Erstgespraech und Mandatsannahme im Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe)
Wann dieser Skill greift
- Neue Anfrage aus dem Bereich Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe) (Telefon, Mail, Empfehlung, Walk-in).
- Mandantin oder Mandant beschreibt Sachverhalt unstrukturiert; viele Anlagen ohne System.
- Vor jeder weiteren fachlichen Bearbeitung: erst Annahme klaeren, Konflikt- und GwG-Pruefung, Vollmacht, Streitwert/Vereinbarung, Fristen.
Phasen des Erstgespraechs
1. Aufnahme der Konstellation (10-15 Min.)
Standard-Fragenraster fuer Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe):
- Beteiligte (Vor-/Nachname, Geburtsdatum, Anschrift, Rolle: Klaegerin/Beklagter, Antragsteller, Beschuldigter)
- Konflikt-Kern in einem Satz ("Was ist Ihr Ziel?")
- Konkrete fachliche Stossrichtung: Ruege, Nachpruefung, Wertung, Ausschluss, Eignung, Mittelstandsschutz
- Bisherige Korrespondenz (Bescheide, Schreiben der Gegenseite, anwaltliche Vertretung der Gegenseite?)
- Fristenscreening sofort: anstehende Klage-/Widerspruchs-/Einspruchsfristen aus den vorgelegten Schreiben (z.B. Nachpruefungsantrag VK, Sofortige Beschwerde OLG, Schadensersatzklage § 181 GWB). Frist-Alarm an die Vorbereitung weitergeben.
2. Konflikt-Pruefung und GwG-Check (5 Min.)
- Konflikt-Check ueber Mandantsystem: Gegnerin, Streitgegenstand, frueherer Mandant?
- GwG-Identifizierung: amtlicher Lichtbildausweis (Ausweisscan), bei juristischer Person Handelsregister-/Transparenzregister-Auszug, ggf. wirtschaftlich Berechtigte/n.
- Risikobewertung (niedrig/mittel/hoch) abhaengig von Mandatscharakter, Bargeld, Auslandsbezug.
- Doku im Mandatsbogen (Pflicht nach §§ 10 ff. GwG i.V.m. § 2 Abs. 1 Nr. 10 GwG fuer RA-Mandate).
3. Vollmacht und Schweigepflichtentbindung
- Allgemeine Prozess-/Aussenvollmacht (BORA, ZPO, FamFG, je nach Fachgebiet).
- Spezielle Vollmachten: ggf. Akteneinsicht Strafakte, KV-Abrechnungsdaten, Sozialdaten (Schweigepflichtentbindung gegenueber Krankenkasse, Arzt, Behoerde).
- Bei Eheleuten/GbR/GmbH: einzelvollmachtgebende Person und Vertretungsmacht klaeren.
4. Streitwert und Gebuehrenvereinbarung
Standard-Streitwerte im Bereich Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe):
- Skizze: Streitwert grob abschaetzen (z.B. Hauptforderung, ggf. + Zinsen, Nebenforderungen).
- RVG-Pauschalrechnung (Berechnungstool im Plugin) oder Stundenhonorarvereinbarung.
- Beratungshilfe-/Prozesskostenhilfe-Antrag pruefen, wenn wirtschaftlich angezeigt.
- Vorschussanforderung nach § 9 RVG.
5. Strategie-Erstskizze
Drei Weichen am Ende des Erstgespraechs:
- Mandat annehmen: vollstaendig (Pruefung + Schriftsatz) oder begrenzt (nur Pruefung/Gutachten).
- Verweisen: wenn Spezialgebiet ausserhalb der Fachanwaltschaft, oertlich unzustaendig oder Konflikt.
- Ablehnen: offensichtlich aussichtslos, GwG-Hit, Bauchgefuehl-Vorsicht.
Pflicht-Output am Ende
- Mandatsbogen mit Beteiligten, Konflikt-Check, GwG-Status, Streitwert.
- Frist-Liste (Sofortfristen, Verjaehrung, Ausschlussfristen, Beweisanforderungs-Fristen).
- Anlagenverzeichnis des uebergebenen Datenraums (Stand erstes Sortieren).
