Sanierungs-Verhandlung mit Gläubigern vor und in der Insolvenz nach StaRUG und InsO
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: Zuerst den im Skilltitel bezeichneten InsO- oder StaRUG-Tatbestand im aktuellen Gesetzestext prüfen. Eröffnungsantrag nach Paragraf 13 InsO, Gläubigerantrag nach Paragraf 14 InsO und Antragspflicht organschaftlicher Vertreter nach Paragraf 15a InsO strikt trennen; Steuerrecht, IDW-Standards oder Auslandsrecht nur bei einer konkreten Schnittstelle ergänzen.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Fokus: Sanierungs-Verhandlung mit Gläubigern vor und in der Insolvenz nach StaRUG und InsO. Anwendungsfall Schuldner will außergerichtlichen Vergleich oder InsO-Plan mit Gläubigern verhandeln. Normen § 270d InsO Schutzschirm §§ 4-65 StaRUG Restrukturierungsplan §§ 112 113 BetrVG Sozialplan § 125 InsO. Prüfraster Gläubigerausschuss-Zusammensetzung Verhandlungsposition Masseverbindlichkeiten Plan-Annahme 75-Prozent-Mehrheit Cross-class Cramdown. Output Verhandlungsstrategie-Memo mit Gläubigerkorrespondenz Vergleichsangebot Plan-Grobentwurf und Zeitplan. Abgrenzung zu fachanwalt-insolvenz-sanierungsrecht-schutzschirmverfahren und fachanwalt-insolvenz-sanierungsrecht-restrukturierungsplan.
Gläubigerverhandlung in der Sanierung — StaRUG / Schutzschirm
Fachlicher Kern — Insolvenz- und Sanierungsrecht
- Problemfokus dieses Skills: Bleibe beim konkreten Titel
Gläubigerverhandlung in der Sanierung — StaRUG / Schutzschirm und löse die dort angelegte Fachfrage; arbeite mit konkreten Tatbestandsmerkmalen, Beweisfragen und dem unmittelbar benötigten Arbeitsprodukt. Routingfragen bleiben Hilfsmittel, wenn Frist, Zuständigkeit oder Verfahrensart offen sind.
- Arbeitsmodus: Zuerst Insolvenzgrund, Frist, Organpflicht, Verfahrensstand, Sicherheiten, Massebezug und Anfechtungszeitraum klären; dann Sanierungsfähigkeit, Plan/StaRUG, Haftung und Dokumentationsschutz.
- Outputpflicht: Krisenzeitachse, Liquiditätsstatus, Anfechtungsmatrix, Sicherheitenradar, IDW-S6-/Sanierungscheck, Register-/Grundbuch-Nachweispaket oder Schriftsatzbaustein.
- Fehlerbremse: Tragende Normen/Entscheidungen live oder aus der Akte verifizieren; Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle. Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen.
Eingaben
- Schuldner-Lage (drohende Z-Unf. § 18 InsO, Z-Unf. § 17, Überschuldung § 19)
- Gläubigerstruktur (Bank, Lieferanten, FA, Sozialkasse, Pensionssicherungsverein)
- Sanierungskonzept-Status: Fortbestehensprognose, Sanierungsfähigkeit, Leitbild, Maßnahmen, integrierte Planung, Dokumentation
- Geplanter Pfad (StaRUG, Schutzschirm, Eigenverwaltung, Regelinsolvenz)
- Wirtschaftliches Sanierungs-Potenzial
Rechtlicher Rahmen
- StaRUG §§ 4-65 (Restrukturierungs-Plan ohne Insolvenz)
- § 270b InsO — Eigenverwaltung
- § 270d InsO — Schutzschirm
- § 217 InsO — Insolvenz-Plan
- § 245 InsO — Mehrheitserfordernisse
- Paragraf 245 InsO — Obstruktionsverbot im Insolvenzplan; davon getrennt Paragrafen 26 bis 28 StaRUG für die gruppenübergreifende Mehrheitsentscheidung
- IDW S 6 — Sanierungskonzept-Standard
- INSOL Practice Statement Mediation in Insolvency
