Vertragsanalyse und Klauselkontrolle
Zweck
Diese Skill prüft einen eingereichten Vertrag systematisch gegen das
Kanzlei-Playbook aus dem Kanzleiprofil. Sie ist das zentrale Werkzeug für
die Vertragsanalyse im täglichen Kanzleibetrieb:
- AGB-Kontrolle: Einbeziehungsprüfung (§ 305 BGB), Überraschungsklauseln
(§ 305c BGB), Inhaltskontrolle (§ 307 BGB), Klauselverbote (§§ 308, 309 BGB)
- Gewährleistungs- und Schadensersatzklauseln (§§ 437 ff., 634 ff., 280 ff. BGB)
- Haftungsbeschränkungen und -ausschlüsse
- Datenschutz und AVV (Art. 28 DSGVO)
- Laufzeit, Kündigung und automatische Verlängerung
- Verbraucherrechtliche Besonderheiten (§§ 312 ff. BGB, Widerrufsrecht)
Lädt, wenn der Nutzer einen Vertrag zur Prüfung einreicht.
Eingaben
- Den zu prüfenden Vertrag: Dateipfad, SharePoint-Link, Datenbankkennung
oder direkt eingefügter Text
- Optional: Hinweis auf die Mandatsseite (Verwender/Vertragspartner-Seite),
wenn nicht aus dem Vertrag erkennbar
- Optional: Aktives Mandat (Kürzel), wenn Mandatsarbeitsbereiche aktiviert sind
Rechtlicher Rahmen
AGB-Kontrolle (§§ 305–310 BGB)
Stufe 1 — Einbeziehung (§ 305 BGB):
- Ausdrücklicher Hinweis auf AGB vor Vertragsschluss?
- Zumutbare Möglichkeit der Kenntnisnahme?
- Einverständnis des Vertragspartners?
- Sonderfall: § 305 Abs. 2 BGB gilt nicht im unternehmerischen Verkehr
(§ 310 Abs. 1 BGB); dort genügt kaufmännische Üblichkeit
Stufe 2 — Überraschende und mehrdeutige Klauseln (§ 305c BGB):
- Ist die Klausel nach den Gesamtumständen so ungewöhnlich, dass der
Vertragspartner nicht mit ihr rechnet?
- Mehrdeutige Klauseln gehen zulasten des Verwenders (§ 305c Abs. 2 BGB)
Stufe 3 — Inhaltskontrolle (§ 307 BGB):
- Unangemessene Benachteiligung durch Abweichung von wesentlichen Grundgedanken
der gesetzlichen Regelung (§ 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB)?
- Transparenzgebot: Ist die Klausel klar und verständlich formuliert?
(§ 307 Abs. 1 S. 2 BGB)
- Im B2B-Bereich gilt § 307 BGB vollumfänglich, §§ 308, 309 BGB nur als
Indizien (§ 310 Abs. 1 S. 2 BGB)
Stufe 4 — Klauselverbote (§§ 308, 309 BGB):
- § 308 Nr. 1 BGB: Angemessene Fristen
- § 308 Nr. 4 BGB: Änderungsvorbehalte
- § 309 Nr. 7 BGB: Haftungsausschluss für Körperverletzung und grobe
Fahrlässigkeit (absolutes Verbot)
- § 309 Nr. 8 BGB: Gewährleistungsverkürzung
Schadensersatz (§§ 280 ff. BGB)
- § 280 Abs. 1 BGB — Schadensersatz wegen Pflichtverletzung (Grundnorm)
- § 280 Abs. 3 i.V.m. § 281 BGB — Schadensersatz statt der Leistung
- § 280 Abs. 2 i.V.m. § 286 BGB — Verzugsschadensersatz
- § 276 BGB — Vertretenmüssen; § 276 Abs. 3: Vorsatzausschluss unzulässig
- § 278 BGB — Haftung für Erfüllungsgehilfen
Gewährleistung (§§ 437 ff., 634 ff. BGB)
- § 437 BGB — Rechte des Käufers bei Sachmangel
- § 439 BGB — Nacherfüllung als primärer Rechtsbehelf
- § 438 BGB — Verjährung der Mängelrechte (2 Jahre Regelfall, 5 Jahre bei
Bauwerken)
- § 309 Nr. 8 lit. b aa BGB — Verkürzungsverbot: Mindestgewährleistung
bei neu hergestellten Sachen
- § 634 BGB — Rechte des Bestellers beim Werkvertrag
- § 634a BGB — Verjährung beim Werkvertrag
Verbraucherrecht (§§ 312 ff. BGB)
- §§ 312, 312b BGB — Verbraucherverträge, Fernabsatzverträge
- § 312g BGB — Widerrufsrecht; § 355 BGB — Ausübung; § 356 BGB — Fristen
- § 312j BGB — Pflichten im elektronischen Geschäftsverkehr
- § 475 BGB — Verbrauchsgüterkauf: Abweichungen von Gewährleistungsrecht
zu Lasten des Verbrauchers unzulässig
Datenschutz (DSGVO / BDSG)
- Art. 28 DSGVO — Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV); zwingend bei
Auftragsverarbeitung personenbezogener Daten
- Art. 28 Abs. 3 DSGVO — Mindestinhalt des AVV
- Art. 46 DSGVO — Drittlandübertragungen; Standardvertragsklauseln
Leitentscheidungen
- BGH, Urt. v. 25.10.2016 – VI ZR 516/15, NJW 2017, 1104 Rn. 14
(Inhaltskontrolle Haftungsbeschränkungsklausel; § 307 BGB; Grenze
der Freizeichnung)
- BGH, Urt. v. 09.04.2014 – VIII ZR 404/12, NJW 2014, 2100 Rn. 30
(§ 305c BGB; Überraschungsklausel; Leitnorm zur AGB-Kontrolle)
- BGH, Urt. v. 19.11.2019 – XI ZR 9/18, NJW 2020, 461 Rn. 22 ff.
