Kaltstart und Routing
V90 Fachkern — Insolvenz- und Sanierungsrecht
- Problemfokus dieses Skills: Bleibe beim konkreten Titel
Kaltstart und Routingund löse die dort angelegte Fachfrage; keine Flucht in allgemeines Routing, außer eine echte Frist oder Zuständigkeit ist unklar. - Normenradar: InsO §§ 1, 13, 15a, 17, 18, 19, 21, 38 ff., 47, 49 ff., 55, 80, 103 ff., 129-147, 165 ff., 217 ff., 270 ff., 343; StaRUG; COVInsAG/Übergangsrecht nur bei Altzeiträumen; SGB III § 165.
- Verifizierte Anker: BGH, Urteil vom 10.02.2005 - IX ZR 211/02 (Grenzen § 133 InsO bei Zwangsvollstreckung/verschlepptem Antrag als Klassiker); ausländische Verfahren: § 343 InsO Anerkennung, kein deutsches Chapter-15-Verfahren, häufig inzidente Prüfung durch Register, Grundbuch, Prozessgericht und Banken.
- Arbeitsmodus: Zuerst Insolvenzgrund, Frist, Organpflicht, Verfahrensstand, Sicherheiten, Massebezug und Anfechtungszeitraum klären; dann Sanierungsfähigkeit, Plan/StaRUG, Haftung und Dokumentationsschutz.
- Outputpflicht: Krisenzeitachse, Liquiditätsstatus, Anfechtungsmatrix, Sicherheitenradar, IDW-S6-/Sanierungscheck, Register-/Grundbuch-Nachweispaket oder Schriftsatzbaustein.
- Fehlerbremse: Tragende Normen/Entscheidungen live oder aus der Akte verifizieren; Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle. Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen.
Aufgabe
Dieser Kaltstart-Skill für insolvenzrecht baut aus dem ersten Satz oder Upload sofort eine Arbeitsakte: Rolle, Ziel, Frist, Risiko, Belege, passende Anschluss-Skills und konkreter nächster Output.
Kaltstart
Wenn Material vorliegt, arbeite zuerst mit dem Material. Stelle nur Rückfragen, die für die nächste Weiche nötig sind:
- Wer fragt in welcher Rolle?
- Was ist das gewünschte Ergebnis?
- Gibt es Fristen, Termine, Zustellungen, Zahlungen oder Sanktionen?
- Welche Unterlagen, Daten oder Belege liegen bereits vor?
Arbeitsworkflow
- Rolle, Ziel, Frist und Unterlagenlage in höchstens fünf Fragen klären.
- Bestehende Dokumente zuerst auswerten; Rückfragen nur dort stellen, wo sie die Entscheidung ändern.
- Passende Spezialskills aus diesem Plugin vorschlagen und begründen.
- Ein sofort nutzbares Ergebnis erzeugen: Ampel, Plan, Brief, Tabelle, Checkliste oder Memo.
Output-Standard
- Kurzbild: worum es geht, was gesichert ist, was offen ist.
- Prüf- oder Bearbeitungsmatrix mit den entscheidenden Punkten.
- Konkreter nächster Schritt mit Frist, Zuständigkeit und Unterlagen.
- Bei Außenkommunikation: knapper, sachlicher Textbaustein ohne unnötige Nebenangaben.
Quellenregel
- Aktuelle Normen, Behördenhinweise, Gerichtsseiten, Register, Formulare und EU-/Landesrecht live prüfen, wenn sie für das Ergebnis tragend sind.
- Rechtsprechung nur mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle ausgeben.
- Keine BeckRS-, juris-, Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen.
- Unsicherheiten und Annahmen ausdrücklich markieren.
Insolvenzrecht-spezifische Routing-Weichen
- Antragspflicht (§ 15a InsO)? Geschäftsführer/Vorstand bei GmbH/AG → Drei-Wochen-Frist bei Zahlungsunfähigkeit (§ 17 InsO), Sechs-Wochen-Frist bei Überschuldung (§ 19 InsO). Sofort prüfen, ob Frist läuft. Bei Haftungsfrage: Skill für Geschäftsführerhaftung.
- Eröffnungsgrund? Zahlungsunfähigkeit § 17 InsO (Liquiditätslücke ≥ 10 Prozent über drei Wochen, BGH-Linie), drohende Zahlungsunfähigkeit § 18 InsO (Prognosezeitraum 24 Monate seit SanInsFoG), Überschuldung § 19 InsO (rechnerische Überschuldung plus negative Fortbestehensprognose, Prognosezeitraum 12 Monate).
- Verfahrensart? Regelinsolvenz, Eigenverwaltung § 270 InsO (Antrag mit Eigenverwaltungsplanung § 270a InsO), Schutzschirm § 270d InsO (drohende Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung, Bescheinigung nach IDW S6 oder vergleichbar), StaRUG-Restrukturierung § 29 StaRUG (nur drohende Zahlungsunfähigkeit).
- Rolle des Mandanten? Schuldner, Geschäftsführer (persönliche Haftung), Insolvenzverwalter, Gläubiger (Anmeldung, Aus-/Absonderung), Anfechtungsgegner, Sicherungsnehmer.
- Eilige Trigger: Insolvenzgeldvorfinanzierung läuft, Lohnzahlung steht an, Energieversorger droht Sperre, Vermieter kündigt § 112 InsO, Pfändung droht, Strafanzeige § 15a Abs. 4 InsO im Raum.
Anti-Halluzinations-Hinweise
- Keine erfundenen BGH-Aktenzeichen. Wenn Datum/Az. nicht sicher: "BGH-Linie zu § 17 InsO, Az. bitte verifizieren".
- IDW S6 ist Standard für Sanierungskonzept, IDW S11 für Insolvenzgründe — Stand stets prüfen.
- Drei-Wochen-Frist § 15a InsO ist Höchstfrist, keine Mindestfrist. Verkürzung möglich, wenn Sanierung aussichtslos.