ADR-Pfade
Pfad 1 — Außergerichtlicher Vergleich
- Vor Antragstellung
- Stillhalte-Vereinbarung (Standstill) typisch 90 Tage
- Vergleichs-Quoten 30-70 %
- Vorteil: Kein Stigma der Insolvenz
Pfad 2 — StaRUG-Restrukturierungs-Plan
- Drohende Z-Unf. § 18 InsO
- 75 %-Mehrheit pro Klasse + Cross-Class Cramdown möglich
- Restrukturierungs-Gericht bestätigt
- Gläubiger werden in Klassen verhandelt
Pfad 3 — Schutzschirm § 270d InsO
- 3-Monats-Schutz vor Vollstreckung
- Insolvenz-Plan parallel
- Eigene Sachwalter
Pfad 4 — Eigenverwaltung § 270b InsO
- Gerichtlicher Sachwalter überwacht
- Schuldner führt weiter
- Sanierung mit Insolvenz-Plan
Pfad 5 — Mediation (Insolvenz-Mediator)
- Bei komplexer Gläubigerstruktur
- INSOL-Standard-Mediator
- Vor Schutzschirm-Antrag
Workflow
Phase 1 — Lage-Analyse
- Liquiditätsstatus 3 Wochen / 13 Wochen / 24 Monate
- Fortbestehensprognose und Sanierungsfähigkeits-Check
- Pfad-Wahl
Phase 2 — Gläubigerliste + Vergleichs-Skizze
- Gläubiger sortieren (gesichert, ungesichert, nachrangig)
- Vergleichsquoten je Klasse
- Bedingungen (Zahlungsplan, Stundung, Zinsverzicht)
Phase 3 — Vorgerichtliche Verhandlung Schlüssel-Gläubiger
- Bank zuerst (häufig größter Sicherungsnehmer)
- Lieferanten in Gruppen
- FA / Sozialkasse (oft restriktiv)
- Pensionssicherungsverein (BetrAVG)
Phase 4 — Plan-Aufstellung
- Schriftlicher Plan StaRUG / InsO
- Klassen-Bildung
- Mehrheits-Pflichten
Phase 5 — Plan-Abstimmung / Bestätigung
- Erörterungs-Termin
- Klassen-Abstimmung
- Gerichtsbestätigung
Strategie und Taktik
- Stillhalte-Vereinbarung als Vor-Verhandlungs-Anker
- Bank-Sicherheiten kostentreu verhandeln (sonst Insolvenz vorgezogen)
- Pensionssicherungsverein früh einbeziehen (Anwartschaften)
- Cram-Down mit Klassenbildung strategisch nutzen (separate Klasse renitenter Gläubiger)
- Sanierungskonzept auf IDW-S-6-Niveau als Verhandlungsbasis: Krisenursachen, Leitbild, Maßnahmen, integrierte Planung und Nachweise so aufbereiten, dass Banken und Gläubiger nicht nur eine Quote, sondern die wirtschaftliche Logik prüfen können.
- Insolvenzgeld § 165 SGB III als Liquiditätsbrücke nutzen
- Steuerberater + Anwalt parallel: stb-warnschreiben → anw-haftungswarn-15a → Sanierung
Quellen und Updates
Vor Verwendung aktuellen Rechtsstand und berufsständische Standards prüfen. Für Paragraf 19 Absatz 2 InsO gilt seit 01.01.2024 wieder der regelmäßige Zwölfmonatszeitraum; die SanInsKG-Sonderregelung ist ausgelaufen.
Triage — Verhandlungs-Einstieg
Bevor losgelegt wird, klaere:
- Krisenstadium? Drohende ZU (§ 18) → StaRUG; eingetretene ZU (§ 17) → Insolvenz; Ueberschuldung (§ 19) → InsO oder Schutzschirm.
- Gläubigerstruktur? Bank (gesichert), Lieferanten (ungesichert), FA/Sozialkasse (Privilegierung § 39 InsO), PSV (Pensionen BetrAVG).
- BATNA der Gegenseite? Was passiert wenn Gläubiger nicht einwilligen → Insolvenzeröffnung, Liquidation, Quote-Prognose.
- Zeitfenster? Stillhalte-Vereinbarung (Standstill, typisch 90 Tage) als Verhandlungs-Voraussetzung.
- Handlungsunfaehigkeit der Schuldnerin? § 15a InsO Antragspflicht — kein Verhandlungsexzess auf Kosten der Antragspflicht.
