Substantiierter Schriftsatzkern für Anfechtungs-/Nichtigkeitsklage GV-Beschluss, Auskunftsklage, Squeeze-out: Tatsachenvortrag-Geruest, Anspruchsgrundlagen-Kette, Beweisangebote, Hilfsanträge, Replik-/Duplik-Vorausschau.
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: HGB §§ 1-7, 17-37 (Firma/Register), 48-58 (Prokura), 84-92c (Handelsvertreter), 343 ff. (Handelsgeschäfte), 373 ff. (Handelskauf); HGB §§ 84-92c, EuGH zu Ausgleichsanspruch, BGB §§ 305 ff.; § 14i. HGB. AktG. GmbHG. PartGG. UmwG. Geschäftsführerhaftung; § 89b HGB. MoPeG GbR seit 2024. Schnittstellen kanzlei-allgemein — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Fokus: Substantiierter Schriftsatzkern für Anfechtungs-/Nichtigkeitsklage GV-Beschluss, Auskunftsklage, Squeeze-out: Tatsachenvortrag-Geruest, Anspruchsgrundlagen-Kette, Beweisangebote, Hilfsanträge, Replik-/Duplik-Vorausschau.
Schriftsatzkern und Substantiierung im Handels- und Gesellschaftsrecht
Fachlicher Kern — Gesellschaftsrecht und Corporate Law
- Problemfokus dieses Skills: Bleibe beim konkreten Titel
Schriftsatzkern und Substantiierung im Handels- und Gesellschaftsrecht und löse die dort angelegte Fachfrage; arbeite mit konkreten Tatbestandsmerkmalen, Beweisfragen und dem unmittelbar benötigten Arbeitsprodukt. Routingfragen bleiben Hilfsmittel, wenn Frist, Zuständigkeit oder Verfahrensart offen sind.
- Arbeitsmodus: Erst Gesellschaftsform, Organ, Beschlussweg, Vertretung, Registerlage, wirtschaftliches Ziel und Minderheitenposition sortieren; dann Treuepflicht, Kapitalerhaltung, Haftung, Transaktions-Closing und Beweis-/Vollzugsrisiko prüfen.
- Outputpflicht: Beschluss-/Listenmatrix, Register-To-do, Board-/Beiratsvorlage, Closing-CP-Liste, Treuepflicht-Red-Team, Geschäftsführerhaftungsmemo oder Mandanten-Decision-Paper.
- Fehlerbremse: Tragende Normen/Entscheidungen live oder aus der Akte verifizieren; Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle. Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen.
Wann dieser Arbeitsgang greift
- Es soll ein vollwertiger Schriftsatz im Bereich Handels- und Gesellschaftsrecht erstellt werden, typischerweise: Anfechtungs-/Nichtigkeitsklage GV-Beschluss, Auskunftsklage, Squeeze-out.
- Die Mandatsannahme und ggf. Vergleichsverhandlung sind abgeschlossen oder gescheitert.
- Klage-, Widerspruchs-, Einspruchs-, Rechtsmittel-Frist ist bekannt und im Kalender eingetragen.
Aufbauschema
A. Rubrum
- Parteien (Bezeichnung wie im Vorprozess oder Bescheid, exakte Schreibweise!).
- Zustellungsanschrift Bevollmaechtigte.
- Gericht/Behörde (Zuständigkeit prüfen und im Schriftsatz darstellen, wenn streitig).
- Aktenzeichen (Bezugs-Az., neues Az. nach Eingang).
- Streitwert/Gegenstandswert.
B. Antraege
Klassischer Antrag-Block; je nach Verfahrenstyp:
- Leistungsantrag (zu zahlen, zu unterlassen, zu beseitigen, herauszugeben).
- Feststellungsantrag (Feststellungsinteresse darlegen).
- Gestaltungsantrag (Aufhebung, Anfechtung, Scheidung).
- Hilfsantraege staffeln (von eng nach weit oder von hoch nach niedrig).
C. Tatsachenvortrag
Der Substantiierungs-Kern; pro Anspruchsgrundlage in HGB, GmbHG, AktG, UmwG, GenG, GwG eine eigene Tatsachen-Sequenz:
- Sachverhalts-Chronologie mit konkreten Daten (Tag, Uhrzeit, Ort, Personen).
- Mandantenseitige Tatsachenbehauptungen mit Beweisangeboten.