(Transparenzgebot; § 307 Abs. 1 S. 2 BGB; Klauselkontrolle
Zinsanpassungsklausel)
- BGH, Urt. v. 14.01.2020 – VIII ZR 163/18, NJW 2020, 1431 Rn. 25
(§ 309 Nr. 8 BGB; unzulässige Einschränkung der Gewährleistungsrechte
in AGB)
- BGH, Urt. v. 08.12.2011 – VII ZR 111/11, NJW 2012, 1431 Rn. 20
(§ 309 Nr. 7 lit. b BGB; Haftungsfreizeichnung für grobe Fahrlässigkeit
in AGB unwirksam)
- BGH, Urt. v. 29.06.2011 – VIII ZR 212/08, BGHZ 190, 115 Rn. 20 ff.
(§ 305 Abs. 2 BGB; AGB-Einbeziehung; Anforderungen im Verbraucher- und
B2B-Bereich)
- EuGH, Urt. v. 16.07.2020 – C-311/18, NJW 2020, 2613 (Schrems II;
Drittlandübertragungen; Standardvertragsklauseln)
Kommentarliteratur
- Grüneberg, in: Grüneberg, BGB, 84. Aufl. 2025, § 305 Rn. 3 (Einbeziehung AGB);
§ 305c Rn. 5 (Überraschungsklausel); § 307 Rn. 1 (Inhaltskontrolle)
- Wurmnest, in: MüKoBGB, 9. Aufl. 2022, § 307 Rn. 45 (Transparenzgebot);
§ 309 Rn. 80 (Klauselverbote im Einzelnen)
- Wolf/Lindacher/Pfeiffer, AGB-Recht, 7. Aufl. 2020, § 307 BGB Rn. 100
(Generalklausel; Praxisrelevanz; Doppelautoren-Kommentar)
- Coester-Waltjen, in: Staudinger, BGB, Neubearbeitung 2022, § 307 Rn. 200
- Lehmann-Richter, in: BeckOGK BGB, 70. Ed. (Stand 01.08.2024), § 307 Rn. 150
Ablauf
Schritt 1 — Kanzleiprofil laden
Lies ~/.claude/plugins/config/klotzkette/vertragsrecht/CLAUDE.md.
Enthält es [PLATZHALTER]:
Führen Sie zuerst /vertragsrecht:vertragsrecht-kaltstart-interview aus — ich
benötige Ihr Playbook, bevor ich dagegen prüfen kann.
Lies auch ## Prüfungseinstellungen → routing_bestätigen. Fehlt das
Feld: als true behandeln.
Schritt 2 — Vertrag einlesen
Vom Dateipfad, SharePoint-Link, Datenbank-ID oder eingefügtem Text.
Falls kein Vertrag vorliegt: danach fragen.
Schritt 3 — Dokumentstruktur erkennen (Titel zuerst)
Vor dem Lesen des Textkörpers extrahieren:
- Haupttitel (z. B. „Dienstleistungsrahmenvertrag", „Geheimhaltungsvereinbarung")
- Alle Anlage-, Anhang-, Nachtragstitel (z. B. „Anlage 1 — AVV", „Anhang B —
Service-Level-Vereinbarung")
Das ist das Routing-Signal. Nicht auf Body-Keywords allein verlassen.
Schritt 4 — Prüfpfad auswählen
| Dokumenttitel enthält |
Prüfpfad |
| Geheimhaltungsvereinbarung, NDA, Vertraulichkeitsvereinbarung (als Hauptvertrag) |
nda-prüfung |
| Dienstleistungsrahmenvertrag, Werkvertrag, Beratungsvertrag, Servicevertrag |
lieferanten-vertrag-prüfung |
| SaaS-Vertrag, Softwarelizenz mit Laufzeit, Cloud-Dienste-Vertrag |
saas-vertrag-prüfung (Overlay auf lieferanten-vertrag-prüfung) |
| Auftragsverarbeitungsvertrag, AVV (als Anlage oder eigenständig) |
Hinweis für lieferanten-vertrag-prüfung → Datenschutz-Abschnitt |
| Service-Level-Vereinbarung, SLA (als Anlage) |
Hinweis für saas-vertrag-prüfung → SLA-Abschnitt |
| Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) |
AGB-Kontrolle nach §§ 305–310 BGB; Routing je nach Hauptvertrag |
Mehrere Prüfpfade möglich. Häufige Kombinationen:
- Rahmenvertrag + AVV-Anlage → lieferanten-vertrag-prüfung, mit AVV-Hinweis
- SaaS-Vertrag + Bestellformular mit automatischer Verlängerung + SLA-Anlage →
saas-vertrag-prüfung (deckt alle drei ab)
- AGB + Individualvertrag → AGB-Kontrolle + vertragsspezifische Prüfung
Bei echter Ambiguität nach Titellektüre: die ersten zwei Seiten des Textkörpers
lesen, dann routen.
Schritt 5 — Routing bestätigen (wenn aktiviert)
Falls routing_bestätigen: true im Kanzleiprofil:
Ich prüfe dieses Dokument als: [Vertragstyp(en)].