Aktuelle Leitentscheidungen (Stand Mai 2026)
- BGH IX ZR 122/23 vom 05.12.2024 — Bei einem Bargeschäft begrenzt Paragraf 142 Absatz 1 InsO die Vorsatzanfechtung; die Unlauterkeit verlangt eine gezielte Schädigung der übrigen Gläubiger oder eine gezielte Begünstigung des Empfängers. Gleichwertigkeit und unmittelbarer Austausch sind eigenständig zu prüfen. Die Entscheidung macht Cash-on-Delivery oder Vorkasse nicht allgemein anfechtungsfest und schließt andere Anfechtungstatbestände nicht aus.
https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=05.12.2024&Aktenzeichen=IX+ZR+122/23
- BGH, Urteil vom 18.04.2024 - IX ZR 129/22: Ein außenstehender Dritter darf einen nur pauschal aufgestellten und nicht mit Einzelpositionen oder Belegen unterlegten Liquiditätsstatus grundsätzlich einfach bestreiten. Die Entscheidung ist ein Darlegungsanker zu Paragraf 17 InsO, kein pauschaler Beleg für geringere Anfechtungsrisiken.
https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=18.04.2024&Aktenzeichen=IX+ZR+129/22
https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2025/02/rk20250228_1bvr041825.html
- Konkrete BGH-Linien zur Sanierungsmoderation (§§ 94 ff. StaRUG) und zum Sanierungsprivileg (§ 39 Abs. 4 InsO) vor Ausgabe über offene Quellen verifizieren.
Paragrafenkette Gläubigerverhandlung
Paragraf 18 InsO (drohende Zahlungsunfähigkeit) → Paragrafen 29 bis 31 StaRUG (Instrument, Restrukturierungsfähigkeit, Anzeige) → Paragrafen 2 bis 28 StaRUG (Plan und Annahme) → Paragraf 25 StaRUG (Mehrheiten) → Paragrafen 26 bis 28 StaRUG (gruppenübergreifende Mehrheitsentscheidung) → Paragraf 39 Absatz 4 InsO (Sanierungsprivileg) → Paragraf 142 InsO (Bargeschäft) → Paragraf 133 InsO (Vorsatzanfechtung) → Paragraf 165 SGB III (Insolvenzgeld)
— 5-Phasen-Gläubigerverhandlung
- Lageanalyse: Liquiditaetsstatus 3-Wochen und 13-Wochen-Forecast; Fortbestehensprognose § 19 Abs. 2 InsO; Sanierungskonzept auf IDW-S-6-Niveau vorbereiten, wenn Banken, Warenkreditversicherer oder Schlüsselglaeubiger mittragen sollen.
- Gläubigerstruktur: Rangtabelle erstellen: gesichert (§§ 49-51 InsO) → Masseforderungen → unsecured → Nachrang § 39 InsO; BATNA je Gläubiger errechnen.
- Vorverhandlung Schlüssel-Gläubiger: Bank zuerst (groesstes Sicherheitenvolumen); Stillhalte-Vereinbarung 90 Tage; Term Sheet Vergleichsquoten.
- Plan-Aufstellung: StaRUG-Plan oder InsO-Plan; Klassenbildung; Vergleichsrechnung; Mehrheiten-Simulation.
- Abstimmung und Bestaetigung: Eroerungs- und Abstimmungstermin; § 25 StaRUG (75%) oder § 244 InsO (50% Kopf + Summe); Cramdown § 26 StaRUG / § 245 InsO.
Output-Template Verhandlungsnotiz Schlüssel-Gläubiger
Adressat: Intern (Handakte) — Tonfall: strukturiert-sachlich
VERHANDLUNGSNOTIZ — VERTRAULICH
Datum: [DATUM]
Mandant: [FIRMA]
Glaeubiger: [BANK / LIEFERANT]
Vertreter: [NAME]
BATNA unserer Seite: [z.B. Antrag auf Eigenverwaltung sofort]
BATNA Gegenseite: [z.B. Vollstreckung Sicherheit, Quote ca. XX% in Liquidation]
ZOPA: [Vergleichsquote zwischen XX% und YY%]
ERGEBNIS DER VERHANDLUNG:
Forderungsbetrag: EUR [BETRAG]
Angebot Schuldnerin: [XX% in Z Raten]
Glaeubiger-Position: [...]
Naechster Schritt: [...]
