SaaS-Vertrag mit AVV nach Art
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: DSGVO Art. 5, 6, 7, 9, 12-22, 25, 28, 30, 32, 33-34, 35, 51-58, 77-83, BDSG §§ 22-25, 26, 30; DSGVO; BDSG; TTDSG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Fokus: SaaS-Vertrag mit AVV nach Art. 28 DSGVO und Transfer Impact Assessment als Bundle. Sieben-Fragen-Diagnose: Anbietersitz Datenstandort Datenkategorien Konzernverflechtung Subprozessoren US-Bezug DPF-Zertifizierung. Schritt-für-Schritt für Bundle-Erstellung. EuGH C-311/18 Schrems II EU-SCC 2021/914 Modul 2 oder 3 EU-US Data Privacy Framework Durchfuehrungsbeschluss 2023/1795 vom 10.07.2023. EDSA Empfehlungen 01/2020 Version 2.0. Mustertexte für Bundle-Anlage und TIA-Skeleton. Abgrenzung: keine reine AVV-Prüfung (avv-art-28-mindestinhalte-checkliste) keine Cloud-Due-Diligence (it-recht-cloud-vertrag-datenschutz-due-diligence).
IT-Recht — SaaS mit AVV und TIA als Bundle
Wann dieses Modul hilft / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen den Skill, wenn ein Mandant einen SaaS-Anbieter mit Drittlandsbezug einsetzt — typischerweise US-Anbieter (Salesforce, Slack, Microsoft 365, Google Workspace, Zoom, HubSpot) oder andere Drittland-Anbieter (Indien, Israel, UK).
Sieben-Fragen-Diagnose:
- Anbietersitz: Wo ist der Vertragspartner ansaessig? Welche Konzernmutter?
- Datenstandort: Welche Region waehlbar? Standardregion?
- Datenkategorien: Welche Daten gehen in den Dienst — Mitarbeiter, Kunden, Endkunden? Art. 9 oder 10 Daten?
- Konzernverflechtung: Gibt es US-Mutter mit Zugriff (CLOUD Act)?
- Subprozessoren: Welche, in welchen Ländern?
- US-Bezug: Faellt der Anbieter unter US-Ueberwachungsgesetze (FISA 702, EO 12333)?
- DPF-Zertifizierung: Ist der Anbieter EU-US Data Privacy Framework zertifiziert? Welche Listung beim US Department of Commerce?
Rechtlicher Rahmen
- Art. 28 DSGVO AVV.
- Art. 32 DSGVO TOM.
- Art. 44 DSGVO Allgemeines Prinzip Drittlandstransfer.
- Art. 45 DSGVO Angemessenheitsbeschluss; EU-US Data Privacy Framework Durchfuehrungsbeschluss (EU) 2023/1795 vom 10.07.2023.
- Art. 46 DSGVO SCC 2021/914.
- EuGH C-311/18 Schrems II (Urteil 16.07.2020): SCC nur ausreichend mit zusaetzlichen Maßnahmen, wenn Drittlandrecht keinen vergleichbaren Schutz bietet.
- EDSA Empfehlungen 01/2020 Version 2.0 (angenommen 18.06.2021): Sechs-Schritte-Methodik für TIA.
- EDSA Empfehlungen 02/2020 (Version 2.0 angenommen 18.06.2021): Europaeische wesentliche Garantien.
- FISA 702 USA (50 USC 1881a) und Executive Order 12333.
- Executive Order 14086 USA (07.10.2022) als Basis EU-US DPF.
Mandantenfuehrung Schritt-für-Schritt
- Zuerst: Mapping. Welche SaaS-Dienste mit welchen Datenkategorien laufen?
- Als zweites: DPF-Prüfung. Auf dataprivacyframework.gov prüfen, ob der konkrete Anbieter zertifiziert ist. Wenn ja: Angemessenheitsbeschluss reicht; SCC als Backup empfohlen.
- Als drittes: AVV prüfen. Mindestinhalte Art. 28 III.
- Als viertes: SCC abschliessen. Auch wenn DPF zertifiziert, als Backup im Bundle Modul 2 (Verantwortlicher zu Auftragsverarbeiter) oder Modul 3 (Auftragsverarbeiter zu Auftragsverarbeiter) — je nach Rolle.
- Als fuenftes: TIA durchfuehren. Sechs Schritte EDSA: (1) Datenfluss kennen, (2) Tool wahlen, (3) Drittlandsrecht prüfen, (4) Zusatzmassnahmen prüfen, (5) Verfahrensschritte, (6) Re-Evaluierung.
- Als sechstes: Zusatzmassnahmen. Verschluesselung Customer Managed Key, Pseudonymisierung, vertragliche Garantien.
- NICHT ausschließlich auf DPF vertrauen — Schrems III ist anhaengig (EuGH C-589/22 Latombe). Backup SCC empfohlen.