- Naechster-Schritt-Plan: binnen 24/48/72 h, Owner, Output.
- Honorarvereinbarung unterschrieben oder Vorbehalt notiert.
Relevante Rechtsgrundlagen und Standards
- BORA, BRAO, FAO fuer Fachanwaltschaft Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe).
- GwG, GwGMeldV, Identifizierungsleitfaden BRAK.
- GWB Teil 4, VgV, UVgO, VOB/A, SektVO, KonzVgV (fuer fachliche Erstpruefung).
- DSGVO und BDSG fuer den Umgang mit Mandantendaten (Art. 6 DSGVO als Rechtsgrundlage, Art. 9 ggf. Gesundheitsdaten).
Typische Fehler im Erstgespraech
- Frist uebersehen, weil Mandantin sie nicht selber genannt hat (immer aus jedem Schreiben Frist herausziehen).
- Konflikt-Check nur nach Personennamen, nicht nach Sachzusammenhang (gleiche Liegenschaft, gleicher Sachverhalt).
- Vollmachtsumfang unklar -> spaeter Streit mit Mandantin ueber Befugnisse.
- Honorarvereinbarung muendlich -> Beweisnot bei Streitwert-/Honorar-Streit.
- GwG: kein Lichtbildausweis erfasst, kein Aktenvermerk ueber Risikobewertung.
Praxis-Checkliste
Konkrete Praxis-Konstellationen
Konstellation A: Eilbeduerftigkeit
Mandantin kommt am Donnerstag, Frist laeuft am Montag (Klage- oder Widerspruchsfrist im Bereich Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe)). Handlungs-Sequenz:
- Sofort-Vollmacht und Sofort-Akteneinsicht (per beA, ELSTER, Behoerdenportal).
- Antrag auf Wiedereinsetzung (§ 233 ZPO, § 60 VwGO, § 110 AO) als Reserve dokumentieren.
- Spaeteste-Stunde-Versand-Plan: beA bevorzugt, mit qualifizierter Signatur und Empfangsbekenntnis.
- Honorarvereinbarung NICHT auf Eilzuschlag verzichten - aber transparent kommunizieren.
Konstellation B: Komplexer Sachverhalt, Datenraum unsortiert
Mandant uebergibt 200+ Dateien (PDF-Scans, E-Mails, Excel-Listen). Vor jeder fachlichen Bewertung:
- Datenraum-Index in Excel: Datum, Absender, Empfaenger, Aktenzeichen, kurze Inhaltszeile.
- Chronologischer Verlauf als Zeitstrahl - Spielraum fuer Verjaehrungs- und Ausschlussfristen identifizieren.
- Loecher im Datenraum gezielt anfordern (Mandantenfragen-Katalog).
Konstellation C: Interessenkonflikt-Naehe
Frueheres Mandat mit derselben Gegnerin oder gleichem Sachzusammenhang. Pruefung:
- § 43a Abs. 4 BRAO und § 3 BORA - Sachzusammenhang, nicht nur Personenidentitaet.
- Einwilligung beider Mandanten in Textform (mit konkreter Beschreibung).
- Bei Zweifel: Mandat ablehnen und an Kanzleikollegium ueberweisen.
Mandanten-Erwartungsmanagement
- Realistische Erfolgs- und Kostenprognose (nicht "Wir gewinnen sicher").
- Verfahrensdauer im Bereich Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe): Erfahrungswerte nach Instanz.
- Vergleichschance vs. streitiges Urteil als Option offen halten.
- Schriftliche Zusammenfassung des Erstgespraechs binnen 48 h.
Honorarvereinbarung - Best Practices
- RVG-Basis als Default, Stundenhonorar nur mit gesondertem Hinweis nach § 3a RVG.
- Erfolgshonorar nur in den engen Grenzen § 4a RVG.
- Vorschuss in Hoehe der voraussichtlichen 1. Instanz.
- Klarstellung: Auslagen-Pauschale, USt, Reisekosten, Sachverstaendigenkosten gesondert.