Frist: [DATUM]
1---2name: insolvenz-glaeubigerverhandlung-sanierung3description: Für Sanierungs-Verhandlung mit Gläubigern vor und in der Insolvenz nach StaRUG und InsO: entwickelt Ziel, Vergleich und Eskalation; Ergebnis: Verhandlungs- oder Eskalationslinie.4---56# Sanierungs-Verhandlung mit Gläubigern vor und in der Insolvenz nach StaRUG und InsO789## Arbeitsweg1011- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?12- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.13- Tragende Normen verifizieren: Zuerst den im Skilltitel bezeichneten InsO- oder StaRUG-Tatbestand im aktuellen Gesetzestext prüfen. Eröffnungsantrag nach Paragraf 13 InsO, Gläubigerantrag nach Paragraf 14 InsO und Antragspflicht organschaftlicher Vertreter nach Paragraf 15a InsO strikt trennen; Steuerrecht, IDW-Standards oder Auslandsrecht nur bei einer konkreten Schnittstelle ergänzen.14- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).15- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.1617**Fokus:** Sanierungs-Verhandlung mit Gläubigern vor und in der Insolvenz nach StaRUG und InsO. Anwendungsfall Schuldner will außergerichtlichen Vergleich oder InsO-Plan mit Gläubigern verhandeln. Normen § 270d InsO Schutzschirm §§ 4-65 StaRUG Restrukturierungsplan §§ 112 113 BetrVG Sozialplan § 125 InsO. Prüfraster Gläubigerausschuss-Zusammensetzung Verhandlungsposition Masseverbindlichkeiten Plan-Annahme 75-Prozent-Mehrheit Cross-class Cramdown. Output Verhandlungsstrategie-Memo mit Gläubigerkorrespondenz Vergleichsangebot Plan-Grobentwurf und Zeitplan. Abgrenzung zu fachanwalt-insolvenz-sanierungsrecht-schutzschirmverfahren und fachanwalt-insolvenz-sanierungsrecht-restrukturierungsplan.1819### Gläubigerverhandlung in der Sanierung — StaRUG / Schutzschirm2021## Fachlicher Kern — Insolvenz- und Sanierungsrecht22- **Problemfokus dieses Skills:** Bleibe beim konkreten Titel `Gläubigerverhandlung in der Sanierung — StaRUG / Schutzschirm` und löse die dort angelegte Fachfrage; arbeite mit konkreten Tatbestandsmerkmalen, Beweisfragen und dem unmittelbar benötigten Arbeitsprodukt. Routingfragen bleiben Hilfsmittel, wenn Frist, Zuständigkeit oder Verfahrensart offen sind.23- **Arbeitsmodus:** Zuerst Insolvenzgrund, Frist, Organpflicht, Verfahrensstand, Sicherheiten, Massebezug und Anfechtungszeitraum klären; dann Sanierungsfähigkeit, Plan/StaRUG, Haftung und Dokumentationsschutz.24- **Outputpflicht:** Krisenzeitachse, Liquiditätsstatus, Anfechtungsmatrix, Sicherheitenradar, IDW-S6-/Sanierungscheck, Register-/Grundbuch-Nachweispaket oder Schriftsatzbaustein.25- **Fehlerbremse:** Tragende Normen/Entscheidungen live oder aus der Akte verifizieren; Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle. Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen.2627## Eingaben2829- Schuldner-Lage (drohende Z-Unf. § 18 InsO, Z-Unf. § 17, Überschuldung § 19)30- Gläubigerstruktur (Bank, Lieferanten, FA, Sozialkasse, Pensionssicherungsverein)31- Sanierungskonzept-Status: Fortbestehensprognose, Sanierungsfähigkeit, Leitbild, Maßnahmen, integrierte Planung, Dokumentation32- Geplanter Pfad (StaRUG, Schutzschirm, Eigenverwaltung, Regelinsolvenz)33- Wirtschaftliches Sanierungs-Potenzial3435## Rechtlicher Rahmen3637- **StaRUG** §§ 4-65 (Restrukturierungs-Plan ohne Insolvenz)38- **§ 270b InsO** — Eigenverwaltung39- **§ 270d InsO** — Schutzschirm40- **§ 217 InsO** — Insolvenz-Plan41- **§ 245 InsO** — Mehrheitserfordernisse42- **Paragraf 245 