Erkannte Dokumente:
- [Haupttitel] → [Prüfpfad]
- [Anlage A Titel] → [Behandlung]
- [Anlage B Titel] → [Behandlung]
Ist das korrekt? (ja / nein — oder korrigieren Sie mich)
Auf Bestätigung warten. Bei Korrektur: Anweisung übernehmen und fortfahren.
Falls routing_bestätigen: false: stillschweigend fortfahren. Routing-Entscheidung
oben im Prüfungsmemo protokollieren.
Schritt 6 — Prüfung durchführen
Den jeweiligen Prüfpfad vollständig abarbeiten. Bei mehreren Prüfpfaden:
sequenziell abarbeiten und Ausgabe in einem einzigen Memo zusammenführen.
Struktur der Klauselprüfung (für jede prüfungsrelevante Klausel):
- Klausel — Volltext (kein Trunkieren)
- Bewertung — GRÜN / GELB / ROT (nach Playbook-Kriterien)
- Begründung — konkrete Abweichung vom Playbook oder zwingendes Recht;
mit §§ und BGH-Belegen
- Gegenentwurf — vorgeschlagene Formulierung mit Begründung
- Eskalation — wenn die Entscheidung die Zeichnungsbefugnis übersteigt
| Bewertung |
Kriterium |
Maßnahme |
| GRÜN |
Entspricht Playbook-Standard oder ist vorteilhafter |
Nur zum Bewusstsein vermerken |
| GELB |
Außerhalb Standard, aber im verhandelbaren Marktbereich |
Gegenentwurf mit Fallback-Position; geschäftliche Auswirkung benennen |
| ROT |
Außerhalb akzeptabler Grenzen; wesentliches Risiko; zwingendes Recht verletzt |
Konkretes Risiko; marktübliche Alternative; Eskalationsweg empfehlen |
Prüf-Schwerpunkte:
AGB-Einbeziehung (§ 305 BGB):
Wurde auf AGB hingewiesen? War Kenntnisnahme zumutbar möglich?
Im B2B-Bereich nach § 310 Abs. 1 BGB weniger strenge Anforderungen,
aber trotzdem Hinweiserfordernis prüfen.
Überraschungsklauseln (§ 305c BGB):
Versteckte Haftungsausschlüsse in ungewohnten Stellen? Ungewöhnlich
weitgehende Rechte des Verwenders? Scharf auf Klauseln prüfen, die
der Vertragspartner nach dem äußeren Erscheinungsbild nicht erwarten würde.
Inhaltskontrolle / Transparenzgebot (§ 307 BGB):
Klare, verständliche Formulierung? Abweichung von gesetzlichem Leitbild?
Unangemessene Benachteiligung? Im B2B: ist die Benachteiligung so erheblich,
dass sie für einen redlich und verständig denkenden Kaufmann inakzeptabel wäre?
Haftungsbeschränkung:
- Carve-outs zwingend nach § 309 Nr. 7 lit. a BGB (Körperverletzung) und
§ 276 Abs. 3 BGB (Vorsatz) vorhanden?
- Cap-Betrag: welches Vielfaches der Vergütung?
- Symmetrie: unterschiedliche Caps für beide Seiten?
- Schadensersatz statt der Leistung (§ 281 BGB): welche Schwelle?
Gewährleistung (§§ 437 ff., 634 ff. BGB):
- Verjährungsfrist: kürzer als § 438 Abs. 1 Nr. 3 BGB (2 Jahre)?
Grenze nach § 309 Nr. 8 lit. b aa BGB beachten
- Mängelrechte eingeschränkt? Nacherfüllungspflicht ausgeschlossen?
- Bei Werkvertrag: Abnahme (§ 640 BGB) und Verjährung (§ 634a BGB)
Freistellung / Freistellungsklauseln (§ 257 BGB):
- Einseitig zulasten einer Partei?
- Ausgelöst durch „jeglichen Verstoß" — das macht die Haftungsbegrenzung
faktisch wirkungslos?
- Verfahren: Benachrichtigung, Verteidigungsrecht, Vergleichszustimmung?
Datenschutz (Art. 28 DSGVO):
- AVV vorhanden bei Auftragsverarbeitung personenbezogener Daten?
- Unterauftragnehmer: Genehmigungsvorbehalt oder nur Benachrichtigung?
- Löschfristen nach Vertragsende?
- Drittlandübertragung: Standardvertragsklauseln oder anderer Mechanismus?
Laufzeit und Kündigung:
- Ordentliche Kündigung: zulässig oder nur fristgebundene außerordentliche?
- Automatische Verlängerung: Ankündigungsfrist? Bei Verbrauchern
§ 309 Nr. 9 BGB beachten (max. 3 Monate Ankündigungsfrist)
- Vertragsstrafe (§ 339 BGB): angemessen? Herabsetzungsrecht nach
§ 343 BGB anwendbar?
Verbraucherrechtliche Checks (bei B2C):
- Widerrufsrecht (§ 312g BGB) ordnungsgemäß belehrt?
- Formvorschriften für Fernabsatz (§§ 312c, 312d BGB)?
- Schutzvorschriften §§ 307 ff. BGB im vollem Umfang anwendbar (§ 310 Abs. 3 BGB)?
Schritt 7 — Eskalationsprüfung
Falls eine Abweichung die Zeichnungsbefugnis des Prüfers übersteigt
(gemäß Eskalationsmatrix im Kanzleiprofil): eskalations-hinweis aufrufen
und Eskalationsanfrage formulieren.
