Haftpflichtschaden regulieren
1. Zweck und Anwendungsfall
Der Haftpflichtversicherer führt die Abwicklung für ein versichertes Unternehmen. Liefere die jetzt benötigte Entscheidungsvorlage und das passende Schreiben. Prüfe berechtigte wie unbegründete Positionen; die Versichererperspektive ist kein Auftrag zur pauschalen Kürzung.
2. Eingaben
Lies Schadenmeldung, letzte Bearbeitungsnotiz, Anspruchsschreiben, Versicherungsschein mit Bedingungen und Vollmacht. Übernimm vorhandene Schadennummer und Sachbearbeiter. Unterscheide Versicherungsnehmer, mitversicherte Person, Geschädigten, Vertreter und weiteren Versicherer. Fehlt allein eine Bedingungsseite, sichere den Tatsachenstand und fordere genau diese Seite an.
3. Ablauf
3.1. Deckung, Haftung und Außenbefugnis trennen
Halte drei getrennte Entscheidungen fest: Deckung gegenüber dem Versicherungsnehmer, Haftung gegenüber dem Geschädigten und Befugnis zur Außenregulierung. Eine interne Reserve ist weder Haftungsanerkenntnis noch Angebot. Ein Schadenaktenzeichen beweist keinen Direktanspruch.
3.2. Versichertes Risiko bestimmen
VVG Paragraf 100 und Paragraf 101 betreffen Freistellung und Abwehr. Bestimme anhand des Vertrags versicherte Tätigkeit, Zeitraum, Ausschlüsse, Selbstbehalt und Kostenregelung. Bei Abschleppbetrieben Schäden an übernommenen Fahrzeugen, Tätigkeitsschäden, Obhut, Transport und Kfz-Risiko ausdrücklich anhand der vorhandenen Klauseln abgleichen. Aus „Betriebshaftpflicht“ folgt keine automatische Deckung jeder Beschädigung.
3.3. Deckungsmitteilung begrenzen
Bereite eine begrenzte Deckungsmitteilung vor: bestätigte Punkte, genaue offene Vertrags- oder Tatsachenfrage, erbetener Beleg und nächste Prüfung. Fehlende Deckung ist keine materiell-rechtliche Ablehnung des Geschädigtenanspruchs. Mögliche Interessenkonflikte bei gemeinsamer Vertretung oder Rückgriff gesondert eskalieren.
3.4. Besichtigung und Aufklärung organisieren
Organisiere die entscheidende Aufklärung mit Kostenfreigabe, Untersuchungsumfang, Beteiligten und Termin. Eine Besichtigung darf Beweiserhaltung und zumutbare Reparatur nicht auf unbestimmte Zeit blockieren. Keine heimliche Weisung, belastendes Material zu entfernen; Originalbefunde bleiben erhalten.
3.5. Forderungen und interne Reserve prüfen
Prüfe jede Forderung nach Anspruchsinhaber, Haftungsgrund, Kausalität, Beleg, Umsatzsteuer, Vorzahlung und offenem Rest. Reserve aus begründeten Szenarien und erwarteten Abwehrkosten intern dokumentieren, nicht als mathematischen Anspruchswert verkaufen. Keine willkürliche Quote allein wegen lückenhafter Unterlagen.
3.6. Regulierungsweg zur Freigabe vorlegen
Lege begründete Abwehr, weitere Aufklärung, unstreitige Teilregulierung oder Vergleich zur Freigabe vor. Das Außenanschreiben enthält keine internen Reserven. Bei der üblichen Betriebshaftpflicht ausdrücklich im Namen und Auftrag des bezeichneten Versicherungsnehmers handeln, soweit die Vollmacht das trägt; VVG Paragraf 115 nur bei erfüllten besonderen Voraussetzungen als Direktanspruch behandeln.
3.7. Fälligkeit und Prozessfristen sichern
VVG Paragraf 106: Die Zweiwochenfrist betrifft die dort geregelte bindende Feststellung beziehungsweise Befriedigung und Kostenmitteilung, nicht pauschal zwei Wochen nach jeder Erstmeldung. Gerichtliche Fristen und erforderliche Abwehr laufen unabhängig davon weiter. VVG Paragraf 105 ist kein allgemeines Anerkenntnisverbot.
3.8. Zahlung und Aktenabschluss kontrollieren
Vor Zahlung Anspruchsinhaber, Konto, Vorleistungen, Abtretungen und Freigabe prüfen. Kaskoleistung kann nach VVG Paragraf 86 einen Übergang bewirken; Selbstbehalt und nicht ersetzte Positionen verbleiben nicht automatisch ebenfalls beim Kaskoversicherer. Abgeschlossene Positionen quittieren, den offenen Rest mit Wiedervorlage fortführen. Kein Versand, Vergleich oder Zahlungsauftrag ohne gesonderte Autorisierung.
4. Quellenpflicht
Fachquellen und Zitierweise. Gesetz und konkrete Versicherungsbedingungen getrennt belegen. Der Abschleppanker BGH, Urteil vom 18.02.2014, VI ZR 383/12, betrifft den öffentlich beauftragten Unternehmer und den Anspruchsgegner, nicht die Deckung einer beliebigen Abschlepppolice.
5. Ausgabeformat
Liefere eine interne Regulierungsvorlage mit Deckungsstand, Haftung, Positionsrechnung, Aufklärungsbedarf, Reservegrund und Freigabe; getrennt davon einen vollständig formulierten Außenbrief. Keine internen Überlegungen versehentlich als Anlage mitsenden. Times New Roman 11 pt soweit möglich, dezimale Gliederung. Ohne Export verwendbaren Text liefern.
6. Beispiel
Ein Abschleppbetrieb meldet einen beschädigten Schweller. Die Police enthält eine besondere Obhutsklausel, der öffentliche Auftrag ist noch nicht vollständig vorgelegt. Bereite Besichtigung und begrenzte Deckungsnachforderung vor; entscheide nicht aus dem Vorliegen der Police, dass der Betrieb dem Halter persönlich haftet oder bereits eine Zahlung zugesagt sei.