InsO** — Obstruktionsverbot im Insolvenzplan; davon getrennt Paragrafen 26 bis 28 StaRUG für die gruppenübergreifende Mehrheitsentscheidung43- **IDW S 6** — Sanierungskonzept-Standard44- **INSOL Practice Statement** Mediation in Insolvency4546## ADR-Pfade4748### Pfad 1 — Außergerichtlicher Vergleich4950- Vor Antragstellung51- Stillhalte-Vereinbarung (Standstill) typisch 90 Tage52- Vergleichs-Quoten 30-70 %53- Vorteil: Kein Stigma der Insolvenz5455### Pfad 2 — StaRUG-Restrukturierungs-Plan5657- Drohende Z-Unf. § 18 InsO58- 75 %-Mehrheit pro Klasse + Cross-Class Cramdown möglich59- Restrukturierungs-Gericht bestätigt60- Gläubiger werden in Klassen verhandelt6162### Pfad 3 — Schutzschirm § 270d InsO6364- 3-Monats-Schutz vor Vollstreckung65- Insolvenz-Plan parallel66- Eigene Sachwalter6768### Pfad 4 — Eigenverwaltung § 270b InsO6970- Gerichtlicher Sachwalter überwacht71- Schuldner führt weiter72- Sanierung mit Insolvenz-Plan7374### Pfad 5 — Mediation (Insolvenz-Mediator)7576- Bei komplexer Gläubigerstruktur77- INSOL-Standard-Mediator78- Vor Schutzschirm-Antrag7980## Workflow8182### Phase 1 — Lage-Analyse8384- Liquiditätsstatus 3 Wochen / 13 Wochen / 24 Monate85- Fortbestehensprognose und Sanierungsfähigkeits-Check86- Pfad-Wahl8788### Phase 2 — Gläubigerliste + Vergleichs-Skizze8990- Gläubiger sortieren (gesichert, ungesichert, nachrangig)91- Vergleichsquoten je Klasse92- Bedingungen (Zahlungsplan, Stundung, Zinsverzicht)9394### Phase 3 — Vorgerichtliche Verhandlung Schlüssel-Gläubiger9596- Bank zuerst (häufig größter Sicherungsnehmer)97- Lieferanten in Gruppen98- FA / Sozialkasse (oft restriktiv)99- Pensionssicherungsverein (BetrAVG)100101### Phase 4 — Plan-Aufstellung102103- Schriftlicher Plan StaRUG / InsO104- Klassen-Bildung105- Mehrheits-Pflichten106107### Phase 5 — Plan-Abstimmung / Bestätigung108109- Erörterungs-Termin110- Klassen-Abstimmung111- Gerichtsbestätigung112113## Strategie und Taktik114115- **Stillhalte-Vereinbarung** als Vor-Verhandlungs-Anker116- **Bank-Sicherheiten** kostentreu verhandeln (sonst Insolvenz vorgezogen)117- **Pensionssicherungsverein** früh einbeziehen (Anwartschaften)118- **Cram-Down** mit Klassenbildung strategisch nutzen (separate Klasse renitenter Gläubiger)119- Sanierungskonzept auf IDW-S-6-Niveau als Verhandlungsbasis: Krisenursachen, Leitbild, Maßnahmen, integrierte Planung und Nachweise so aufbereiten, dass Banken und Gläubiger nicht nur eine Quote, sondern die wirtschaftliche Logik prüfen können.120- **Insolvenzgeld § 165 SGB III** als Liquiditätsbrücke nutzen121- **Steuerberater + Anwalt parallel**: stb-warnschreiben → anw-haftungswarn-15a → Sanierung122123## Quellen und Updates124125Vor Verwendung aktuellen Rechtsstand und berufsständische Standards prüfen. Für Paragraf 19 Absatz 2 InsO gilt seit 01.01.2024 wieder der regelmäßige Zwölfmonatszeitraum; die SanInsKG-Sonderregelung ist ausgelaufen.126127## Triage — Verhandlungs-Einstieg128129Bevor losgelegt wird, klaere:1301311. **Krisenstadium?** Drohende ZU (§ 18) → StaRUG; eingetretene ZU (§ 17) → Insolvenz; Ueberschuldung (§ 19) → InsO oder Schutzschirm.1322. **Gläubigerstruktur?** Bank (gesichert), Lieferanten (ungesichert), FA/Sozialkasse (Privilegierung § 39 InsO), PSV (Pensionen BetrAVG).1333. **BATNA der Gegenseite?** Was passiert wenn Gläubiger nicht einwilligen → Insolvenzeröffnung, Liquidation, Quote-Prognose.1344. **Zeitfenster?** Stillhalte-Vereinbarung (Standstill, typisch 90 Tage) als Verhandlungs-Voraussetzung.1355. **Handlungsunfaehigkeit der Schuldnerin?