- Bei PKH/Beratungshilfe-Mandant: schriftliche Belehrung, dass eigene Beitraege moeglich sind.
Mandatsbogen-Muster (Mindestinhalt)
- Mandant (Name, Geburtsdatum, Anschrift, Telefon, E-Mail)
- Gegner (Name, Anschrift, ggf. anwaltliche Vertretung)
- Kurzbeschreibung Sachverhalt (5-10 Saetze)
- Ziel des Mandats (eine Zeile)
- Strittige Fragen (bullet)
- Geprueft: Konflikt - GwG - Vollmacht
- Streitwert (Schaetzung)
- Honorarvereinbarung (RVG/Stunde/Pauschale)
- Frist-Liste
- Aktenanlage Datum
- Naechster-Schritt
Cross-Refs
vergleichsverhandlung-strategie (im selben Plugin) fuer den Fall, dass aussergerichtliche Loesung angestrebt wird.
schriftsatzkern-substantiierung (im selben Plugin) fuer den Schriftsatzaufbau, wenn Klage/Widerspruch eingereicht wird.
- Kanzlei-Allgemein-Plugin
kanzlei-allgemein fuer Konflikt-, GwG- und PEP-Pruefroutinen.
Strategische Optionen (vor dem Template entscheiden)
Bevor das Template eins-zu-eins gefuellt wird, ist zu pruefen welche Variante zur Mandantenkonstellation passt. Das Template ist eine moegliche Form — nicht die einzige.
| Konstellation |
Empfohlener Weg |
| Standard — Erstgespraech Vergaberecht dokumentieren |
Mandatsbogen-Protokoll; Template unten |
| Variante A — Stillhaltefrist laeuft schon |
Frist-Prioritaet; Vollmandat und Ruege noch heute |
| Variante B — Auftraggeber-Mandat (kein Bieter) |
Vergaberechts-Compliance; andere Beratungsrichtung |
| Variante C — Unterhalb EU-Schwellenwert |
Nationales Vergaberecht; keine VK-Zustaendigkeit |
Wenn die Mandantenkonstellation nicht ins Standardschema passt, ist das Template anzupassen oder durch ein anderes Skill abzuloesen — nicht das Mandat in das Schema zu pressen.
Vertiefung: Rechtsprechung und Normen Vergaberecht Erstmandat
Leitsaetze Erstgespräch und Fristen
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Normen Vergaberecht Erstmandat
- §§ 97-109 GWB — Grundsaetze des Vergaberechts (Wettbewerb, Transparenz, Gleichbehandlung)
- § 106 GWB — EU-Schwellenwerte (Anwendungsbereich)
- § 160 Abs. 3 GWB — Ruegeobliegenheit und Fristen
- § 134 GWB — Informationspflicht vor Zuschlag (Stillhaltefrist 10 Tage)
- § 135 GWB — Unwirksamkeit des Zuschlags
- § 181 GWB — Schadensersatz bei Vergaberechtsverstoss
Triage Vergaberecht — Erstgespräch
Bevor losgelegt wird, klaere:
- Liegt der Auftragswert ueber EU-Schwellenwert (§ 106 GWB)? → GWB-Vergaberecht; darunter: UVgO/VOB-A
- Wann erhielt Mandant Kenntnis vom Verstoss? → 10-Tage-Ruegeobliegenheit berechnen
- Liegt Informationsschreiben § 134 GWB vor? → Stillhaltefrist 10 Tage bis Zuschlag beachten
- Welche Vergabeart? → VgV / SektVO / KonzVgV / UVgO / VOB-A
- Zuschlag bereits erteilt? → § 135 GWB Feststellung Unwirksamkeit oder § 181 GWB Schadensersatz
- Was will der Mandant wirklich erreichen? (Nicht: was steht im Standardweg, sondern: welches Ergebnis ist fuer den Mandanten persoenlich/wirtschaftlich das beste? Manchmal ist der schnellere Vergleich besser als der formal "richtige" Weg.)
