Deutsche Rechtsgeschichte: 014 Entnazifizierung Kontrollratsrecht Und Uebergang
Historische Quellenanker
Vor einer rechtlichen Schlussfolgerung diese Anker am aktuellen Normtext prüfen; Spezial- und Landesrecht nur hinzunehmen, wenn es den konkreten Auftrag traegt:
Art. 20 Abs. 3 GG — rechtsstaatlicher Gegenwartsanker.
Art. 1 Abs. 1 GG — Menschenwuerde als Zäsur- und Kontinuitaetsmassstab.
Art. 123 Abs. 1 GG — Fortgeltung vorkonstitutionellen Rechts.
Art. 125 GG — Fortgeltung als Bundesrecht.
Art. 126 GG — Meinungsverschiedenheiten über Fortgeltung.
Art. 20 Einigungsvertrag — öffentlicher Dienst und Rechtsuebergang.
Art. 21 Einigungsvertrag — Verwaltungsvermögen.
Art. 22 Einigungsvertrag — Finanzvermoegen.
§ 1 VermG — Anwendungsbereich Vermögensgesetz.
§ 3 VermG — Rückübertragung.
Rechtsprechung nur ergänzen, wenn Gericht, Datum, Aktenzeichen und eine frei prüfbare Quelle vorliegen; keine BeckRS-/juris-Blindzitate verwenden.
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis.
- Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker.
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Kontrollratsgesetze
- Kontrollrat für Deutschland (4 Maechte: USA UK Frankreich Sowjetunion).
- Wichtige Gesetze:
- Kontrollratsgesetz Nr. 1 vom 20.09.1945: Aufhebung nationalsozialistischer Gesetze.
- Kontrollratsgesetz Nr. 4: Reorganisation des Justizwesens.
- Kontrollratsgesetz Nr. 10 vom 20.12.1945: Bestrafung von Personen, die sich Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen den Frieden und gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht haben.
- Kontrollratsgesetz Nr. 45 vom 20.02.1947: Aufloesung der Familienfideikommisse und sonstigen gebundenen Vermögen.
Entnazifizierung
- Direktive Nr. 24 vom 12.01.1946: Entlassung und Bestrafung von Nationalsozialisten.
- Spruchkammerverfahren in den westlichen Zonen.
- Klassifizierung in 5 Kategorien: Hauptschuldige Belastete Minderbelastete Mitlaeufer Entlastete.
- Befreiungsgesetz 05.03.1946 (US-Zone).
Nuernberger Prozesse
- IMT-Hauptkriegsverbrecherprozess 20.11.1945 - 01.10.1946.
- 24 Hauptangeklagte; 12 Todesurteile; 7 Freiheitsstrafen; 3 Freisprueche.
- Folgeprozesse 1946-1949 nach Kontrollratsgesetz Nr. 10.
Anti-Diskriminierungsgesetze
- Kontrollratsgesetz Nr. 1 hob die Nuernberger Rassengesetze auf.
- Wiedergutmachungsgesetzgebung ab 1947.
Uebergang zur BRD und DDR
- Mai 1949: Grundgesetz BRD.
- Oktober 1949: Verfassung DDR.
Heutige Fortwirkung
- BEG (Bundesentschaedigungsgesetz) 1953.
- BRueG (Bundesrueckerstattungsgesetz) 1957.
- Stiftung "Erinnerung Verantwortung Zukunft" 2000 (NS-Zwangsarbeiter).
1---2name: neu-014-entnazifizierung-kontrollratsrecht-und-uebergang3description: Für Deutsche Rechtsgeschichte: 014 Entnazifizierung Kontrollratsrecht und Übergang: ordnet Norm, Beweislast und Gegenargument; Ergebnis: Schnittstellenkarte mit Zuständigkeits- und Nachweisfragen.4---56# Deutsche Rechtsgeschichte: 014 Entnazifizierung Kontrollratsrecht Und Uebergang78## Historische Quellenanker910Vor einer rechtlichen Schlussfolgerung diese Anker am aktuellen Normtext prüfen; Spezial- und Landesrecht nur hinzunehmen, wenn es den konkreten Auftrag traegt:1112- `Art. 20 Abs. 3 GG` — rechtsstaatlicher Gegenwartsanker.13- `Art. 1 Abs. 1 GG` — Menschenwuerde als Zäsur- und Kontinuitaetsmassstab.14- `Art. 123 Abs. 1 GG` — Fortgeltung vorkonstitutionellen Rechts.15- `Art. 125 GG` — Fortgeltung als Bundesrecht.16- `Art. 126 GG` — Meinungsverschiedenheiten über Fortgeltung.17- `Art. 20 Einigungsvertrag` — öffentlicher Dienst und Rechtsuebergang.18- `Art. 21 Einigungsvertrag` — Verwaltungsvermögen.19- `Art. 22 Einigungsvertrag` — Finanzvermoegen.20- `§ 1 VermG` — Anwendungsbereich Vermögensgesetz.21- `§ 3 VermG` — Rückübertragung.2223Rechtsprechung nur ergänzen, wenn Gericht, Datum, Aktenzeichen und eine frei prüfbare Quelle vorliegen; keine BeckRS-/juris-Blindzitate verwenden.2425## Arbeitsweg2627- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?28- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis.29- Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.30- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker.31- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.3233## Kontrollratsgesetze3435- **Kontrollrat für Deutschland** (4 Maechte: USA UK Frankreich Sowjetunion).36- Wichtige Gesetze:37 - **Kontrollratsgesetz Nr. 1 vom 20.09.1945**: Aufhebung nationalsozialistischer Gesetze.38 - **Kontrollratsgesetz Nr. 4**: Reorganisation des Justizwesens.39 - **Kontrollratsgesetz Nr. 10 vom 20.12.1945**: Bestrafung von Personen, die sich Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen den Frieden und gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht haben.40 - **Kontrollratsgesetz Nr. 45 vom 20.02.1947**: Aufloesung der Familienfideikommisse und sonstigen gebundenen Vermögen.4142## Entnazifizierung4344- **Direktive Nr. 24 vom 12.01.1946**: Entlassung und Bestrafung von Nationalsozialisten.45- **Spruchkammerverfahren** in den westlichen Zonen.46- Klassifizierung in 5 Kategorien: Hauptschuldige Belastete Minderbelastete Mitlaeufer Entlastete.47- **Befreiungsgesetz** 05.03.1946 (US-Zone).4849## Nuernberger Prozesse5051- **IMT-Hauptkriegsverbrecherprozess** 20.11.1945 - 01.10.1946.52- 24 Hauptangeklagte; 12 Todesurteile; 7 Freiheitsstrafen; 3 Freisprueche.53- Folgeprozesse 1946-1949 nach Kontrollratsgesetz Nr. 10.5455## Anti-Diskriminierungsgesetze5657- Kontrollratsgesetz Nr. 1 hob die Nuernberger Rassengesetze auf.58- Wiedergutmachungsgesetzgebung ab 1947.5960## Uebergang zur BRD und DDR6162- **Mai 1949**: Grundgesetz BRD.63- **Oktober 1949**: Verfassung DDR.6465## Heutige Fortwirkung6667- BEG (Bundesentschaedigungsgesetz) 1953.68- BRueG (Bundesrueckerstattungsgesetz) 1957.69- Stiftung "Erinnerung Verantwortung Zukunft" 2000 (NS-Zwangsarbeiter).