Sachverhalts-Chronologie
Zweck
Aufbau einer mandatsbezogenen Sachverhalts-Chronologie aus vorliegenden Dokumenten, Schriftsätzen, Verträgen, E-Mails und Anlagen. Die Chronologie dient als Grundlage für Sachverhaltsdarstellungen im Schriftsatz (§ 253 Abs. 2 Nr. 1 ZPO), Zeugenvernehmungsvorbereitung (§§ 373 ff. ZPO), Berufungsbegründung (§ 520 Abs. 3 ZPO) und interne Mandatsbriefings.
Drei Modi:
- Arbeitschronologie – intern, vollständig, mit Lückenmarkierungen
- Sachverhaltsdarstellungs-Chronologie – aufbereitet für den Schriftsatz, urteilsstilgerecht
- Zeugenchronologie – gefiltert auf einen bestimmten Zeugen für Vernehmungsvorbereitung
Eingaben
- Aktives Mandat (Slug)
- Hochgeladene Dokumente: Verträge, Korrespondenz, E-Mails, Protokolle, Rechnungen, Sachverständigengutachten, Gerichtsentscheidungen
- Wahl des Modus:
--arbeits|--sachverhalt|--zeuge=[Name] - Optional: bekannte Schlüsseldaten (z. B. Vertragsschluss, Fälligkeitsdatum, Kündigungserklärung)
Ablauf
Dokumente parsen: Alle hochgeladenen Dateien auf datierte Ereignisse scannen. Datum, Uhrzeit (soweit angegeben), Ereignisbeschreibung, Quelle (Dokumentenbezeichnung, Anlage-Nr.) und beteiligte Personen extrahieren.
Deduplizierung: Gleiche Ereignisse aus verschiedenen Quellen zusammenführen; Widersprüche markieren als
[WIDERSPRUCH: Quelle A gibt X an, Quelle B gibt Y an].Mandatstheorien-Tagging: Jedes Ereignis nach Relevanz für die Mandatstheorie markieren:
- 🔑 Kernereignis (unmittelbar anspruchsbegründend oder -ausschließend)
- ⚠️ Risikopunkt (könnte gegen Mandantin sprechen)
- 📎 Hintergrundinformation
- ❓ Ungeklärt / Beleg fehlt
Lücken identifizieren: Zeiträume ohne belegte Ereignisse und inhaltliche Lücken (z. B. fehlende Zugangsbestätigung, unklare Übergabe) als
[LÜCKE: Zeitraum MM/JJJJ bis MM/JJJJ – kein Beleg]markieren.Modus anwenden:
- Arbeitschronologie: Vollständige Liste mit Quellenangaben und Anmerkungen.
- Sachverhaltsdarstellung: Fließtext im Urteilsstil, Ereignisse in der dritten Person, Beweisquellen als Fußnoten.
- Zeugenchronologie: Nur Ereignisse mit Beteiligung des Zeugen; Ergänzung um mögliche Wissenslücken des Zeugen.
Versionierung: Neue Chronologien als
chronology-v[N].mdim Mandatsordner speichern.
Quellen und Zitierweise
Verbindlich: ../references/zitierweise.md.
- Greger, in: Zöller, ZPO, 35. Aufl. 2024, § 253 Rn. 8 (Sachverhaltsdarstellung in der Klageschrift: vollständig, geordnet, widerspruchsfrei).
- BGH, Urt. v. 11.01.2023 – VIII ZR 153/21, NJW 2023, 843 Rn. 20 (Schlüssigkeit der Klageschrift erfordert vollständigen Sachvortrag aller anspruchsbegründenden Tatsachen).
- BGH, Urt. v. 07.03.2001 – X ZR 160/99, NJW 2001, 2398 Rn. 11 (Zeitstrahl als Hilfe bei komplexen Sachverhalten).
- Grüneberg, in: Grüneberg, BGB, 84. Aufl. 2025, § 286 Rn. 14 (Verzugseintritt: Datum des Zugangs der Mahnung entscheidend – Chronologie muss Zugang belegen).
- Koch, in: Musielak/Voit, ZPO, 21. Aufl. 2024, § 286 Rn. 5 ff. (Beweismaß und Beweiswürdigung bei zeitlichen Abläufen).
Ausgabeformat
Arbeitschronologie (Tabelle)
| Datum | Ereignis | Quelle / Anlage | Beteiligte | Tag | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|---|
| 12.03.2022 | Abschluss Werkvertrag | Anlage K1 (Vertrag v. 12.03.2022) | Kl., Bekl. | 🔑 | Unterschriften vorhanden |
| 15.04.2022 | Fristsetzung Mängelbeseitigung (Schreiben Kl.) | Anlage K3 | Kl. → Bekl. | 🔑 | Zugang streitig |
| [LÜCKE] | Zeitraum 16.04. – 30.05.2022 | – | – | ❓ | Keine Korrespondenz vorhanden |
Sachverhaltsdarstellung (Fließtext-Modus)
Am 12. März 2022 schlossen die Parteien einen Werkvertrag über die Erstellung einer Software (Anlage K1). Mit Schreiben vom 15. April 2022, dem Beklagten zugegangen am 17. April 2022 (Anlage K2: Rückschein), setzte die Klägerin eine Nachfrist zur Mängelbeseitigung bis zum 1. Mai 2022.
Beweis für Zugang: Zeugnis des Herrn Anton Mayer, [Anschrift]; Anlage K2 (Zustellungsnachweis).
Risiken / typische Fehler
- Unklarer Zugangszeitpunkt: Zugangsnachweis für Mahnungen und Fristsetzungen ist entscheidend für Verzugsbeginn (§ 286 Abs. 1 BGB); fehlende Belege zwingend als Lücke markieren.
- Fehlende Chronologie im Schriftsatz: Eine ungeordnete Sachverhaltsdarstellung kann zur Unschlüssigkeit führen; der BGH verlangt vollständigen, widerspruchsfreien Sachvortrag (BGH, Urt. v. 11.01.2023 – VIII ZR 153/21, NJW 2023, 843 Rn. 20).
- Veraltete Chronologie: Nach jedem Mandat-Update (
/mandat-update) die Chronologie ergänzen; veraltete Versionen archivieren. - Zeugenchronologie zu weit gefasst: Nur mandatsrelevante Ereignisse einbeziehen; nicht alle Ereignisse, an denen der Zeuge beteiligt war.
- Datenschutz: Personenbezogene Daten Dritter nur soweit erforderlich; DSGVO-Minimierungsgrundsatz (Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO) beachten.