Output-Template Mandatsbogen Vergaberecht
Adressat: Intern — Tonfall: praezise, fristorientiert
MANDATSBOGEN Vergaberecht
=========================================
Datum Erstgespraech: [TT.MM.JJJJ]
Mandant: [NAME / UNTERNEHMEN]
Rolle Mandant: [Bieter / Auftraggeber / Beigeladene]
Vergabeverfahren: [TED-Nr. / Az. Vergabestelle]
Auftraggeber: [NAME, ANSCHRIFT]
Auftragswert (geschaetzt):EUR [BETRAG]
Schwellenwert ueberschritten: JA / NEIN
Kenntnisdatum Verstoss: [TT.MM.JJJJ]
Ruegeobliegenheit-Frist: [TT.MM.JJJJ] (§ 160 Abs. 3 GWB)
Informationsschreiben § 134 GWB vom: [DATUM]
Stillhaltefrist bis: [DATUM]
Zuschlag erteilt: JA / NEIN
Naechster Schritt: [Ruege / NPA / Klage § 181 GWB]
=========================================
--- vor Versand klaeren ---
- Welches Verhandlungsziel hat der Mandant? [Bestand / Abfindung / Reputation / Schnelle Loesung]
- Welche Kompromisslinien sind absolut? [Mindestabfindung / Freistellung / Zeugnisformulierung]
- Sind Anschlusswege erwuenscht? [Mediation / Direktgespraech / Settlement vor Klageerhebung]
1---2name: erstgespraech-mandatsannahme-63description: Strukturierter Erstgespraechsleitfaden für Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe): Erfassung der Konstellation, Konflikt- und GwG-Check, Vollmacht, Streitwert/Gebührenvereinbarung, Fristen-Erstprognose und Handlungsweichen.4---56# Erstgespraech und Mandatsannahme im Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe)78## Wann dieser Skill greift910- Neue Anfrage aus dem Bereich Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe) (Telefon, Mail, Empfehlung, Walk-in).11- Mandantin oder Mandant beschreibt Sachverhalt unstrukturiert; viele Anlagen ohne System.12- Vor jeder weiteren fachlichen Bearbeitung: erst Annahme klaeren, Konflikt- und GwG-Pruefung, Vollmacht, Streitwert/Vereinbarung, Fristen.1314## Phasen des Erstgespraechs1516### 1. Aufnahme der Konstellation (10-15 Min.)1718Standard-Fragenraster fuer Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe):1920- Beteiligte (Vor-/Nachname, Geburtsdatum, Anschrift, Rolle: Klaegerin/Beklagter, Antragsteller, Beschuldigter)21- Konflikt-Kern in einem Satz ("Was ist Ihr Ziel?")22- Konkrete fachliche Stossrichtung: Ruege, Nachpruefung, Wertung, Ausschluss, Eignung, Mittelstandsschutz23- Bisherige Korrespondenz (Bescheide, Schreiben der Gegenseite, anwaltliche Vertretung der Gegenseite?)24- **Fristenscreening sofort:** anstehende Klage-/Widerspruchs-/Einspruchsfristen aus den vorgelegten Schreiben (z.B. Nachpruefungsantrag VK, Sofortige Beschwerde OLG, Schadensersatzklage § 181 GWB). Frist-Alarm an die Vorbereitung weitergeben.2526### 2. Konflikt-Pruefung und GwG-Check (5 Min.)2728- Konflikt-Check ueber Mandantsystem: Gegnerin, Streitgegenstand, frueherer Mandant?29- GwG-Identifizierung: amtlicher Lichtbildausweis (Ausweisscan), bei juristischer Person Handelsregister-/Transparenzregister-Auszug, ggf. wirtschaftlich Berechtigte/n.30- Risikobewertung (niedrig/mittel/hoch) abhaengig von Mandatscharakter, Bargeld, Auslandsbezug.31- Doku im Mandatsbogen (Pflicht nach §§ 10 ff. GwG i.V.m. § 2 Abs. 1 Nr. 10 GwG fuer RA-Mandate).3233### 3. Vollmacht und