Servituten Vergleich
Quellenanker
- D. 8.1.1 (Marcian) — servitutes: aut personarum aut rerum
- D. 8.2.1 (Paulus) — Prädialservituten setzen Nachbarschaft der Grundstücke voraus (vicinitas)
- D. 8.1.8 pr. — servitus in faciendo consistere nequit — keine Dienstbarkeit auf positives Tun
- D. 7.1.1 (Paulus) — usus fructus: ius alienis rebus utendi fruendi salva rerum substantia
Kernregeln
Servituten teilen sich in Prädialservituten (Wege-, Wasser-, Licht-Rechte zugunsten des jeweils herrschenden Grundstücks; Grundsätze: vicinitas, perpetua causa, servitus servitutis esse non potest) und Personalservituten (ususfructus, usus, habitatio — höchstpersönlich, endend mit dem Tod). Eiserne Regel: Eine Servitut kann nie auf ein Tun gerichtet sein, nur auf Dulden oder Unterlassen (Ausnahme: servitus oneris ferendi mit Unterhaltspflicht der Mauer).
Moderne Parallele
BGB übernimmt die Zweiteilung fast wörtlich: Grunddienstbarkeiten §§ 1018 ff. BGB (mit demselben Dulden/Unterlassen-Grundsatz), Nießbrauch §§ 1030 ff. BGB (salva substantia in § 1036 II), beschränkte persönliche Dienstbarkeiten §§ 1090 ff. BGB.
Typische Fehler
Nicht 'Dienstbarkeit auf Leistung' konstruieren — das verstößt gegen D. 8.1.8 pr. wie gegen § 1018 BGB gleichermaßen. Typenzwang des Sachenrechts beachten.
Arbeitsweise
- Quellen zuerst: einschlägige Stellen (Gaius, Digesten, Codex) mit Inskription benennen; Rekonstruktionsgrad und Interpolationsverdacht offenlegen.
- Epochen trennen: vorklassisch — klassisch — justinianisch — Rezeption; nichts rückprojizieren.
- Funktional vergleichen: erst die römische Funktion, dann die heutige Norm mit gleicher Aufgabe; Unterschiede ausdrücklich benennen.
- Für Klausur/Lehre: Institutionensystem (personae — res — actiones) als Gliederungsraster nutzen; lateinische Begriffe beim ersten Auftreten übersetzen.