- Gegnerisches Verhalten mit Belegen (Schreiben, Aussage, Verhalten).
- Schaden/Folgen bezifferbar (Hauptforderung, Nebenforderung, Zinsen, Folgekosten).
D. Rechtliche Wuerdigung
Anspruchsaufbau klassisch:
- Anspruchsgrundlage nennen (z.B. § X iVm § Y).
- Tatbestandsmerkmale durchgehen; jedes Merkmal wird gegen den Tatsachenvortrag gespiegelt.
- Einwendungen der Gegenseite vorwegnehmen und entkraeften.
- Rechtsprechungs-Verweise: BAG/BGH/BVerfG/EuGH/BFH je nach Fachgebiet; bei Handels- und Gesellschaftsrecht typischerweise die letzte hoechstrichterliche Linie zitieren.
- Subsumtion-Ergebnis klar formulieren.
E. Beweisangebote
Pflichtbestandteil, ohne den Substantiierung nicht ausreicht:
- Urkundenbeweis: konkrete Anlage Kxx benennen, Inhalt nicht nur "Vertrag" sondern "Vertrag vom TT.MM.JJJJ, dort § X Abs. Y, Anlage K1".
- Zeugenbeweis: Name, ladungsfaehige Anschrift, Beweisthema in einem Satz.
- Sachverstaendigenbeweis: ggf. Privatgutachten mit anfuegen, gerichtliches Gutachten beantragen.
- Parteivernehmung als letzte Stufe, mit Antrag § 448 ZPO und Indiziengeruest.
- Inaugenscheinnahme: bei Sache vor Ort (Mietraum, Baustelle, Fahrzeug, Hardware).
F. Anlagenverzeichnis
- K1, K2 ... durchnummeriert (Antragstellerin/Klägerin).
- Bei Beklagten B1, B2 ...
- Jede Anlage mit Datum, Absender, Empfaenger, Inhaltsbeschreibung in einem Satz.
- Pflicht-Erwaehnung im Tatsachenvortrag.
Substantiierungs-Fallen im Handels- und Gesellschaftsrecht
- Pauschaltatsachen ohne konkrete Daten ("seit Jahren", "regelmaessig", "in mehreren Faellen") werden vom Gericht uebergangen.
- Beweisangebot zur falschen Tatsache: Beweisthema deckt nur Teilaussage ab.
- Selbst-widersprueche zwischen Schriftsatz und Anlage ("Im Vertrag steht doch was anderes").
- Verspaeteter Vortrag § 296 ZPO/§ 87b VwGO: Rueglich-Fristen beachten, Verschulden vermeiden.
- Anspruchskonkurrenz zwischen mehreren Grundlagen: nicht eine wegfallen lassen.
Prüfkette vor Versand
- Antragsformulierung tenoriert (urteilstauglich, vollstreckbar)?
- Jede Tatbestandsmerkmal-Subsumtion mit eigener Tatsache + Beweis hinterlegt?
- Frist eingehalten (Eingangsstempel/elektronische Uebermittlung)?
- Zuständigkeit positiv festgestellt?
- Streitwert plausibel, ggf. mit Anlage Streitwert-Berechnung?
- Anlagenverzeichnis vollstaendig und nummerisch konsistent?
- beA-/EGVP-/EBO-Konformitaet (PDF/A, ERVV-Signatur)?
- Vier-Augen-Prüfung durch Sozius oder Senior-Anwaeltin?
Rechtsprechungs-Werkzeugkasten
- BVerfG, BGH, BAG, BFH, BVerwG, EuGH und die jeweils massgeblichen Fachsenate für Handels- und Gesellschaftsrecht.
- HGB, GmbHG, AktG, UmwG, GenG, GwG sowie Verordnungen/Richtlinien dazu.
- Aktuelle Reform- und Gesetzgebungslage einbeziehen.
Pflicht-Output
- Schriftsatz mit Rubrum, Antraegen, Tatsachenvortrag, Rechtsausfuehrung, Beweisangeboten, Anlagenverzeichnis.
- Anlagen-Konvolut numerisch geordnet, jede Anlage einzeln benannt.
- Frist-Doku mit Eingangsbestaetigung (beA-Eingangsnachricht, EB).
- Streitwertskizze (eigenes Memo, falls > 1 Anspruch).
- Mandanten-Erinnerung mit Naechster-Schritt-Aufgaben (Zeuginnen vorbereiten, Sachverstaendiger?).
