/prozessrecht:klageschrift-zivilprozess
Zweck
Eine Klageschrift entscheidet den Prozess vor der ersten mündlichen Verhandlung. Fehler bei Streitgegenstand, Bestimmtheit des Antrags oder unzureichendem Sachvortrag führen zu Klageabweisung als unzulässig oder unbegründet (Schlussurteil ohne Beweisaufnahme). Dieser Skill stellt die Sollbruchstellen ab.
Eingaben
- Sachverhalt (anonymisiert) mit Vertrag, Verletzungshandlung, Schadensbild
- Parteien (Name, Anschrift, Rechtsform, gesetzliche Vertretung)
- Anspruchsgrundlage (vertraglich / deliktisch / Bereicherung — Reihenfolge siehe
references/methodik.md)
- Streitwert
- Beweismittel (Urkunden, Zeugen, Sachverständige)
- Gerichtsstand-Ueberlegungen (Wahlrecht?)
Ablauf
1. Formale Voraussetzungen (§ 253 ZPO)
Mussinhalt § 253 Abs. 2 ZPO
- Parteien (mit gesetzlichen Vertretern)
- Gericht
- Bestimmter Antrag (Leistungsklage: was und wie viel; Feststellungsklage: was; Gestaltungsklage: was)
- Anspruchsgrund (Lebenssachverhalt, der den Anspruch trägt)
Sollinhalt § 253 Abs. 4 ZPO
- Beweismittel zu jedem behaupteten Tatsachen
- Wert des Streitgegenstands
2. Streitgegenstand (zweigliedriger Begriff)
- Antrag + Lebenssachverhalt (BGH, st. Rspr.)
- Aus identischem Sachverhalt können mehrere Ansprüche fließen (Anspruchskonkurrenz); aber ein Streitgegenstand.
- Klageänderung § 263 ZPO bei nachträglicher Änderung.
3. Sachliche und örtliche Zuständigkeit
Sachlich (GVG)
- Amtsgericht: bis 5.000 EUR Streitwert; Mietsachen Wohnraum; Familien- und Betreuungssachen (vor FG bzw. Familiengericht).
- Landgericht: über 5.000 EUR; ausschließlich u. a. § 71 GVG (Pressezivilsachen).
Örtlich (§§ 12 ff. ZPO)
- Allgemeiner Gerichtsstand am Wohnsitz / Sitz des Beklagten (§§ 12, 17).
- Besondere Gerichtsstände: § 29 (Vertragserfüllungsort), § 32 (Tatort bei Delikt), § 23 (Vermögensgerichtsstand).
- Verbrauchergerichtsstand § 29c ZPO bei Haustürgeschäften.
- Internationale Zuständigkeit: Brüssel Ia-VO (VO (EU) 1215/2012) und Rom I/II.
4. Klagearten
- Leistungsklage § 253 ZPO – Zahlung, Lieferung, Unterlassung.
- Feststellungsklage § 256 ZPO – Bestehen / Nichtbestehen eines Rechtsverhältnisses. Feststellungsinteresse erforderlich.
- Gestaltungsklage – z. B. Anfechtungsklage § 246 AktG.
- Stufenklage § 254 ZPO – Auskunft + bezifferte Leistung (häufig im Familien- und Erbrecht).
5. Substantiierungslast
- Vortrag muss schlüssig sein: jeder einzelne Tatbestandsteil mit Tatsachen unterlegt.
- Beweismittel bei jeder streitigen Tatsache angeben.
- Pauschalvorträge („alles übliche") sind unschlüssig.
6. Streitwert
§§ 3 ff. ZPO und Kostengesetze:
- Hauptforderung in voller Höhe.
- Nebenforderungen / Kosten erhöhen nicht.
- Bei Feststellungsklagen: 80 % des Leistungswerts (BGH-Rspr.).
7. Anlagen und Beweisangebot
- Urkunden im Original / beglaubigt mit Anlage-Bezeichnung (K 1, K 2 …).
- Zeugen mit ladungsfähiger Anschrift.