Schritt 8 — Folgeangebote
- Mandantenzusammenfassung für Geschäftsführung/Vorstand
- Redline-Dokument (.docx mit Änderungsverfolgung)
- Eintrag in Fristen-Tracker (bei automatischer Verlängerung)
- Mandatsakte aktualisieren (wenn Mandatsarbeitsbereich aktiviert)
Ausgabeformat
[ARBEITSERGEBNIS-KENNZEICHNUNG]
# Vertragsprüfung: [Vertragspartner] — [Vertragstyp]
**Prüfdatum:** [Datum]
**Mandatsseite:** [Verwender / Vertragspartner-Seite]
**Routing:** [angewandte Prüfpfade]
**Ergebnis:** [UNTERZEICHNUNGSREIF / ÄNDERUNGEN ERFORDERLICH / ESKALATION]
---
## Zusammenfassung
[3–5 Sätze: Gesamtbewertung, kritischste Abweichung, Handlungsempfehlung]
---
## Klauselanalyse
### [Klausel-Überschrift] — [GRÜN / GELB / ROT]
**Vertragstext:** „[vollständiger Klauseltext]"
**Bewertung:** [Begründung mit §§ und BGH-Belegen]
**Gegenentwurf:**
„[vorgeschlagene Formulierung]"
*Begründung: [z. B. BGH, Urt. v. 25.10.2016 – VI ZR 516/15, NJW 2017, 1104;
Grüneberg, in: Grüneberg, BGB, 84. Aufl. 2025, § 307 Rn. 45]*
---
## Eskalation
[Sofern erforderlich — mit Adressat und Handlungsempfehlung]
Beispiel
Szenario: IT-Dienstleistungsrahmenvertrag, Verwender-Seite, eingereicht
durch Lieferanten. Klausel: „Haftung des Auftragnehmers ist ausgeschlossen,
soweit keine grobe Fahrlässigkeit oder kein Vorsatz vorliegt."
Prüfung:
- Klausel: Haftungsbeschränkung auf grobe Fahrlässigkeit/Vorsatz
- Bewertung: GELB — entspricht § 309 Nr. 7 lit. b BGB (Grenze im B2C),
im B2B zulässig (§ 310 Abs. 1 BGB), aber prüfen, ob der vollständige
Ausschluss für leichte Fahrlässigkeit auch Kardinalpflichten erfasst
(BGH BGHZ 174, 1 Rn. 15 ff.: Kardinalpflichten dürfen nicht durch AGB
freigezeichnet werden)
- Gegenentwurf: „Die Haftung für die Verletzung von Kardinalpflichten
bleibt in Höhe des vertragstypischen, vorhersehbaren Schadens bestehen."
Risiken und typische Fehler
- Haftungsbeschränkung und Freistellung isoliert lesen. Eine faktisch
unbegrenzte Freistellungsklausel macht den Haftungsdeckel wirkungslos —
immer beide gemeinsam bewerten.
- B2B/B2C-Unterscheidung vergessen. Im B2C gelten §§ 308, 309 BGB
unmittelbar; im B2B nur § 307 BGB direkt, §§ 308, 309 BGB als Indizien.
Das Playbook muss die typische Kundensituation ausweisen.
- Automatische Verlängerung ohne Fristen-Check. Eine automatische
Verlängerung mit kurzer Kündigungsfrist kann faktisch zu einem Lock-in
führen. Bei Verbrauchern § 309 Nr. 9 BGB beachten.
- AVV vergessen. Wenn der Vertrag Zugang zu personenbezogenen Daten
des Mandanten beinhaltet und kein AVV beigefügt ist: ROT-Markierung,
da Art. 28 DSGVO zwingend ist.
- Klauseln trunkieren. Bedingte Sätze immer vollständig zitieren —
verkürzte Wiedergabe kann den Sinn entstellen.
Quellenpflicht
Jede Klauselbewertung muss belegen:
- Den einschlägigen Paragraphen (§ 305c, § 307, § 309 Nr. 7 BGB etc.)
- Mindestens eine BGH-Entscheidung in korrekter Zitierweise
- Mindestens einen Kommentarbeleg im Bearbeiterstil „Bearbeiter, in: Werk"
(z. B. Grüneberg, in: Grüneberg, BGB, 84. Aufl. 2025, § 307 Rn. 45;
Wurmnest, in: MüKoBGB, 9. Aufl. 2022, § 309 Rn. 90)
Hinweis: Dieser Skill ersetzt keine anwaltliche Beratung im konkreten Einzelfall.
1---2name: vertragspruefung3description: Prüft einen Vertrag gegen das Kanzlei-Playbook nach deutschem Recht. Identifiziert Vertragsstruktur anhand der Titelseite, ordnet das Dokument dem richtigen Prüfpfad zu (Lieferantenvertrag, NDA, AGB-Klauselkontrolle, Dienstleistungsvertrag) und erstellt ein strukturiertes Rechtsprüfungsmemo. Lädt, wenn der Nutzer „Vertrag prüfen", „AGB prüfen", „NDA prüfen", „Klauselkontrolle" oder einen Vertrag zur Analyse einreicht.4---5
6# Vertragsanalyse und Klauselkontrolle
7
8## Zweck
9
10Diese Skill prüft einen eingereichten Vertrag systematisch gegen das
11Kanzlei-Playbook aus dem Kanzleiprofil. Sie ist das zentrale Werkzeug für
12die Vertragsanalyse im täglichen Kanzleibetrieb:
13
14- AGB-Kontrolle: Einbeziehungsprüfung (§ 305 BGB), Überraschungsklauseln
15 (§ 305c BGB), Inhaltskontrolle (§ 307 BGB), Klauselverbote (§§ 308, 309 BGB)
16- Gewährleistungs- und Schadensersatzklauseln (§§ 437 ff., 634 ff., 280 ff. BGB)
17- Haftungsbeschränkungen und -ausschlüsse
18- Datenschutz und AVV (Art. 28 DSGVO)
19- Laufzeit, Kündigung und automatische Verlängerung
20- Verbraucherrechtliche Besonderheiten (§§ 312 ff. BGB, Widerrufsrecht)
21
22Lädt, wenn der Nutzer einen Vertrag zur Prüfung einreicht.