Beispiel-Anspruchsgrundlagen im Handels- und Gesellschaftsrecht
Drei haeufig gebrauchte Anspruchsgrundlagen aus HGB, GmbHG, AktG, UmwG, GenG, GwG und ihre Substantiierungs-Anforderungen:
Grundlage 1
- Tatbestandsmerkmal 1: konkrete Tatsache + Beweis.
- Tatbestandsmerkmal 2: konkrete Tatsache + Beweis.
- Tatbestandsmerkmal 3: konkrete Tatsache + Beweis.
- Rechtsfolge: konkreter Antrag.
Grundlage 2
Analog - jede Tatsache braucht ein Beweisangebot.
Grundlage 3 (Auffanggrundlage / Sekundaeranspruch)
Hilfsweise vortragen, klar als Hilfsantrag/Hilfsvortrag kennzeichnen.
Antrags-Muster nach Verfahrenstyp
Typische Antraege in Handels- und Gesellschaftsrecht (Anfechtungs-/Nichtigkeitsklage GV-Beschluss, Auskunftsklage, Squeeze-out):
- Hauptantrag (Leistung/Feststellung/Gestaltung).
- Hilfsantrag (z.B. für den Fall, dass Hauptforderung verjaehrt ist).
- Annex-Antraege (Zinsen, Nebenforderungen, Kosten).
- Streitwert-Antrag (falls Streitwert streitig).
Beweisaufnahme - was das Gericht sehen will
Urkundenbeweis
- Anlage K1: Bezeichnung, Datum, kurze Inhaltsbeschreibung.
- Im Tatsachenvortrag: "Diese Behauptung beruht auf dem als Anlage K1 vorgelegten Schreiben der Beklagten vom TT.MM.JJJJ, dort Seite Y, Absatz Z."
Zeugenbeweis
- Form: "Beweis: Aussage der Zeugin Name, ladungsfaehige Anschrift, zum Beweisthema (konkret in einem Satz)."
- Mehrere Zeuginnen zum gleichen Thema: Indiziengeruest staerken.
- Keine Beweisermittlung über Zeugnis - das Beweisthema muss konkret sein.
Sachverstaendigenbeweis
- Bei Handels- und Gesellschaftsrecht-typischen Streitfaellen oft notwendig (Bauwerk, IT-System, Anlagebewertung, medizinische Frage).
- Privatgutachten als Anlage K vorlegen + zugleich gerichtliches Gutachten beantragen.
- Verfahrensoekonomie: Sachverstaendigen-Kosten frueh mit Mandantin besprechen.
Parteivernehmung (§ 448 ZPO)
- Letzte Stufe, nur wenn andere Beweismittel ausgeschoepft.
- Indiziengeruest vortragen, das eine gewisse Wahrscheinlichkeit der Behauptung tragt.
Replik-/Duplik-Vorausschau
Schon im Klageschriftsatz die wahrscheinlichen Einwaende der Gegenseite vorwegnehmen:
- Verjährung -> Hemmungstatbestand vortragen.
- Erfuellung/Aufrechnung -> rechtzeitige Tatsachenbasis schaffen.
- Formmangel -> Heilung/Schutz-Argument bereit halten.
- Treuwidrigkeit -> Indiziengeruest gegen Treuwidrigkeits-Vorwurf.
Elektronische Einreichung (beA, EGVP, EBO, ELSTER)
- PDF/A-2 oder PDF/A-3, mit eingebetteten Schriften.
- Strukturdatensatz nach ERVV pflicht-konform (Sender, Empfaenger, Az., Versanddatum).
- Qualifizierte elektronische Signatur (qeS) der einreichenden RA-Person oder einfacher elektronischer Versand über beA (sicherer Uebermittlungsweg).
- Eingangsbestaetigung aufbewahren - Datum der Einreichung ist Fristwahrungs-Beweis.
- 1.10.2026 / 1.10.2027 - ZVollstrDigitG-Änderungen im Vollstreckungsbereich; in Handels- und Gesellschaftsrecht ggf. spezifische ERV-Pflichten beachten.
Schriftsatz-Stil
- Aktiv, kurze Saetze, klare Subsumtion.
- Keine Floskeln ("Die Klage ist zulässig und begruendet" als Ueberschrift, aber dann substantiieren).
- Mandanten- und Beweismittel-Zitate woertlich, in Anfuehrungszeichen, mit Anlage-Verweis.