Schweigepflichtentbindung3435- Allgemeine Prozess-/Aussenvollmacht (BORA, ZPO, FamFG, je nach Fachgebiet).36- Spezielle Vollmachten: ggf. Akteneinsicht Strafakte, KV-Abrechnungsdaten, Sozialdaten (Schweigepflichtentbindung gegenueber Krankenkasse, Arzt, Behoerde).37- Bei Eheleuten/GbR/GmbH: einzelvollmachtgebende Person und Vertretungsmacht klaeren.3839### 4. Streitwert und Gebuehrenvereinbarung4041Standard-Streitwerte im Bereich Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe):4243- Skizze: Streitwert grob abschaetzen (z.B. Hauptforderung, ggf. + Zinsen, Nebenforderungen).44- RVG-Pauschalrechnung (Berechnungstool im Plugin) oder Stundenhonorarvereinbarung.45- Beratungshilfe-/Prozesskostenhilfe-Antrag pruefen, wenn wirtschaftlich angezeigt.46- Vorschussanforderung nach § 9 RVG.4748### 5. Strategie-Erstskizze4950Drei Weichen am Ende des Erstgespraechs:5152- **Mandat annehmen:** vollstaendig (Pruefung + Schriftsatz) oder begrenzt (nur Pruefung/Gutachten).53- **Verweisen:** wenn Spezialgebiet ausserhalb der Fachanwaltschaft, oertlich unzustaendig oder Konflikt.54- **Ablehnen:** offensichtlich aussichtslos, GwG-Hit, Bauchgefuehl-Vorsicht.5556## Pflicht-Output am Ende57581. **Mandatsbogen** mit Beteiligten, Konflikt-Check, GwG-Status, Streitwert.592. **Frist-Liste** (Sofortfristen, Verjaehrung, Ausschlussfristen, Beweisanforderungs-Fristen).603. **Anlagenverzeichnis** des uebergebenen Datenraums (Stand erstes Sortieren).614. **Naechster-Schritt-Plan:** binnen 24/48/72 h, Owner, Output.625. **Honorarvereinbarung** unterschrieben oder Vorbehalt notiert.6364## Relevante Rechtsgrundlagen und Standards6566- BORA, BRAO, FAO fuer Fachanwaltschaft Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe).67- GwG, GwGMeldV, Identifizierungsleitfaden BRAK.68- GWB Teil 4, VgV, UVgO, VOB/A, SektVO, KonzVgV (fuer fachliche Erstpruefung).69- DSGVO und BDSG fuer den Umgang mit Mandantendaten (Art. 6 DSGVO als Rechtsgrundlage, Art. 9 ggf. Gesundheitsdaten).7071## Typische Fehler im Erstgespraech7273- Frist uebersehen, weil Mandantin sie nicht selber genannt hat (immer aus jedem Schreiben Frist herausziehen).74- Konflikt-Check nur nach Personennamen, nicht nach Sachzusammenhang (gleiche Liegenschaft, gleicher Sachverhalt).75- Vollmachtsumfang unklar -> spaeter Streit mit Mandantin ueber Befugnisse.76- Honorarvereinbarung muendlich -> Beweisnot bei Streitwert-/Honorar-Streit.77- GwG: kein Lichtbildausweis erfasst, kein Aktenvermerk ueber Risikobewertung.7879## Praxis-Checkliste8081- [ ] Personalien und Rolle aller Beteiligten erfasst82- [ ] Konflikt-Check durchgefuehrt83- [ ] GwG: Identifizierung + Risikobewertung notiert84- [ ] Allgemeine Vollmacht unterschrieben85- [ ] Speziale Vollmacht / Entbindungserklaerung (wo noetig) unterschrieben86- [ ] Streitwert geschaetzt87- [ ] Honorarvereinbarung unterschrieben oder ausdruecklich auf RVG verwiesen88- [ ] Fristenliste angelegt und in Kalender eingetragen89- [ ] Mandatsbogen vollstaendig90- [ ] Naechster-Schritt-Plan dem Mandanten kommuniziert (E-Mail-Zusammenfassung)919293## Konkrete Praxis-Konstellationen9495### Konstellation A: Eilbeduerftigkeit9697Mandantin kommt am Donnerstag, Frist laeuft