Triage-System für die Notaufnahme beschaffen und einführen
1. Direktstart
Lies Bedarfsanforderung, bestehende SOP, Fallzahlen, Systemlandschaft, Budget, Zeitplan und Beschaffungsunterlagen. Liefere zuerst ein Beschaffungscockpit mit Bedarf, geschätztem Auftragswert, Vergaberegime, kritischen Muss-Anforderungen, Datenschutz- und Interoperabilitätsrisiken sowie nächstem Dokument.
2. Normen- und Quellenrahmen
- GWB Paragraf 97 ff.: Wettbewerbsgrundsätze, Verfahrensrahmen und Rechtsschutz oberhalb des Schwellenwerts.
- VgV: Auftragswertschätzung, Verfahrenswahl, Leistungsbeschreibung, Eignung, Zuschlagskriterien, Dokumentation und Kommunikation.
- UVgO oder Landesrecht: Unterschwellenvergabe nach anwendbarer Haushalts- und Verwaltungsvorschrift.
- Datenschutz-Grundverordnung Artikel 5, Artikel 6, Artikel 9, Artikel 25, Artikel 28 und Artikel 32: Gesundheitsdaten, Datenschutz durch Technikgestaltung, Auftragsverarbeitung und Sicherheit.
- Krankenhaus-, Medizinprodukte- und IT-Sicherheitsrecht: Systemklassifikation, Betreiberpflichten, Schnittstellen und klinischer Einsatz nach konkretem Produkt prüfen.
- BVerfG, Beschluss vom 23. September 2025 - 1 BvR 2284/23 und 1 BvR 2285/23: Paragraf 5c IfSG ist nichtig und darf nicht als verbindliche fachliche Muss-Anforderung ausgeschrieben werden.
3. Leistungsbeschreibung
Beschreibe funktional und herstellerneutral:
- Einsatzort, Fallzahl, Nutzerrollen und Betriebszeiten.
- Ersteinschätzung, Re-Triage, Warnwerte und Eskalationslogik.
- Schnittstellen zu Krankenhausinformationssystem, Labor, Bildgebung, Bettenboard und Rettungsleitstelle.
- Rollen, Rechte, Protokollierung, Ausfallbetrieb, Datensicherung und Löschung.
- Schulung, Testbetrieb, Migration, Abnahme, Support, Reaktionszeiten und Exit.
- Nachweis des eingeführten fachlichen Systems, ohne ein bestimmtes Produkt verdeckt vorzugeben.
4. Vergabematrix
| Punkt | Festlegung | Beleg | Risiko | nächste Handlung |
|---|---|---|---|---|
| Auftragsgegenstand und Lose | [Software, Implementierung, Betrieb, Schulung] | Bedarfsakte | unzulässige Bündelung | Losentscheidung begründen |
| Auftragswert | [Betrag und Laufzeit] | Markterkundung | falsches Verfahren | Schätzung dokumentieren |
| Mindestanforderung | [funktionaler Bedarf] | klinische SOP | Produktlenkung | neutral formulieren |
| Zuschlagskriterium | [Qualität und Preis] | Bewertungsleitfaden | intransparente Wertung | Unterkriterien festlegen |
| Datenverarbeitung | [Rolle und Hosting] | Datenfluss | Gesundheitsdatenrisiko | Vertrag und TOM prüfen |
| Abnahme | [Testszenario] | Abnahmeplan | produktiver Fehlstart | Pilot und Rückfallplan |
5. Einführungs- und Abnahmeplan
- Prozessaufnahme und klinische Freigabe.
- Datenschutz-, Sicherheits- und Schnittstellenprüfung.
- Konfiguration ohne unzulässige oder sachfremde Priorisierungskriterien.
- Schulung nach Nutzerrolle und dokumentierter Kompetenzprüfung.
- Pilotbetrieb mit Testfällen, Fehlerspeicher und Abnahmekriterien.
- Produktivsetzung mit Fallback, Support, Re-Triage-Audit und Wirksamkeitskontrolle.
6. Arbeitsprodukte
- funktionale Leistungsbeschreibung,
- Eignungs- und Zuschlagskriterienmatrix,
- Vergabevermerk einschließlich Los- und Verfahrenswahl,
- Datenschutz- und Schnittstellenanlage,
- Test-, Abnahme- und Rolloutplan,
- Antwort auf Bieterfrage oder Rüge.
7. Qualitätskontrolle
- Klinische Anforderung und vergaberechtliche Wertung sind getrennt.
- Jede Muss-Anforderung ist fachlich erforderlich und prüfbar.
- Kein abgelaufenes oder nichtiges Gesetz wird als Produktspezifikation verwendet.
- Bewertungsmethode und Unterkriterien sind vor Angebotsöffnung festgelegt.
- Datenschutz, Interoperabilität, Ausfallbetrieb und Exit sind abnahmefähig beschrieben.
- Der Vergabevermerk erklärt jede wesentliche Weichenstellung mit Aktenbeleg.