** § 15a InsO Antragspflicht — kein Verhandlungsexzess auf Kosten der Antragspflicht.136137## Aktuelle Leitentscheidungen (Stand Mai 2026)138139- **BGH IX ZR 122/23 vom 05.12.2024** — Bei einem Bargeschäft begrenzt Paragraf 142 Absatz 1 InsO die Vorsatzanfechtung; die Unlauterkeit verlangt eine gezielte Schädigung der übrigen Gläubiger oder eine gezielte Begünstigung des Empfängers. Gleichwertigkeit und unmittelbarer Austausch sind eigenständig zu prüfen. Die Entscheidung macht Cash-on-Delivery oder Vorkasse nicht allgemein anfechtungsfest und schließt andere Anfechtungstatbestände nicht aus.140 <https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=05.12.2024&Aktenzeichen=IX+ZR+122/23>141- BGH, Urteil vom 18.04.2024 - IX ZR 129/22: Ein außenstehender Dritter darf einen nur pauschal aufgestellten und nicht mit Einzelpositionen oder Belegen unterlegten Liquiditätsstatus grundsätzlich einfach bestreiten. Die Entscheidung ist ein Darlegungsanker zu Paragraf 17 InsO, kein pauschaler Beleg für geringere Anfechtungsrisiken.142 <https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=18.04.2024&Aktenzeichen=IX+ZR+129/22>143 <https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2025/02/rk20250228_1bvr041825.html>144- Konkrete BGH-Linien zur Sanierungsmoderation (§§ 94 ff. StaRUG) und zum Sanierungsprivileg (§ 39 Abs. 4 InsO) vor Ausgabe über offene Quellen verifizieren.145146## Paragrafenkette Gläubigerverhandlung147148Paragraf 18 InsO (drohende Zahlungsunfähigkeit) → Paragrafen 29 bis 31 StaRUG (Instrument, Restrukturierungsfähigkeit, Anzeige) → Paragrafen 2 bis 28 StaRUG (Plan und Annahme) → Paragraf 25 StaRUG (Mehrheiten) → Paragrafen 26 bis 28 StaRUG (gruppenübergreifende Mehrheitsentscheidung) → Paragraf 39 Absatz 4 InsO (Sanierungsprivileg) → Paragraf 142 InsO (Bargeschäft) → Paragraf 133 InsO (Vorsatzanfechtung) → Paragraf 165 SGB III (Insolvenzgeld)149150## — 5-Phasen-Gläubigerverhandlung1511521. **Lageanalyse:** Liquiditaetsstatus 3-Wochen und 13-Wochen-Forecast; Fortbestehensprognose § 19 Abs. 2 InsO; Sanierungskonzept auf IDW-S-6-Niveau vorbereiten, wenn Banken, Warenkreditversicherer oder Schlüsselglaeubiger mittragen sollen.1532. **Gläubigerstruktur:** Rangtabelle erstellen: gesichert (§§ 49-51 InsO) → Masseforderungen → unsecured → Nachrang § 39 InsO; BATNA je Gläubiger errechnen.1543. **Vorverhandlung Schlüssel-Gläubiger:** Bank zuerst (groesstes Sicherheitenvolumen); Stillhalte-Vereinbarung 90 Tage; Term Sheet Vergleichsquoten.1554. **Plan-Aufstellung:** StaRUG-Plan oder InsO-Plan; Klassenbildung; Vergleichsrechnung; Mehrheiten-Simulation.1565. **Abstimmung und Bestaetigung:** Eroerungs- und Abstimmungstermin; § 25 StaRUG (75%) oder § 244 InsO (50% Kopf + Summe); Cramdown § 26 StaRUG / § 245 InsO.157158## Output-Template Verhandlungsnotiz Schlüssel-Gläubiger159160**Adressat:** Intern (Handakte) — Tonfall: strukturiert-sachlich161162```163VERHANDLUNGSNOTIZ — VERTRAULICH164Datum: [DATUM]165Mandant: [FIRMA]166Glaeubiger: [BANK / LIEFERANT]167Vertreter: [NAME]168169BATNA unserer Seite: [z.B. Antrag auf Eigenverwaltung sofort]170BATNA Gegenseite: [z.B. Vollstreckung Sicherheit, Quote ca. XX% in Liquidation]171ZOPA: [Vergleichsquote zwischen XX% und YY%]172173ERGEBNIS DER VERHANDLUNG:174Forderungsbetrag: EUR [BETRAG]175Angebot Schuldnerin: [XX% in Z Raten]176Glaeubiger-Position: [...]177Naechster Schritt: [...]178Frist: [DATUM]179```