am Montag (Klage- oder Widerspruchsfrist im Bereich Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe)). Handlungs-Sequenz:98991. Sofort-Vollmacht und Sofort-Akteneinsicht (per beA, ELSTER, Behoerdenportal).1002. Antrag auf Wiedereinsetzung (§ 233 ZPO, § 60 VwGO, § 110 AO) als Reserve dokumentieren.1013. Spaeteste-Stunde-Versand-Plan: beA bevorzugt, mit qualifizierter Signatur und Empfangsbekenntnis.1024. Honorarvereinbarung NICHT auf Eilzuschlag verzichten - aber transparent kommunizieren.103104### Konstellation B: Komplexer Sachverhalt, Datenraum unsortiert105106Mandant uebergibt 200+ Dateien (PDF-Scans, E-Mails, Excel-Listen). Vor jeder fachlichen Bewertung:1071081. Datenraum-Index in Excel: Datum, Absender, Empfaenger, Aktenzeichen, kurze Inhaltszeile.1092. Chronologischer Verlauf als Zeitstrahl - Spielraum fuer Verjaehrungs- und Ausschlussfristen identifizieren.1103. Loecher im Datenraum gezielt anfordern (Mandantenfragen-Katalog).111112### Konstellation C: Interessenkonflikt-Naehe113114Frueheres Mandat mit derselben Gegnerin oder gleichem Sachzusammenhang. Pruefung:1151161. § 43a Abs. 4 BRAO und § 3 BORA - Sachzusammenhang, nicht nur Personenidentitaet.1172. Einwilligung beider Mandanten in Textform (mit konkreter Beschreibung).1183. Bei Zweifel: Mandat ablehnen und an Kanzleikollegium ueberweisen.119120## Mandanten-Erwartungsmanagement121122- Realistische Erfolgs- und Kostenprognose (nicht "Wir gewinnen sicher").123- Verfahrensdauer im Bereich Vergaberecht (Oberschwellen- und Unterschwellenvergabe): Erfahrungswerte nach Instanz.124- Vergleichschance vs. streitiges Urteil als Option offen halten.125- Schriftliche Zusammenfassung des Erstgespraechs binnen 48 h.126127## Honorarvereinbarung - Best Practices128129- RVG-Basis als Default, Stundenhonorar nur mit gesondertem Hinweis nach § 3a RVG.130- Erfolgshonorar nur in den engen Grenzen § 4a RVG.131- Vorschuss in Hoehe der voraussichtlichen 1. Instanz.132- Klarstellung: Auslagen-Pauschale, USt, Reisekosten, Sachverstaendigenkosten gesondert.133- Bei PKH/Beratungshilfe-Mandant: schriftliche Belehrung, dass eigene Beitraege moeglich sind.134135## Mandatsbogen-Muster (Mindestinhalt)136137- Mandant (Name, Geburtsdatum, Anschrift, Telefon, E-Mail)138- Gegner (Name, Anschrift, ggf. anwaltliche Vertretung)139- Kurzbeschreibung Sachverhalt (5-10 Saetze)140- Ziel des Mandats (eine Zeile)141- Strittige Fragen (bullet)142- Geprueft: Konflikt - GwG - Vollmacht143- Streitwert (Schaetzung)144- Honorarvereinbarung (RVG/Stunde/Pauschale)145- Frist-Liste146- Aktenanlage Datum147- Naechster-Schritt148149## Cross-Refs150151- `vergleichsverhandlung-strategie` (im selben Plugin) fuer den Fall, dass aussergerichtliche Loesung angestrebt wird.152- `schriftsatzkern-substantiierung` (im selben Plugin) fuer den Schriftsatzaufbau, wenn Klage/Widerspruch eingereicht wird.153- Kanzlei-Allgemein-Plugin `kanzlei-allgemein` fuer Konflikt-, GwG- und PEP-Pruefroutinen.154155## Strategische Optionen (vor dem Template entscheiden)156157Bevor das Template eins-zu-eins gefuellt wird, ist zu pruefen welche Variante zur Mandantenkonstellation passt. Das Template ist **eine** moegliche