- Keine Gefuehlsausbrueche - sachlich auch bei provokanter Gegenseite.
Vier-Augen-Check
Vor Versand:
Cross-Refs
erstgespraech-mandatsannahme (im selben Plugin) für die Tatsachen-Grundlage und Streitwertskizze.
vergleichsverhandlung-strategie (im selben Plugin) für parallelen Vergleichsversuch (Gueteverhandlung, Mediation).
Vertiefung — Rechtsprechung Gesellschaftsrechts-Schriftsatz
Normen-Ergänzung
§ 43 GmbHG (Haftung, Beweislast) → § 93 Abs. 2 Satz 2 AktG (Beweislastumkehr analog) → § 246 AktG (Beschlussanfechtung, Monatsfrist) → § 15 GmbHG (Anteilsabtretung, Formerfordernis) → §§ 1, 3 UmwG (Umwandlungsmaßnahmen, Protokoll) → § 89b HGB (Handelsvertreterausgleich, Berechnung) → § 138 Abs. 2, 3 ZPO (Substantiierungspflicht, qualifiziertes Bestreiten)
Quellenregel
Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.
Quellenregel: Entscheidungen nur nach Prüfung einer amtlichen oder frei zugänglichen Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage ausgeben.
1---2name: schriftsatzkern-substantiierung-133description: Für Schriftsatzkern Substantiierung: erstellt Entwurf mit Antrag, Beweis und Anlagen; Ergebnis: Schriftsatz mit Begründungs- und Anlagenlogik. Fachgebiet: Fachanwalt Handels- und Gesellschaftsrecht.4---5
6# Substantiierter Schriftsatzkern für Anfechtungs-/Nichtigkeitsklage GV-Beschluss, Auskunftsklage, Squeeze-out: Tatsachenvortrag-Geruest, Anspruchsgrundlagen-Kette, Beweisangebote, Hilfsanträge, Replik-/Duplik-Vorausschau.
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9## Arbeitsweg
10
11- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
12- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
13- Tragende Normen verifizieren: HGB §§ 1-7, 17-37 (Firma/Register), 48-58 (Prokura), 84-92c (Handelsvertreter), 343 ff. (Handelsgeschäfte), 373 ff. (Handelskauf); HGB §§ 84-92c, EuGH zu Ausgleichsanspruch, BGB §§ 305 ff.; § 14i. HGB. AktG. GmbHG. PartGG. UmwG. Geschäftsführerhaftung; § 89b HGB. MoPeG GbR seit 2024. Schnittstellen kanzlei-allgemein — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
14- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
15- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
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17**Fokus:** Substantiierter Schriftsatzkern für Anfechtungs-/Nichtigkeitsklage GV-Beschluss, Auskunftsklage, Squeeze-out: Tatsachenvortrag-Geruest, Anspruchsgrundlagen-Kette, Beweisangebote, Hilfsanträge, Replik-/Duplik-Vorausschau.
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19### Schriftsatzkern und Substantiierung im Handels- und Gesellschaftsrecht
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21## Fachlicher Kern — Gesellschaftsrecht und Corporate Law
22- **Problemfokus dieses Skills:** Bleibe beim konkreten Titel `Schriftsatzkern und Substantiierung im Handels- und Gesellschaftsrecht` und löse die dort angelegte Fachfrage; arbeite mit konkreten Tatbestandsmerkmalen, Beweisfragen und dem unmittelbar benötigten Arbeitsprodukt. Routingfragen bleiben Hilfsmittel, wenn Frist, Zuständigkeit oder Verfahrensart offen sind.
23- **Arbeitsmodus:** Erst Gesellschaftsform, Organ, Beschlussweg, Vertretung, Registerlage, wirtschaftliches Ziel und Minderheitenposition sortieren; dann Treuepflicht, Kapitalerhaltung, Haftung, Transaktions-Closing und Beweis-/Vollzugsrisiko prüfen.
24- **Outputpflicht:** Beschluss-/Listenmatrix, Register-To-do, Board-/Beiratsvorlage, Closing-CP-Liste, Treuepflicht-Red-Team, Geschäftsführerhaftungsmemo oder Mandanten-Decision-Paper.
25- **Fehlerbremse:** Tragende Normen/Entscheidungen live oder aus der Akte verifizieren; Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle. Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen.