23
24## Eingaben
25
26- Den zu prüfenden Vertrag: Dateipfad, SharePoint-Link, Datenbankkennung
27 oder direkt eingefügter Text
28- Optional: Hinweis auf die Mandatsseite (Verwender/Vertragspartner-Seite),
29 wenn nicht aus dem Vertrag erkennbar
30- Optional: Aktives Mandat (Kürzel), wenn Mandatsarbeitsbereiche aktiviert sind
31
32## Rechtlicher Rahmen
33
34### AGB-Kontrolle (§§ 305–310 BGB)
35
36**Stufe 1 — Einbeziehung (§ 305 BGB):**
37- Ausdrücklicher Hinweis auf AGB vor Vertragsschluss?
38- Zumutbare Möglichkeit der Kenntnisnahme?
39- Einverständnis des Vertragspartners?
40- Sonderfall: § 305 Abs. 2 BGB gilt nicht im unternehmerischen Verkehr
41 (§ 310 Abs. 1 BGB); dort genügt kaufmännische Üblichkeit
42
43**Stufe 2 — Überraschende und mehrdeutige Klauseln (§ 305c BGB):**
44- Ist die Klausel nach den Gesamtumständen so ungewöhnlich, dass der
45 Vertragspartner nicht mit ihr rechnet?
46- Mehrdeutige Klauseln gehen zulasten des Verwenders (§ 305c Abs. 2 BGB)
47
48**Stufe 3 — Inhaltskontrolle (§ 307 BGB):**
49- Unangemessene Benachteiligung durch Abweichung von wesentlichen Grundgedanken
50 der gesetzlichen Regelung (§ 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB)?
51- Transparenzgebot: Ist die Klausel klar und verständlich formuliert?
52 (§ 307 Abs. 1 S. 2 BGB)
53- Im B2B-Bereich gilt § 307 BGB vollumfänglich, §§ 308, 309 BGB nur als
54 Indizien (§ 310 Abs. 1 S. 2 BGB)
55
56**Stufe 4 — Klauselverbote (§§ 308, 309 BGB):**
57- § 308 Nr. 1 BGB: Angemessene Fristen
58- § 308 Nr. 4 BGB: Änderungsvorbehalte
59- § 309 Nr. 7 BGB: Haftungsausschluss für Körperverletzung und grobe
60 Fahrlässigkeit (absolutes Verbot)
61- § 309 Nr. 8 BGB: Gewährleistungsverkürzung
62
63### Schadensersatz (§§ 280 ff. BGB)
64
65- § 280 Abs. 1 BGB — Schadensersatz wegen Pflichtverletzung (Grundnorm)
66- § 280 Abs. 3 i.V.m. § 281 BGB — Schadensersatz statt der Leistung
67- § 280 Abs. 2 i.V.m. § 286 BGB — Verzugsschadensersatz
68- § 276 BGB — Vertretenmüssen; § 276 Abs. 3: Vorsatzausschluss unzulässig
69- § 278 BGB — Haftung für Erfüllungsgehilfen
70
71### Gewährleistung (§§ 437 ff., 634 ff. BGB)
72
73- § 437 BGB — Rechte des Käufers bei Sachmangel
74- § 439 BGB — Nacherfüllung als primärer Rechtsbehelf
75- § 438 BGB — Verjährung der Mängelrechte (2 Jahre Regelfall, 5 Jahre bei
76 Bauwerken)
77- § 309 Nr. 8 lit. b aa BGB — Verkürzungsverbot: Mindestgewährleistung
78 bei neu hergestellten Sachen
79- § 634 BGB — Rechte des Bestellers beim Werkvertrag
80- § 634a BGB — Verjährung beim Werkvertrag
81
82### Verbraucherrecht (§§ 312 ff. BGB)
83
84- §§ 312, 312b BGB — Verbraucherverträge, Fernabsatzverträge
85- § 312g BGB — Widerrufsrecht; § 355 BGB — Ausübung; § 356 BGB — Fristen
86- § 312j BGB — Pflichten im elektronischen Geschäftsverkehr
87- § 475 BGB — Verbrauchsgüterkauf: Abweichungen von Gewährleistungsrecht
88 zu Lasten des Verbrauchers unzulässig
89
90### Datenschutz (DSGVO / BDSG)
91
92- Art. 28 DSGVO — Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV); zwingend bei
93 Auftragsverarbeitung personenbezogener Daten
94- Art. 28 Abs. 3 DSGVO — Mindestinhalt des AVV
95- Art. 46 DSGVO — Drittlandübertragungen; Standardvertragsklauseln
96
97### Leitentscheidungen
98
99- BGH, Urt. v. 25.10.2016 – VI ZR 516/15, NJW 2017, 1104 Rn. 14
100 (Inhaltskontrolle Haftungsbeschränkungsklausel; § 307 BGB; Grenze
101 der Freizeichnung)
102- BGH, Urt. v. 09.04.2014 – VIII ZR 404/12, NJW 2014, 2100 Rn. 30
103 (§ 305c BGB; Überraschungsklausel; Leitnorm zur AGB-Kontrolle)
104- BGH, Urt. v. 19.11.2019 – XI ZR 9/18, NJW 2020, 461 Rn. 22 ff.
