Mandantenkommunikation im Arbeitsrechtsmandat: Mandantenbriefe, E-Mails, Gesprächsvorbereitung, Informationspflichten, Kostenhinweis RVG, Akteneinsicht, Verfahrensstandsmeldungen, Aufklärungsbrief vor Klageerhebung.
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: KSchG; BetrVG; TzBfG; EntgTranspG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Fokus: Mandantenkommunikation im Arbeitsrechtsmandat: Mandantenbriefe, E-Mails, Gesprächsvorbereitung, Informationspflichten, Kostenhinweis RVG, Akteneinsicht, Verfahrensstandsmeldungen, Aufklärungsbrief vor Klageerhebung.
Workflow: Mandantenkommunikation
Fachlicher Kern — Arbeitsrecht
- Problemfokus dieses Skills: Bleibe beim konkreten Titel
Workflow: Mandantenkommunikationund löse die dort angelegte Fachfrage; arbeite mit konkreten Tatbestandsmerkmalen, Beweisfragen und dem unmittelbar benötigten Arbeitsprodukt. Routingfragen bleiben Hilfsmittel, wenn Frist, Zuständigkeit oder Verfahrensart offen sind. - Arbeitsmodus: Zuerst Status, Zugang, Frist, Beteiligungsrechte, Sonderkündigungsschutz, Beweislast und prozessualen nächsten Schritt sichern; dann erst Materiellrecht vertiefen.
- Outputpflicht: Fristenblatt, Zugangsmatrix, Beweisangebot, Mandantenmail, Betriebsrats-/Gegnerbrief oder Klage-/Erwiderungsbaustein.
- Fehlerbremse: Tragende Normen/Entscheidungen live oder aus der Akte verifizieren; Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle. Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen.
Einstieg
Wenn eine Kommunikationsaufgabe vorliegt:
- Art der Kommunikation: Brief, E-Mail, Telefonat, Gesprächsvorbereitung?
- Anlass: Erstgespräch, Zwischenbericht, Ergebnis einer Prüfung, Verhandlungsstand, Klageeinreichung, Vergleichsangebot?
- Ziel: Informieren, Entscheidung herbeiführen, Auftrag bestätigen, Kosten mitteilen?
- Tonalität: Sachlich-nüchtern, beruhigend, eindringlich (bei Fristdruck)?
Typische Kommunikationssituationen und Muster
1. Erstinformation nach Mandatsannahme
„[Ort, Datum]
Sehr geehrte/r [Titel] [Name],
vielen Dank für Ihr Vertrauen. Ich habe Ihre Unterlagen geprüft und möchte Sie über die erste Einschätzung informieren:
Sachverhalt: [Kurzfassung]
Rechtliche Lage: [Kurze Ersteinschätzung: stark/mittlere/schwache Position]
Kritische Fristen: Die Klagefrist nach Paragraf 4 KSchG läuft bis zum [Datum]. Um diese zu wahren, werde ich [Maßnahme] vornehmen.
Nächste Schritte: [1. 2. 3.]
Kosten: Die voraussichtlichen Anwaltsgebühren betragen bei einem Streitwert von [Betrag] ca. [Betrag] nach RVG. Bei Vergleich oder Berufung entstehen weitere Kosten. [Bei Rechtsschutzversicherung: Deckungsanfrage läuft.]
Bitte bestätigen Sie mir kurz, dass Sie mit dem beschriebenen Vorgehen einverstanden sind.
Mit freundlichen Grüßen, [Anwalt]"
2. Verfahrensstandsmeldung (Zwischenbericht)
„[Ort, Datum]
Sehr geehrte/r [Name],
ich möchte Sie über den aktuellen Verfahrensstand informieren:
Stand: [Klageschrift eingereicht am / Gütermin am / Gegenseite hat geantwortet]
Inhalt der Antwort: [Kurze Zusammenfassung der Gegenseite, wenn vorhanden]
Meine Einschätzung: [Kurz: Was bedeutet das für den Prozessausgang?]
