutzer bereitgestellte/lizenzierte Quellen. Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsdatum, Aktenzeichen und Link auf `dejure.org`, `openjur.de`, `bundesgerichtshof.de`, `bundesverfassungsgericht.de`, `curia.europa.eu` oder `eur-lex.europa.eu`. Keine BeckRS-Alleinzitate, keine anwalt24-Belege, keine erfundenen Randnummern. Quellen-Tags: `[Mandant]`, `[Register]`, `[BGH-Datenbank]`, `[dejure.org]`, `[EUR-Lex]`, `[Web-Recherche - prüfen]`, `[Modellwissen - prüfen]`.8283## Hand-Off zu anderen Skills84Nach diesem Skill weiter mit:85- `/corporate-kanzlei:datenraum-aufbau` - wenn Dokumente, Datenraumlücken oder Clean-Room-Fragen der nächste Engpass sind.86- `/corporate-kanzlei:datenraum-gap-clean-room` - wenn Informationslücken, Wettbewerberdaten oder Clean-Room-Grenzen geklärt werden müssen.87- `/corporate-kanzlei:due-diligence-legal` - wenn aus Unterlagen ein Corporate-/Legal-DD-Befund gebaut werden soll.88- `/corporate-kanzlei:qa-information-requests` - wenn Findings in Information Requests und Q&A übersetzt werden müssen.89- `/corporate-kanzlei:due-diligence-reporting` - wenn ein adressatengerechter DD-Report entstehen soll.9091## Was dieser Arbeitsgang nicht macht92- Er ersetzt keine Partner-, Organ- oder Mandantenentscheidung über Beschluss, Signing, Registeranmeldung oder Closing.93- Er führt keine automatische Außenkommunikation an Gegenseite, Behörde, Notar, Registergericht, Datenraumteilnehmer oder Mandant aus.94- Er behauptet keine Registerlage, Behördenpraxis oder Rechtsprechung ohne prüfbare Quelle.95- Er vermischt nicht Corporate-Befund, Vertragsrisiko und wirtschaftliche Bewertung; diese Ebenen bleiben getrennt.96- Er trifft keine steuerliche, kartellrechtliche, sanktionsrechtliche oder ausländische Rechtsaussage final ohne Spezialisten-Review.97- Er behandelt vertrauliche Daten nur innerhalb des Need-to-know-Kreises und markiert sensible Informationen für Clean-Room oder Insiderlisten.9899## Berufsrechtliche Hinweise100Vor Mandatsarbeit sind Interessenkonflikte nach § 43a BRAO und § 3 BORA, Verschwiegenheit nach § 43a Abs. 2 BRAO, Vergütungsrahmen nach § 49b BRAO und GwG-Sorgfaltspflichten zu beachten. Bei personenbezogenen Daten gelten DSGVO Art. 5, 6, 25 und 32. Bei Drittakten, Datenräumen, Akteneinsicht oder Clean-Room-Material ist der Zweckbindungsrahmen zu prüfen; Material aus einem Mandat darf nicht stillschweigend in ein anderes Mandat übernommen werden.101102## Bisheriger Skill-Kern, integriert und weiterzuverwenden103104### Expert Calls und Transkripte105106## Triage — klaere vor Expert Call1071081. Welches Ziel hat der Expert Call: Branchenverstaendnis, Wettbewerbs-Assessment, Management-Einschaetzung, technische Frage?1092. Experten-Status: Externer Branchenexperte, ehemaliger Mitarbeiter, oder aktueller Insider der Zielgesellschaft?1103. Insider-Risiko: Koennte der Experte Insiderinformationen offenbaren? → MAR-Compliance1114. Vertraulichkeit: Unter NDA? Expert-Network-Protokoll (z.B. Glenbrook/Guidepoint/GLG)?1125. Transkript-Weiterverwendung: Nur intern oder in DD-Report?1136. DSGVO: Personenbezogene Daten des Experten wie behandeln?114115## Zentrale Normen116117- **Art. 14, 15 MAR** — Insiderhandelsverbot; Marktmanipulation; Expert der Insiderinfos hat darf diese nicht weitergeben; Kaeufer darf keine Insiderinfos intentional bekommen118- **§ 17 