1---2name: finance-banking-dispute3description: Für Finance Disputes: ordnet Norm, Beweislast und Gegenargument; Ergebnis: Prüfprodukt mit Risiko und nächstem Schritt.4---56# Finance Disputes78## Arbeitsweg910- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?11- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.12- Tragende Normen verifizieren: GVG §§ 119, 119b (Commercial Court), ZPO §§ 184a, 614, 1025-1066, AGGVG der Länder, EU-VO 1215/2012 (Brüssel Ia) — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.13- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).14- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.1516## Fachkern: Finance Disputes17- **Normen-/Quellenanker:** Commercial Courts/Commercial Chambers der Länder, ZPO, GVG, Zuständigkeit, Sprachwahl Englisch/Deutsch, Wortprotokoll, Geheimnisschutz und internationale Zustellung.18- **Entscheidende Weiche:** Gerichtsstand, Streitwert/Sachgebiet, Verfahrenssprache, Vertraulichkeit, Beweisaufnahme, Übersetzung, Protokoll und Vollstreckbarkeit steuern.19- **Arbeitsprodukt:** Erzeuge eine konkrete Prüf- oder Entscheidungsmatrix mit Norm, Tatbestand, Beleg, Einwand, Risikoampel und nächstem Schritt; Anschluss-Skills nur bei echter Vertiefung nennen.2021## Einstieg2223Stelle höchstens fünf Fragen, sofern die Akte sie nicht beantwortet:24251. Soll der Output auf Deutsch, Englisch oder zweisprachig sein?262. Welches Gericht/Forum ist vorgesehen oder vereinbart?273. Welche Klausel, welcher Streitwert und welche Parteien liegen vor?284. Welche Frist oder Verfahrenshandlung steht als nächstes an?295. Welche Unterlagen sind schon da: contract, correspondence, notices, expert report, exhibits, prior pleadings?3031## Arbeitsworkflow3233### Finance-/Banking-Streit — Anspruchstypen und Verteidigungsfelder3435| Streittyp | Norm | Klassische Streitfragen |36| --- | --- | --- |37| Darlehensvertrag (Schuldnerseite klagt) | §§ 488 ff. BGB | Wirksamkeit, Schriftform, Aufklärung über Risiken, Sittenwidrigkeit § 138 BGB |38| Kreditkündigung | § 490 BGB | wichtiger Grund, Verhältnismäßigkeit, Vertragstreue § 242 BGB |39| Sicherheitenverwertung | §§ 1233 ff. BGB (Pfandrecht), §§ 1257, 854 ZPO; § 14 InsO | Werthaltigkeit, Übersicherung, Anfechtung §§ 129 ff. InsO |40| Covenants / Loan Documentation | LMA/MUSTER; im DE: §§ 305 ff. BGB AGB-Kontrolle | financial covenants Verletzung; Material Adverse Effect |41| Cash Sweeps / Equity Cure | Vertragsrecht | Berechnungsstreit, Reporting-Verstoß |42| Events of Default | Vertragsbedingungen | Trigger-Bestimmung, Heilungsfrist, Cross-Default |43| Acceleration | Vertragsbedingungen | Verhältnismäßigkeit, Treu und Glauben |44| Schadensersatz wegen Falschberatung | §§ 280, 311 Abs. 2 BGB (c.i.c.) | Aufklärungspflicht, Kausalität, Mitverschulden § 254 BGB |45| Beraterhaftung (Investor) | § 280 BGB i.V.m. § 31 WpHG | Geeignetheit, Risikoaufklärung |46| Anfechtung Schenkung an Geschäftsführer | § 134 InsO | Insolvenzanfechtungsanspruch |4748### Spezialthemen Banking4950| Thema | Norm/Praxis |51| --- | --- |52| KWG-Erlaubnis | §§ 32, 54 KWG; BaFin-Praxis |53| MiCAR (Krypto) | EU-VO 2023/1114, geltend seit 30.12.2024 |54| MaRisk | BaFin-Rundschreiben; relevant für Klagen wegen Aufsichtsverstößen |55| Bankgeheimnis | Vertragliche Schweigepflicht; § 383 ZPO Zeugnisverweigerung |56| § 675u BGB (Phishing) | Haftung Bank bei nicht autorisierter Zahlung; Grenzen § 675v BGB (grobe Fahrlässigkeit Kunde) |5758### Beweissicherung5960- **Documents of Title:** Wechsel, Schuldscheine, Hypothekenbriefe — physische Sicherung kritisch.61- **Loan File:** alle Auszahlungs-Notices, Statements, Reporting-Reports.62- **Communication Trail:** E-Mails über Verhandlungen, Renegotiations, Standstills.63- **Beratungsprotokolle § 34 WpHG** (für Anlageberatung) — bei Beraterhaftungsklage entscheidend.6465### Trade-off und Praktiker-Tipp6667- **Bank-Auflage:** Bei Klage durch Kunde gegen Bank: Auflage zur Vorlage des Beratungsprotokolls § 142 ZPO; bei Verweigerung Beweisvereitelung § 286 ZPO.68- **Großforderungen mit ESM/EFSF-Bezug:** spezielle Immunitätsregeln beachten.69- **Forum mit Sachkenntnis:** Commercial Court bei OLG Frankfurt mit hoher Finanz-Expertise; Mannheim für IP/Patent.70711. **Forum sichern:** Commercial Court, Commercial Chamber, ordentliches Gericht, Schiedsgericht oder Ausland trennen.722. **Sprache sichern:** wirksame Englischwahl, notwendige Übersetzungen und deutsch bleibende Verfahrensschritte prüfen.733. **Prozesshandlung bauen:** Antrag, Schriftsatz, Evidence Map, Timetable, Hearing Script oder Mandantenmemo erstellen.744. **ZPO-Realität bewahren:** keine US-Discovery, kein Pleading-Theater; Tatsachenvortrag, Beweisangebot, richterliche Prozessleitung und deutsches Kostenrisiko sauber erklären.755. **Nächsten Schritt festlegen:** Frist, Verantwortliche, Unterlagen, gerichtliche Kommunikation und Mandantenfreigabe.7677## Red Flags7879- Commercial-Court-Zuständigkeit oder englische Sprache wird nur behauptet, aber nicht aus Klausel, Gesetz und Landesrecht hergeleitet.80- Englischer Schriftsatz klingt wie US-Litigation und enthält keine ZPO-tauglichen Beweisangebote.81- Anlagen sind englisch/deutsch gemischt, aber Übersetzungs- und Zitierlogik fehlt.82- Geheimhaltungsinteressen werden erst in der mündlichen Verhandlung entdeckt.83- Das Wortprotokoll wird gewünscht, aber nicht rechtzeitig prozessual vorbereitet.