105 (Transparenzgebot; § 307 Abs. 1 S. 2 BGB; Klauselkontrolle
106 Zinsanpassungsklausel)
107- BGH, Urt. v. 14.01.2020 – VIII ZR 163/18, NJW 2020, 1431 Rn. 25
108 (§ 309 Nr. 8 BGB; unzulässige Einschränkung der Gewährleistungsrechte
109 in AGB)
110- BGH, Urt. v. 08.12.2011 – VII ZR 111/11, NJW 2012, 1431 Rn. 20
111 (§ 309 Nr. 7 lit. b BGB; Haftungsfreizeichnung für grobe Fahrlässigkeit
112 in AGB unwirksam)
113- BGH, Urt. v. 29.06.2011 – VIII ZR 212/08, BGHZ 190, 115 Rn. 20 ff.
114 (§ 305 Abs. 2 BGB; AGB-Einbeziehung; Anforderungen im Verbraucher- und
115 B2B-Bereich)
116- EuGH, Urt. v. 16.07.2020 – C-311/18, NJW 2020, 2613 (Schrems II;
117 Drittlandübertragungen; Standardvertragsklauseln)
118
119### Kommentarliteratur
120
121- Grüneberg, in: Grüneberg, BGB, 84. Aufl. 2025, § 305 Rn. 3 (Einbeziehung AGB);
122 § 305c Rn. 5 (Überraschungsklausel); § 307 Rn. 1 (Inhaltskontrolle)
123- Wurmnest, in: MüKoBGB, 9. Aufl. 2022, § 307 Rn. 45 (Transparenzgebot);
124 § 309 Rn. 80 (Klauselverbote im Einzelnen)
125- Wolf/Lindacher/Pfeiffer, AGB-Recht, 7. Aufl. 2020, § 307 BGB Rn. 100
126 (Generalklausel; Praxisrelevanz; Doppelautoren-Kommentar)
127- Coester-Waltjen, in: Staudinger, BGB, Neubearbeitung 2022, § 307 Rn. 200
128- Lehmann-Richter, in: BeckOGK BGB, 70. Ed. (Stand 01.08.2024), § 307 Rn. 150
129
130## Ablauf
131
132### Schritt 1 — Kanzleiprofil laden
133
134Lies `~/.claude/plugins/config/klotzkette/vertragsrecht/CLAUDE.md`.
135Enthält es `[PLATZHALTER]`:
136
137> Führen Sie zuerst `/vertragsrecht:vertragsrecht-kaltstart-interview` aus — ich
138> benötige Ihr Playbook, bevor ich dagegen prüfen kann.
139
140Lies auch `## Prüfungseinstellungen` → `routing_bestätigen`. Fehlt das
141Feld: als `true` behandeln.
142
143### Schritt 2 — Vertrag einlesen
144
145Vom Dateipfad, SharePoint-Link, Datenbank-ID oder eingefügtem Text.
146Falls kein Vertrag vorliegt: danach fragen.
147
148### Schritt 3 — Dokumentstruktur erkennen (Titel zuerst)
149
150Vor dem Lesen des Textkörpers extrahieren:
151- Haupttitel (z. B. „Dienstleistungsrahmenvertrag", „Geheimhaltungsvereinbarung")
152- Alle Anlage-, Anhang-, Nachtragstitel (z. B. „Anlage 1 — AVV", „Anhang B —
153 Service-Level-Vereinbarung")
154
155Das ist das Routing-Signal. Nicht auf Body-Keywords allein verlassen.
156
157### Schritt 4 — Prüfpfad auswählen
158
159| Dokumenttitel enthält | Prüfpfad |
160|---|---|
161| Geheimhaltungsvereinbarung, NDA, Vertraulichkeitsvereinbarung (als Hauptvertrag) | **nda-prüfung** |
162| Dienstleistungsrahmenvertrag, Werkvertrag, Beratungsvertrag, Servicevertrag | **lieferanten-vertrag-prüfung** |
163| SaaS-Vertrag, Softwarelizenz mit Laufzeit, Cloud-Dienste-Vertrag | **saas-vertrag-prüfung** (Overlay auf lieferanten-vertrag-prüfung) |
164| Auftragsverarbeitungsvertrag, AVV (als Anlage oder eigenständig) | Hinweis für **lieferanten-vertrag-prüfung** → Datenschutz-Abschnitt |
165| Service-Level-Vereinbarung, SLA (als Anlage) | Hinweis für **saas-vertrag-prüfung** → SLA-Abschnitt |
166| Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) | AGB-Kontrolle nach §§ 305–310 BGB; Routing je nach Hauptvertrag |
167
168Mehrere Prüfpfade möglich. Häufige Kombinationen:
169- Rahmenvertrag + AVV-Anlage → lieferanten-vertrag-prüfung, mit AVV-Hinweis
170- SaaS-Vertrag + Bestellformular mit automatischer Verlängerung + SLA-Anlage →
171 saas-vertrag-prüfung (deckt alle drei ab)
172- AGB + Individualvertrag → AGB-Kontrolle + vertragsspezifische Prüfung
173
174Bei echter Ambiguität nach Titellektüre: die ersten zwei Seiten des Textkörpers
175lesen, dann routen.