Form — nicht die einzige.158159| Konstellation | Empfohlener Weg |160|---|---|161| Standard — Erstgespraech Vergaberecht dokumentieren | Mandatsbogen-Protokoll; Template unten |162| Variante A — Stillhaltefrist laeuft schon | Frist-Prioritaet; Vollmandat und Ruege noch heute |163| Variante B — Auftraggeber-Mandat (kein Bieter) | Vergaberechts-Compliance; andere Beratungsrichtung |164| Variante C — Unterhalb EU-Schwellenwert | Nationales Vergaberecht; keine VK-Zustaendigkeit |165166Wenn die Mandantenkonstellation **nicht** ins Standardschema passt, ist das Template anzupassen oder durch ein anderes Skill abzuloesen — nicht das Mandat in das Schema zu pressen.167168169## Vertiefung: Rechtsprechung und Normen Vergaberecht Erstmandat170171### Leitsaetze Erstgespräch und Fristen172173- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.174175### Normen Vergaberecht Erstmandat176- §§ 97-109 GWB — Grundsaetze des Vergaberechts (Wettbewerb, Transparenz, Gleichbehandlung)177- § 106 GWB — EU-Schwellenwerte (Anwendungsbereich)178- § 160 Abs. 3 GWB — Ruegeobliegenheit und Fristen179- § 134 GWB — Informationspflicht vor Zuschlag (Stillhaltefrist 10 Tage)180- § 135 GWB — Unwirksamkeit des Zuschlags181- § 181 GWB — Schadensersatz bei Vergaberechtsverstoss182183### Triage Vergaberecht — Erstgespräch184185Bevor losgelegt wird, klaere:1861. Liegt der Auftragswert ueber EU-Schwellenwert (§ 106 GWB)? → GWB-Vergaberecht; darunter: UVgO/VOB-A1872. Wann erhielt Mandant Kenntnis vom Verstoss? → 10-Tage-Ruegeobliegenheit berechnen1883. Liegt Informationsschreiben § 134 GWB vor? → Stillhaltefrist 10 Tage bis Zuschlag beachten1894. Welche Vergabeart? → VgV / SektVO / KonzVgV / UVgO / VOB-A1905. Zuschlag bereits erteilt? → § 135 GWB Feststellung Unwirksamkeit oder § 181 GWB Schadensersatz191- **Was will der Mandant wirklich erreichen?** (Nicht: was steht im Standardweg, sondern: welches Ergebnis ist fuer den Mandanten persoenlich/wirtschaftlich das beste? Manchmal ist der schnellere Vergleich besser als der formal "richtige" Weg.)192193### Output-Template Mandatsbogen Vergaberecht194**Adressat:** Intern — Tonfall: praezise, fristorientiert195196```197MANDATSBOGEN Vergaberecht198=========================================199Datum Erstgespraech: [TT.MM.JJJJ]200Mandant: [NAME / UNTERNEHMEN]201Rolle Mandant: [Bieter / Auftraggeber / Beigeladene]202Vergabeverfahren: [TED-Nr. / Az. Vergabestelle]203Auftraggeber: [NAME, ANSCHRIFT]204Auftragswert (geschaetzt):EUR [BETRAG]205Schwellenwert ueberschritten: JA / NEIN206Kenntnisdatum Verstoss: [TT.MM.JJJJ]207Ruegeobliegenheit-Frist: [TT.MM.JJJJ] (§ 160 Abs. 3 GWB)208Informationsschreiben § 134 GWB vom: [DATUM]209Stillhaltefrist bis: [DATUM]210Zuschlag erteilt: JA / NEIN211Naechster Schritt: [Ruege / NPA / Klage § 181 GWB]212=========================================213```214215--- vor Versand klaeren ---2161. Welches Verhandlungsziel hat der Mandant? [Bestand / Abfindung / Reputation / Schnelle Loesung]2172. Welche Kompromisslinien sind absolut? [Mindestabfindung / Freistellung / Zeugnisformulierung]2183. Sind Anschlusswege erwuenscht? [Mediation / Direktgespraech / Settlement vor Klageerhebung]