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27## Wann dieser Arbeitsgang greift
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29- Es soll ein vollwertiger Schriftsatz im Bereich Handels- und Gesellschaftsrecht erstellt werden, typischerweise: Anfechtungs-/Nichtigkeitsklage GV-Beschluss, Auskunftsklage, Squeeze-out.
30- Die Mandatsannahme und ggf. Vergleichsverhandlung sind abgeschlossen oder gescheitert.
31- Klage-, Widerspruchs-, Einspruchs-, Rechtsmittel-Frist ist bekannt und im Kalender eingetragen.
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33## Aufbauschema
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35### A. Rubrum
36
37- Parteien (Bezeichnung wie im Vorprozess oder Bescheid, exakte Schreibweise!).
38- Zustellungsanschrift Bevollmaechtigte.
39- Gericht/Behörde (Zuständigkeit prüfen und im Schriftsatz darstellen, wenn streitig).
40- Aktenzeichen (Bezugs-Az., neues Az. nach Eingang).
41- Streitwert/Gegenstandswert.
42
43### B. Antraege
44
45Klassischer Antrag-Block; je nach Verfahrenstyp:
46
47- Leistungsantrag (zu zahlen, zu unterlassen, zu beseitigen, herauszugeben).
48- Feststellungsantrag (Feststellungsinteresse darlegen).
49- Gestaltungsantrag (Aufhebung, Anfechtung, Scheidung).
50- Hilfsantraege staffeln (von eng nach weit oder von hoch nach niedrig).
51
52### C. Tatsachenvortrag
53
54Der Substantiierungs-Kern; pro Anspruchsgrundlage in HGB, GmbHG, AktG, UmwG, GenG, GwG eine eigene Tatsachen-Sequenz:
55
561. **Sachverhalts-Chronologie** mit konkreten Daten (Tag, Uhrzeit, Ort, Personen).
572. **Mandantenseitige Tatsachenbehauptungen** mit Beweisangeboten.
583. **Gegnerisches Verhalten** mit Belegen (Schreiben, Aussage, Verhalten).
594. **Schaden/Folgen** bezifferbar (Hauptforderung, Nebenforderung, Zinsen, Folgekosten).
60
61### D. Rechtliche Wuerdigung
62
63Anspruchsaufbau klassisch:
64
651. **Anspruchsgrundlage** nennen (z.B. § X iVm § Y).
662. **Tatbestandsmerkmale** durchgehen; jedes Merkmal wird gegen den Tatsachenvortrag gespiegelt.
673. **Einwendungen** der Gegenseite vorwegnehmen und entkraeften.
684. **Rechtsprechungs-Verweise:** BAG/BGH/BVerfG/EuGH/BFH je nach Fachgebiet; bei Handels- und Gesellschaftsrecht typischerweise die letzte hoechstrichterliche Linie zitieren.
695. **Subsumtion-Ergebnis** klar formulieren.
70
71### E. Beweisangebote
72
73Pflichtbestandteil, ohne den Substantiierung nicht ausreicht:
74
75- Urkundenbeweis: konkrete Anlage Kxx benennen, Inhalt nicht nur "Vertrag" sondern "Vertrag vom TT.MM.JJJJ, dort § X Abs. Y, Anlage K1".
76- Zeugenbeweis: Name, ladungsfaehige Anschrift, Beweisthema in einem Satz.
77- Sachverstaendigenbeweis: ggf. Privatgutachten mit anfuegen, gerichtliches Gutachten beantragen.
78- Parteivernehmung als letzte Stufe, mit Antrag § 448 ZPO und Indiziengeruest.
79- Inaugenscheinnahme: bei Sache vor Ort (Mietraum, Baustelle, Fahrzeug, Hardware).
80
81### F. Anlagenverzeichnis
82
83- K1, K2 ... durchnummeriert (Antragstellerin/Klägerin).
84- Bei Beklagten B1, B2 ...
85- Jede Anlage mit Datum, Absender, Empfaenger, Inhaltsbeschreibung in einem Satz.
86- Pflicht-Erwaehnung im Tatsachenvortrag.
87
88## Substantiierungs-Fallen im Handels- und Gesellschaftsrecht
89
90- **Pauschaltatsachen** ohne konkrete Daten ("seit Jahren", "regelmaessig", "in mehreren Faellen") werden vom Gericht uebergangen.
91- **Beweisangebot zur falschen Tatsache:** Beweisthema deckt nur Teilaussage ab.