UWG** — Geschäftsgeheimnis des Zielunternehmens; ehemaliger Mitarbeiter darf keine Geheimnisse offenbaren119- **Art. 6 I DSGVO** — Rechtsgrundlage für Aufnahme und Verarbeitung von Expert-Call-Gespraechen120- **§ 201 StGB** — Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes; Aufnahme ohne Einwilligung verboten in Deutschland121122## Expert-Call-Compliance-Protokoll123124Vor dem Call:1251. Expert-NDA abschliessen (oder Expert-Network-Protokoll verwenden)1262. Expert auf Insider-Pflichten hinweisen: keine nicht-öffentlichen Informationen zur Zielgesellschaft1273. Einwilligung für Aufnahme/Transkription einholen (§ 201 StGB)1284. Vorbereitung: Fragen-Katalog; Themen-Grenzen definieren129130Waehrend des Calls:1315. Erinnerung an Insider-Regelung zu Beginn1326. Bei Insider-Info-Verdacht: Call unterbrechen; Compliance-Konsultation1337. Keine Nennung konkreter Personen-Namen der Zielgesellschaft134135Nach dem Call:1368. Transkript erstellen (mit KI-Tool: anonymisiert)1379. Insider-Check: Enthaelt Transkript potenziell Insider-Informationen? → Compliance13810. Findings extrahieren und in DD-Report einarbeiten139140## Schritt-für-Schritt-Workflow1411421. **Expert identifizieren** — via Expert-Network (GLG, Guidepoint, Glenbrook) oder eigenes Netzwerk1432. **Compliance-Vorpruefung** — aktuelle Insider-Status prüfen; ex-Mitarbeiter: § 17 UWG-Abgrenzung1443. **Call-Vorbereitung** — Fragenkatalog; Themen-Scope; Grenzen definieren1454. **NDA/Expert-Protokoll** — Einwilligung schriftlich; Aufnahme-Einwilligung1465. **Call durchfuehren** — strukturiert; Protokoll; bei Insider-Alarm: Unterbrechung1476. **Transkript auswerten** — Findings extrahieren; Risiken kennzeichnen1487. **Integration in DD** — Brancheneinschaetzung; Wettbewerber-Assessment; Management-Einschaetzung149150## Output-Template Call-Transkript-Summary151152```153EXPERT-CALL-SUMMARY154Transaktion: [DEAL-NAME]155Call-Datum: [DATUM], [DAUER]156Expert: [Funktion / Titel; kein Name wenn anonym]157Expert-Netzwerk: [GLG / Guidepoint / Direkt]158Interviewer: [NAME, KANZLEI/INVESTOR]159Einwilligung Aufnahme: [Ja / Nein → kein Transkript moeglich]160161INSIDER-STATUS: [Kein Insider-Verdacht / Vorsicht: potenzielle Insider-Info bei Thema X]162163KERN-FINDINGS:1641. [Thema]: [Erkenntnis in 2-3 Saetzen]1652. [Thema]: [Erkenntnis]1663. [Thema]: [Erkenntnis]167168RELEVANZ FUER DD:169- Workstream: [Commercial DD / Branche / Management Assessment]170- Risikobewertung: [Bestaetigt Befund X / Neue Information Y / Widerspruch zu Datenraum]171172INSIDER-COMPLIANCE-CHECK:173[ ] Keine Insiderinformation offenbart174[ ] Potenzielle Insiderinformation: [Beschreibung] → Compliance-Review am [Datum]175```176177## Rote Schwellen178179- Insider-Information im Call erhalten und nicht gemeldet → Art. 14 MAR; Strafbarkeit180- Aufnahme ohne Einwilligung → § 201 StGB; Verwertbarkeit fraglich181- § 17 UWG: Geschäftsgeheimnis der Zielgesellschaft weitergegeben → UWG-Klage; Schadensersatz182- Transkript in DD-Report ohne Anonymisierung → DSGVO-Risiko; Persoenlichkeitsrechtsverletzung183184## Quellen185186- Art. 14, 15 MAR; § 17 UWG; § 201 StGB; Art. 6 DSGVO187- Ohly/Sosnitza UWG § 17; Assmann/Schneider/Muelbert WpHG Art. 14 MAR188189> Quellenregel: Entscheidungen nur nach Prüfung einer amtlichen oder frei zugänglichen Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage ausgeben.