176
177### Schritt 5 — Routing bestätigen (wenn aktiviert)
178
179Falls `routing_bestätigen: true` im Kanzleiprofil:
180
181```
182Ich prüfe dieses Dokument als: [Vertragstyp(en)].
183
184Erkannte Dokumente:
185- [Haupttitel] → [Prüfpfad]
186- [Anlage A Titel] → [Behandlung]
187- [Anlage B Titel] → [Behandlung]
188
189Ist das korrekt? (ja / nein — oder korrigieren Sie mich)
190```
191
192Auf Bestätigung warten. Bei Korrektur: Anweisung übernehmen und fortfahren.
193
194Falls `routing_bestätigen: false`: stillschweigend fortfahren. Routing-Entscheidung
195oben im Prüfungsmemo protokollieren.
196
197### Schritt 6 — Prüfung durchführen
198
199Den jeweiligen Prüfpfad vollständig abarbeiten. Bei mehreren Prüfpfaden:
200sequenziell abarbeiten und Ausgabe in einem einzigen Memo zusammenführen.
201
202**Struktur der Klauselprüfung (für jede prüfungsrelevante Klausel):**
203
2041. **Klausel** — Volltext (kein Trunkieren)
2052. **Bewertung** — GRÜN / GELB / ROT (nach Playbook-Kriterien)
2063. **Begründung** — konkrete Abweichung vom Playbook oder zwingendes Recht;
207 mit §§ und BGH-Belegen
2084. **Gegenentwurf** — vorgeschlagene Formulierung mit Begründung
2095. **Eskalation** — wenn die Entscheidung die Zeichnungsbefugnis übersteigt
210
211| Bewertung | Kriterium | Maßnahme |
212|---|---|---|
213| **GRÜN** | Entspricht Playbook-Standard oder ist vorteilhafter | Nur zum Bewusstsein vermerken |
214| **GELB** | Außerhalb Standard, aber im verhandelbaren Marktbereich | Gegenentwurf mit Fallback-Position; geschäftliche Auswirkung benennen |
215| **ROT** | Außerhalb akzeptabler Grenzen; wesentliches Risiko; zwingendes Recht verletzt | Konkretes Risiko; marktübliche Alternative; Eskalationsweg empfehlen |
216
217**Prüf-Schwerpunkte:**
218
219**AGB-Einbeziehung (§ 305 BGB):**
220Wurde auf AGB hingewiesen? War Kenntnisnahme zumutbar möglich?
221Im B2B-Bereich nach § 310 Abs. 1 BGB weniger strenge Anforderungen,
222aber trotzdem Hinweiserfordernis prüfen.
223
224**Überraschungsklauseln (§ 305c BGB):**
225Versteckte Haftungsausschlüsse in ungewohnten Stellen? Ungewöhnlich
226weitgehende Rechte des Verwenders? Scharf auf Klauseln prüfen, die
227der Vertragspartner nach dem äußeren Erscheinungsbild nicht erwarten würde.
228
229**Inhaltskontrolle / Transparenzgebot (§ 307 BGB):**
230Klare, verständliche Formulierung? Abweichung von gesetzlichem Leitbild?
231Unangemessene Benachteiligung? Im B2B: ist die Benachteiligung so erheblich,
232dass sie für einen redlich und verständig denkenden Kaufmann inakzeptabel wäre?
233
234**Haftungsbeschränkung:**
235- Carve-outs zwingend nach § 309 Nr. 7 lit. a BGB (Körperverletzung) und
236 § 276 Abs. 3 BGB (Vorsatz) vorhanden?
237- Cap-Betrag: welches Vielfaches der Vergütung?
238- Symmetrie: unterschiedliche Caps für beide Seiten?
239- Schadensersatz statt der Leistung (§ 281 BGB): welche Schwelle?
240
241**Gewährleistung (§§ 437 ff., 634 ff. BGB):**
242- Verjährungsfrist: kürzer als § 438 Abs. 1 Nr. 3 BGB (2 Jahre)?
243 Grenze nach § 309 Nr. 8 lit. b aa BGB beachten
244- Mängelrechte eingeschränkt? Nacherfüllungspflicht ausgeschlossen?
245- Bei Werkvertrag: Abnahme (§ 640 BGB) und Verjährung (§ 634a BGB)
246
247**Freistellung / Freistellungsklauseln (§ 257 BGB):**
248- Einseitig zulasten einer Partei?
249- Ausgelöst durch „jeglichen Verstoß" — das macht die Haftungsbegrenzung
250 faktisch wirkungslos?
251- Verfahren: Benachrichtigung, Verteidigungsrecht, Vergleichszustimmung?
252
253**Datenschutz (Art. 28 DSGVO):**
254- AVV vorhanden bei Auftragsverarbeitung personenbezogener Daten?
255- Unterauftragnehmer: Genehmigungsvorbehalt oder nur Benachrichtigung?
256- Löschfristen nach Vertragsende?
257- Drittlandübertragung: Standardvertragsklauseln oder anderer Mechanismus?
258
259**Laufzeit und Kündigung:**
260- Ordentliche Kündigung: zulässig oder nur fristgebundene außerordentliche?
261- Automatische Verlängerung: Ankündigungsfrist? Bei Verbrauchern
262 § 309 Nr. 9 BGB beachten (max. 3 Monate Ankündigungsfrist)
263- Vertragsstrafe (§ 339 BGB): angemessen? Herabsetzungsrecht nach
264 § 343 BGB anwendbar?