92- **Selbst-widersprueche** zwischen Schriftsatz und Anlage ("Im Vertrag steht doch was anderes").
93- **Verspaeteter Vortrag** § 296 ZPO/§ 87b VwGO: Rueglich-Fristen beachten, Verschulden vermeiden.
94- **Anspruchskonkurrenz** zwischen mehreren Grundlagen: nicht eine wegfallen lassen.
95
96## Prüfkette vor Versand
97
981. Antragsformulierung tenoriert (urteilstauglich, vollstreckbar)?
992. Jede Tatbestandsmerkmal-Subsumtion mit eigener Tatsache + Beweis hinterlegt?
1003. Frist eingehalten (Eingangsstempel/elektronische Uebermittlung)?
1014. Zuständigkeit positiv festgestellt?
1025. Streitwert plausibel, ggf. mit Anlage Streitwert-Berechnung?
1036. Anlagenverzeichnis vollstaendig und nummerisch konsistent?
1047. beA-/EGVP-/EBO-Konformitaet (PDF/A, ERVV-Signatur)?
1058. Vier-Augen-Prüfung durch Sozius oder Senior-Anwaeltin?
106
107## Rechtsprechungs-Werkzeugkasten
108
109- BVerfG, BGH, BAG, BFH, BVerwG, EuGH und die jeweils massgeblichen Fachsenate für Handels- und Gesellschaftsrecht.
110- HGB, GmbHG, AktG, UmwG, GenG, GwG sowie Verordnungen/Richtlinien dazu.
111- Aktuelle Reform- und Gesetzgebungslage einbeziehen.
112
113## Pflicht-Output
114
1151. **Schriftsatz** mit Rubrum, Antraegen, Tatsachenvortrag, Rechtsausfuehrung, Beweisangeboten, Anlagenverzeichnis.
1162. **Anlagen-Konvolut** numerisch geordnet, jede Anlage einzeln benannt.
1173. **Frist-Doku** mit Eingangsbestaetigung (beA-Eingangsnachricht, EB).
1184. **Streitwertskizze** (eigenes Memo, falls > 1 Anspruch).
1195. **Mandanten-Erinnerung** mit Naechster-Schritt-Aufgaben (Zeuginnen vorbereiten, Sachverstaendiger?).
120
121## Beispiel-Anspruchsgrundlagen im Handels- und Gesellschaftsrecht
122
123Drei haeufig gebrauchte Anspruchsgrundlagen aus HGB, GmbHG, AktG, UmwG, GenG, GwG und ihre Substantiierungs-Anforderungen:
124
125### Grundlage 1
126
127- Tatbestandsmerkmal 1: konkrete Tatsache + Beweis.
128- Tatbestandsmerkmal 2: konkrete Tatsache + Beweis.
129- Tatbestandsmerkmal 3: konkrete Tatsache + Beweis.
130- Rechtsfolge: konkreter Antrag.
131
132### Grundlage 2
133
134Analog - jede Tatsache braucht ein Beweisangebot.
135
136### Grundlage 3 (Auffanggrundlage / Sekundaeranspruch)
137
138Hilfsweise vortragen, klar als Hilfsantrag/Hilfsvortrag kennzeichnen.
139
140## Antrags-Muster nach Verfahrenstyp
141
142Typische Antraege in Handels- und Gesellschaftsrecht (Anfechtungs-/Nichtigkeitsklage GV-Beschluss, Auskunftsklage, Squeeze-out):
143
144- Hauptantrag (Leistung/Feststellung/Gestaltung).
145- Hilfsantrag (z.B. für den Fall, dass Hauptforderung verjaehrt ist).
146- Annex-Antraege (Zinsen, Nebenforderungen, Kosten).
147- Streitwert-Antrag (falls Streitwert streitig).
148
149## Beweisaufnahme - was das Gericht sehen will
150
151### Urkundenbeweis
152
153- Anlage K1: Bezeichnung, Datum, kurze Inhaltsbeschreibung.
154- Im Tatsachenvortrag: "Diese Behauptung beruht auf dem als Anlage K1 vorgelegten Schreiben der Beklagten vom TT.MM.JJJJ, dort Seite Y, Absatz Z."
155
156### Zeugenbeweis
157
158- Form: "Beweis: Aussage der Zeugin Name, ladungsfaehige Anschrift, zum Beweisthema (konkret in einem Satz)."
