Griechenland Archi tis Analogikotitas
Verfassungsrahmen
Die Syntagma tis Ellados von 1975 (Verfassung) wurde 2001 reformiert. Seither enthaelt Art 25 I 4 Syntagma eine ausdrueckliche Verhältnismäßigkeitsklausel:
Hoi tetoiou eidous periorismoi tha prepei na problepontai eite apefthelias apo to Syntagma eite apo ton nomo eite, ef oson hyparchei epifylaxi yper autou, kai apo ton nomo na sebontai ten archi tes analogikotetas.
Damit hat der Verfassungsgeber das Verhältnismäßigkeitsprinzip (archi tis analogikotitas) ausdruecklich verankert. Vor 2001 hatte es die Rechtsprechung des Symvoulio tis Epikrateias und des Areios Pagos aus dem Rechtsstaatsprinzip und der EMRK gewonnen.
Drei Stufen der Analogikotita
Die Rechtsprechung des Symvoulio tis Epikrateias (StE) und des Anotato Eidiko Dikastirio (AED) prüft Eingriffsmassnahmen in drei Stufen:
- Katallilotita (Geeignetheit): das Mittel ist zur Zielerreichung geeignet.
- Anagkaiotita (Erforderlichkeit): kein milderes gleich wirksames Mittel.
- Stenh ennoia analogikotitas (Verhältnismäßigkeit im engeren Sinn): die Nachteile für den Betroffenen sind nicht ausser Verhältnis zum Zweck.
Leading cases:
- StE Olomeleia 2112/1984 und 1303/1983 (vorvefasste Linie),
- StE 2192/2014 (Sparmassnahmen waehrend Schuldenkrise, Wesensgehalt der Beamtenbesoldung),
- StE Olomeleia 668/2012 (Memorandum-Sparmassnahmen, Globalpruefung),
- StE 1972/2012 (Eigentum und Telekommunikation),
- StE 1992/2016 (Datenschutz / oeffentliche Aufgabenwahrnehmung).
Anotato Eidiko Dikastirio und Areios Pagos
Das AED (Art 100 Syntagma) ist Sondergericht für Verfassungs- und Verfassungsmaessigkeitsfragen. Der Areios Pagos (oberstes Zivil- und Strafgericht) prüft die Verhältnismäßigkeit über EMRK und EU-Charta. Der StE (Staatsrat) ist faktisch die zentrale Instanz für Verfassungs-Verhältnismäßigkeitsfragen.
Wesensgehalt
Art 25 I 4 Syntagma enthaelt keinen expliziten Wesensgehaltsschutz wie Art 19 II GG. Die Rechtsprechung leitet einen Kerngehaltsschutz jedoch aus Art 2 I Syntagma (Wuerde des Menschen) und der EMRK ab. StE 2192/2014 hat etwa für Beamtenbesoldung einen abwaegungsfesten Kern (axioprepi diavioshs / Mindestlebensbedingungen) anerkannt.
Strukturunterschiede
| Deutschland | Griechenland |
|---|---|
| Vier Stufen sequenziell | Drei Stufen Katallilotita Anagkaiotita Stenh ennoia |
| Wesensgehalt Art 19 II GG | Kein expliziter Wesensgehalt; Kerngehalt über Art 2 I Syntagma und EMRK |
| Schutzbereich-Eingriff-Rechtfertigung getrennt | Prüfung über Art 25 I 4 Syntagma |
| Einschaetzungspraerogative national | Diakritiki evcheria tou nomotheti, eng bei Eingriffen |
| Praktische Konkordanz | Stathmisi agathon kai dikaiomaton |
| Untermassverbot ausgeprägt | Ypochreosi positivis prostasias nach Art 2, 5 Syntagma |
Bedeutung für den Prüfer
Bei griechischen Bezuegen:
- Art 25 I 4 Syntagma als zentrale Schranken-Schranke benennen.
- Drei Stufen ausdruecklich auf Griechisch (oder transliteriert) zitieren.
- Bei Sparmassnahmen StE Olomeleia 668/2012 und 2192/2014 als methodische Standardzitate.
- EMRK und EU-Charta als zusaetzlichen Maßstab nutzen.
Live-Recherche-Disclaimer
Entscheidungen vor Zitierung verifizieren über das offizielle Portal des Symvoulio tis Epikrateias (adjustice gr / ste gr). Volltexte auch in Themis und Theoria kai Praxis Dioikitikou Dikaiou (ThPDD). Aktenzeichen Nummer/Jahr; Olomeleia (Plenum) oder Tmema (Senat) beachten.