Trade-off-Matrix
| Konstellation | Bundle-Minimum |
|---|---|
| EU-Anbieter, kein US-Bezug | AVV Art. 28 |
| EU-Anbieter mit US-Mutter | AVV + SCC + TIA (CLOUD Act Risiko) |
| US-Anbieter DPF-zertifiziert | AVV + DPF-Hinweis + SCC Backup + TIA leicht |
| US-Anbieter ohne DPF | AVV + SCC + TIA komplett + Zusatzmassnahmen |
| Anderes Drittland ohne Angemessenheit | AVV + SCC + TIA komplett |
Mustertexte
Bundle-Anlage Datenschutz (Cover Sheet)
SaaS-Vertrag: [Anbieter, Vertragsdatum]
Anlage 1: Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO
Anlage 2: Technisch-organisatorische Massnahmen Art. 32 DSGVO (TOM)
Anlage 3: Standardvertragsklauseln 2021/914 Modul [2 oder 3]
Anlage 4: Transfer Impact Assessment Stand [Datum]
Anlage 5: Subprozessorliste Stand [Datum]
Anlage 6: Zertifizierungen (DPF-Listung, ISO 27001, SOC 2)
TIA-Skeleton (Kerntext)
Transfer Impact Assessment für [Anbieter] Erstellt am [Datum] vom Verantwortlichen [Mandant]
Schritt 1 — Datenfluss
- Datenkategorien: [konkret]
- Datensubjekte: [konkret]
- Drittland: [USA / Indien / UK]
- Zweck der Verarbeitung: [konkret]
Schritt 2 — Transfertool
- Mechanismus: [SCC 2021/914 Modul X / DPF / Andere]
Schritt 3 — Drittlandrecht
- Einschlaegige Ueberwachungsgesetze: [FISA 702 / EO 12333 / nationales Sicherheitsrecht]
- Anbieter konkret betroffen: [Prüfung]
- EDSA Empfehlungen 02/2020 europaeische wesentliche Garantien erfuellt: [ja / nein / teilweise]
Schritt 4 — Zusatzmassnahmen
- Technisch: [Verschluesselung, Customer Managed Key, Pseudonymisierung]
- Organisatorisch: [Schulung, Zugriffsbeschraenkung]
- Vertraglich: [Transparenzklausel, Benachrichtigung bei Behördenanfrage]
Schritt 5 — Verfahrensschritte
- Implementierung: [Datum]
- Verantwortlicher: [Person]
Schritt 6 — Re-Evaluierung
- Naechste Prüfung: [Datum, mindestens jaehrlich]
- Trigger für Sofortpruefung: [neue EuGH-Entscheidung, neuer DPF-Status, Anbieterwechsel]
Klausel "DPF und SCC kombiniert"
Soweit die Verarbeitung in den Vereinigten Staaten erfolgt, stuetzt sich der Transfer primaer auf den Durchfuehrungsbeschluss der Europaeischen Kommission (EU) 2023/1795 vom 10.07.2023 (EU-US Data Privacy Framework), sofern und solange der Auftragnehmer entsprechend zertifiziert ist. Die Standardvertragsklauseln 2021/914 (Modul [2 oder 3]) sind als alternativer Transfermechanismus zwingend mit abgeschlossen und greifen automatisch, falls die DPF-Zertifizierung entfaellt oder der Durchfuehrungsbeschluss aufgehoben wird.
Typische Fehler
- DPF-Zertifizierung des Anbieters nicht auf dataprivacyframework.gov verifiziert.
- SCC ohne TIA — Schrems II nicht eingehalten.
- TIA nur Anbieter-Generaltext, kein konkreter Datenfluss.
- SCC-Modul falsch (Modul 2 statt 3 oder umgekehrt).
- Re-Evaluierungsdatum fehlt.
Was triggert die Aufsicht? Verweis "Anbieter ist DPF-konform", aber keine Listung; SCC fehlt; TIA leerformelig; Anbieter-AVV ungeprueft.
Quellen Stand 06/2026
- DSGVO Art. 28, 32, 44 ff.
- EU-SCC 2021/914, Durchfuehrungsbeschluss 04.06.2021.
- EU-US DPF, Durchfuehrungsbeschluss (EU) 2023/1795 vom 10.07.2023.
- EuGH C-311/18 Schrems II, Urteil 16.07.2020.
- EuGH C-589/22 Latombe (anhaengig, Stand 2025).
- EDSA, Empfehlungen 01/2020 zu Drittlandstransfers, Version 2.0, angenommen 18.06.2021.
- EDSA, Empfehlungen 02/2020 zu europaeischen wesentlichen Garantien, Version 2.0, angenommen 18.06.2021.
- Executive Order 14086 (USA), 07.10.2022.
- Keine Aufsatzfundstellen aus Modellwissen.