Nächster Termin: [Datum, Ort, Uhrzeit] — Bitte erscheinen Sie persönlich / Ihr Erscheinen ist nicht notwendig (Paragraf 54 ArbGG Gütermin: Mandant darf, muss aber nicht erscheinen).
Mit freundlichen Grüßen, [Anwalt]"
3. Vergleichsangebot — Information und Entscheidungsvorbereitung
„[Ort, Datum]
Sehr geehrte/r [Name],
die Gegenseite hat ein Vergleichsangebot unterbreitet:
Angebot: Abfindung [Betrag] brutto; Beendigung [Datum]; Zeugnisnote [Note]; weitere Bedingungen: [...]
Meine Einschätzung:
- [Gut] An dem Angebot: [...]
- [Nachteilig] An dem Angebot: [...]
- Vergleich mit Faustformel: [Berechnung]
Empfehlung: [Ablehnen / Annehmen / Gegenforderung stellen — mit Begründung]
Entscheidung liegt bei Ihnen: Bitte teilen Sie mir bis zum [Datum] mit, wie Sie entscheiden möchten. Bei Fragen rufe ich Sie gerne an.
Mit freundlichen Grüßen, [Anwalt]"
4. Fristdruck-Eilnachricht
„[DRINGEND] Sehr geehrte/r [Name],
die Klagefrist läuft in [X] Tagen ab (am [Datum]).
Um Ihre Rechte zu wahren, muss bis dahin eine Klageschrift beim Arbeitsgericht eingegangen sein. Ich werde die Klage [heute / morgen] einreichen — auch wenn wir noch nicht alle Details besprochen haben. Wichtig: Die Klage kann auch zurückgenommen werden; das Risiko des Fristversäumnisses ist irreversibel.
Bitte antworten Sie mir so schnell wie möglich, ob Sie der Klageeinreichung zustimmen.
[Anwalt], [Telefon, E-Mail]"
Informationspflichten im Überblick
| Zeitpunkt | Pflicht | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Mandatsannahme | Kostenhinweis | Paragraf 49b BRAO; Paragraf 3a RVG |
| Mandatsannahme | Interessenkonflikt-Hinweis | Paragraf 43a BRAO |
| Vor Klageeinreichung | Aufklärung über Erfolgsaussichten und Risiken | BORA Paragraf 4 |
| Vor Vergleich | Aufklärung über Vergleichsinhalt und -folgen | BORA Paragraf 4 |
| Vor Berufung | Hinweis auf erhöhte Kosten und Erfolgsaussichten | BORA Paragraf 4 |
| Laufend | Verfahrensstandsmeldung | Mandatsverhältnis |
Gesprächsvorbereitung Gütermin
Was muss der Mandant vor dem Gütermin wissen?
- Was ist ein Gütermin? (Einigungsgespräch ohne Beweisaufnahme; Paragraf 54 ArbGG)
- Darf der Mandant reden? (Im Gütermin: ja, aber nur auf Zeichen des Anwalts)
- Was ist unser Ziel? (Mindestabfindung X, Zeugnisnote Y, Beendigungsdatum Z)
- Was ist die Fallback-Position? (Wenn kein Vergleich → Kammertermin)
- Was unterschreibt er/sie keinesfalls? (Unzulässige Klauseln; übermäßige Geheimhaltung)
Anschluss-Skills
spezial-verifizierter-mandantenentscheidungfür informierte Mandantenentscheidungspezial-fachanwalt-erstpruefung-und-mandatszielfür Erstaufnahmefachanwalt-arbeitsrecht-verhandlung-guete-abfindung-arbgfür Gütermin-Details
Was dieser Arbeitsgang nicht macht
- Kein Ersatz für individuelle Mandantenkommunikation; Muster sind Vorlage, nicht fertiger Brief.
- Keine Kostenkalkulation ohne konkrete Streitwertangabe.