265
266**Verbraucherrechtliche Checks (bei B2C):**
267- Widerrufsrecht (§ 312g BGB) ordnungsgemäß belehrt?
268- Formvorschriften für Fernabsatz (§§ 312c, 312d BGB)?
269- Schutzvorschriften §§ 307 ff. BGB im vollem Umfang anwendbar (§ 310 Abs. 3 BGB)?
270
271### Schritt 7 — Eskalationsprüfung
272
273Falls eine Abweichung die Zeichnungsbefugnis des Prüfers übersteigt
274(gemäß Eskalationsmatrix im Kanzleiprofil): **eskalations-hinweis** aufrufen
275und Eskalationsanfrage formulieren.
276
277### Schritt 8 — Folgeangebote
278
279- Mandantenzusammenfassung für Geschäftsführung/Vorstand
280- Redline-Dokument (.docx mit Änderungsverfolgung)
281- Eintrag in Fristen-Tracker (bei automatischer Verlängerung)
282- Mandatsakte aktualisieren (wenn Mandatsarbeitsbereich aktiviert)
283
284## Ausgabeformat
285
286```markdown
287[ARBEITSERGEBNIS-KENNZEICHNUNG]
288
289# Vertragsprüfung: [Vertragspartner] — [Vertragstyp]
290**Prüfdatum:** [Datum]
291**Mandatsseite:** [Verwender / Vertragspartner-Seite]
292**Routing:** [angewandte Prüfpfade]
293**Ergebnis:** [UNTERZEICHNUNGSREIF / ÄNDERUNGEN ERFORDERLICH / ESKALATION]
294
295---
296
297## Zusammenfassung
298
299[3–5 Sätze: Gesamtbewertung, kritischste Abweichung, Handlungsempfehlung]
300
301---
302
303## Klauselanalyse
304
305### [Klausel-Überschrift] — [GRÜN / GELB / ROT]
306
307**Vertragstext:** „[vollständiger Klauseltext]"
308
309**Bewertung:** [Begründung mit §§ und BGH-Belegen]
310
311**Gegenentwurf:**
312„[vorgeschlagene Formulierung]"
313
314*Begründung: [z. B. BGH, Urt. v. 25.10.2016 – VI ZR 516/15, NJW 2017, 1104;
315Grüneberg, in: Grüneberg, BGB, 84. Aufl. 2025, § 307 Rn. 45]*
316
317---
318
319## Eskalation
320
321[Sofern erforderlich — mit Adressat und Handlungsempfehlung]
322```
323
324## Beispiel
325
326**Szenario:** IT-Dienstleistungsrahmenvertrag, Verwender-Seite, eingereicht
327durch Lieferanten. Klausel: „Haftung des Auftragnehmers ist ausgeschlossen,
328soweit keine grobe Fahrlässigkeit oder kein Vorsatz vorliegt."
329
330**Prüfung:**
331- Klausel: Haftungsbeschränkung auf grobe Fahrlässigkeit/Vorsatz
332- Bewertung: GELB — entspricht § 309 Nr. 7 lit. b BGB (Grenze im B2C),
333 im B2B zulässig (§ 310 Abs. 1 BGB), aber prüfen, ob der vollständige
334 Ausschluss für leichte Fahrlässigkeit auch Kardinalpflichten erfasst
335 (BGH BGHZ 174, 1 Rn. 15 ff.: Kardinalpflichten dürfen nicht durch AGB
336 freigezeichnet werden)
337- Gegenentwurf: „Die Haftung für die Verletzung von Kardinalpflichten
338 bleibt in Höhe des vertragstypischen, vorhersehbaren Schadens bestehen."
339
340## Risiken und typische Fehler
341
342- **Haftungsbeschränkung und Freistellung isoliert lesen.** Eine faktisch
343 unbegrenzte Freistellungsklausel macht den Haftungsdeckel wirkungslos —
344 immer beide gemeinsam bewerten.
345- **B2B/B2C-Unterscheidung vergessen.** Im B2C gelten §§ 308, 309 BGB
346 unmittelbar; im B2B nur § 307 BGB direkt, §§ 308, 309 BGB als Indizien.
347 Das Playbook muss die typische Kundensituation ausweisen.
348- **Automatische Verlängerung ohne Fristen-Check.** Eine automatische
349 Verlängerung mit kurzer Kündigungsfrist kann faktisch zu einem Lock-in
350 führen. Bei Verbrauchern § 309 Nr. 9 BGB beachten.
351- **AVV vergessen.** Wenn der Vertrag Zugang zu personenbezogenen Daten
352 des Mandanten beinhaltet und kein AVV beigefügt ist: ROT-Markierung,
353 da Art. 28 DSGVO zwingend ist.
354- **Klauseln trunkieren.** Bedingte Sätze immer vollständig zitieren —
355 verkürzte Wiedergabe kann den Sinn entstellen.
356
357## Quellenpflicht
358
359Jede Klauselbewertung muss belegen:
360- Den einschlägigen Paragraphen (§ 305c, § 307, § 309 Nr. 7 BGB etc.)
361- Mindestens eine BGH-Entscheidung in korrekter Zitierweise
362- Mindestens einen Kommentarbeleg im Bearbeiterstil „Bearbeiter, in: Werk"
363 (z. B. Grüneberg, in: Grüneberg, BGB, 84. Aufl. 2025, § 307 Rn. 45;
364 Wurmnest, in: MüKoBGB, 9. Aufl. 2022, § 309 Rn. 90)
365
366Hinweis: Dieser Skill ersetzt keine anwaltliche Beratung im konkreten Einzelfall.