159- Mehrere Zeuginnen zum gleichen Thema: Indiziengeruest staerken.
160- Keine Beweisermittlung über Zeugnis - das Beweisthema muss konkret sein.
161
162### Sachverstaendigenbeweis
163
164- Bei Handels- und Gesellschaftsrecht-typischen Streitfaellen oft notwendig (Bauwerk, IT-System, Anlagebewertung, medizinische Frage).
165- Privatgutachten als Anlage K vorlegen + zugleich gerichtliches Gutachten beantragen.
166- Verfahrensoekonomie: Sachverstaendigen-Kosten frueh mit Mandantin besprechen.
167
168### Parteivernehmung (§ 448 ZPO)
169
170- Letzte Stufe, nur wenn andere Beweismittel ausgeschoepft.
171- Indiziengeruest vortragen, das eine gewisse Wahrscheinlichkeit der Behauptung tragt.
172
173## Replik-/Duplik-Vorausschau
174
175Schon im Klageschriftsatz die wahrscheinlichen Einwaende der Gegenseite vorwegnehmen:
176
177- Verjährung -> Hemmungstatbestand vortragen.
178- Erfuellung/Aufrechnung -> rechtzeitige Tatsachenbasis schaffen.
179- Formmangel -> Heilung/Schutz-Argument bereit halten.
180- Treuwidrigkeit -> Indiziengeruest gegen Treuwidrigkeits-Vorwurf.
181
182## Elektronische Einreichung (beA, EGVP, EBO, ELSTER)
183
184- PDF/A-2 oder PDF/A-3, mit eingebetteten Schriften.
185- Strukturdatensatz nach ERVV pflicht-konform (Sender, Empfaenger, Az., Versanddatum).
186- Qualifizierte elektronische Signatur (qeS) der einreichenden RA-Person oder einfacher elektronischer Versand über beA (sicherer Uebermittlungsweg).
187- Eingangsbestaetigung aufbewahren - Datum der Einreichung ist Fristwahrungs-Beweis.
188- 1.10.2026 / 1.10.2027 - ZVollstrDigitG-Änderungen im Vollstreckungsbereich; in Handels- und Gesellschaftsrecht ggf. spezifische ERV-Pflichten beachten.
189
190## Schriftsatz-Stil
191
192- Aktiv, kurze Saetze, klare Subsumtion.
193- Keine Floskeln ("Die Klage ist zulässig und begruendet" als Ueberschrift, aber dann substantiieren).
194- Mandanten- und Beweismittel-Zitate woertlich, in Anfuehrungszeichen, mit Anlage-Verweis.
195- Keine Gefuehlsausbrueche - sachlich auch bei provokanter Gegenseite.
196
197## Vier-Augen-Check
198
199Vor Versand:
200
201- [ ] Antrag tenorierungsfaehig
202- [ ] Frist gewahrt mit Reserve
203- [ ] Jede Tatsache hat Beweis
204- [ ] Anlagen vollstaendig und nummeriert
205- [ ] Rechtsprechungs-Zitat aktuell
206- [ ] Streitwert plausibel
207- [ ] beA/EGVP-konform
208- [ ] Senior-/Sozius-Freigabe
209
210## Cross-Refs
211
212- `erstgespraech-mandatsannahme` (im selben Plugin) für die Tatsachen-Grundlage und Streitwertskizze.
213- `vergleichsverhandlung-strategie` (im selben Plugin) für parallelen Vergleichsversuch (Gueteverhandlung, Mediation).
214
215## Vertiefung — Rechtsprechung Gesellschaftsrechts-Schriftsatz
216
217### Normen-Ergänzung
218
219§ 43 GmbHG (Haftung, Beweislast) → § 93 Abs. 2 Satz 2 AktG (Beweislastumkehr analog) → § 246 AktG (Beschlussanfechtung, Monatsfrist) → § 15 GmbHG (Anteilsabtretung, Formerfordernis) → §§ 1, 3 UmwG (Umwandlungsmaßnahmen, Protokoll) → § 89b HGB (Handelsvertreterausgleich, Berechnung) → § 138 Abs. 2, 3 ZPO (Substantiierungspflicht, qualifiziertes Bestreiten)
220
221### Quellenregel
222
223Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.
224
225> Quellenregel: Entscheidungen nur nach Prüfung einer amtlichen oder frei zugänglichen Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage ausgeben.