- Sachverständige nur, wenn Tatsachenfragen ein Fachwissen erfordern.
- Beweis durch Augenschein oder Parteivernehmung selten primär.
Quellen
Statute
Kommentare
- Foerste, in: Musielak / Voit, ZPO, 22. Aufl. 2025, § 253 Rn. 1 ff.
- Greger, in: Zöller, ZPO, 36. Aufl. 2025, § 253 Rn. 1 ff.
- Vollkommer, NJW 2024, 1 ff. (Aufsatz zur Substantiierung)
Rechtsprechung
- BGH, Urt. v. 11.05.2017 – I ZR 60/16, NJW 2018, 235 (Streitgegenstand zweigliedrig)
[unverifiziert – prüfen]
- BGH, Urt. v. 23.06.2005 – VII ZR 197/03, NJW 2005, 2615 (Substantiierung)
[unverifiziert – prüfen]
Ausgabeformat
KLAGESCHRIFT-ENTWURF — <Mandat> — <Datum>
An das <Gericht>
Aktenzeichen: noch nicht vergeben
In der Sache
<Kläger>, Anschrift, gesetzliche Vertretung
Prozessbevollmächtigte: <Kanzlei>
gegen
<Beklagter>, Anschrift
wegen <Streitgegenstand kurz>
Streitwert: <EUR>
Antrag:
<bestimmter Antrag — Leistung / Feststellung / Gestaltung>
Begründung:
I. Sachverhalt
<substantiierter Vortrag, gegliedert nach Tatsachen-Komplex>
II. Rechtliche Würdigung
1. Anspruch aus <Norm>
a) Tatbestand
b) Subsumtion
(Anspruchsgrundlagen in kanonischer Reihenfolge)
III. Zuständigkeit
Sachlich: <…>
Örtlich: <…>
IV. Beweismittel
Urkunden: Anlage K 1, K 2, …
Zeugen: <Name, ladungsfähige Anschrift>
Sachverständiger: <Themenstellung>
Anlagen: K 1 bis K <N>
<Datum>, <Unterschrift Rechtsanwalt>
Risiken / typische Fehler
- Unbestimmter Antrag — „Zahlung der Schadensersatzansprüche" reicht nicht; konkrete Summe.
- Mehrere Streitgegenstände vermengt — saubere Trennung notwendig (Hilfsanträge).
- Anspruchsgrundlagen-Reihenfolge ignoriert — Vertrag vor Delikt etc.
- Pauschalvortrag — jede Tatsache muss konkret sein, sonst unschlüssig.
- Beweisangebot fehlt — eine streitige Tatsache ohne Beweisantritt ist nicht bewiesen.
- Falsches Gericht — örtliche Zuständigkeit verbindlich prüfen.
- Brüssel Ia / Rom I/II übersehen bei Auslandsbezug.
- Stufenklage statt Leistungsklage wenn die Stufenklage besser passt (Auskunft + bezifferte Klage).
1---2name: klageschrift-zivilprozess3description: Entwurf einer prozessual sauberen Klageschrift im Zivilprozess nach §§ 253 ff. ZPO. Streitgegenstand (zweigliedriger Begriff), Sachvortrag mit Substantiierung, Beweisantritt, sachliche und örtliche Zuständigkeit, Klagearten (Leistungs-, Feststellungs-, Gestaltungsklage), Streitwert. Use when eine Zivilklage entworfen wird oder eine Klageschrift auf prozessuale Mängel geprüft wird.4---56# /prozessrecht:klageschrift-zivilprozess78## Zweck910Eine Klageschrift entscheidet den Prozess vor der ersten mündlichen Verhandlung. Fehler bei Streitgegenstand, Bestimmtheit des Antrags oder unzureichendem Sachvortrag führen zu Klageabweisung als unzulässig oder unbegründet (Schlussurteil ohne Beweisaufnahme). Dieser Skill stellt die Sollbruchstellen ab.1112## Eingaben1314- Sachverhalt (anonymisiert) mit Vertrag, Verletzungshandlung, Schadensbild15- Parteien (Name, Anschrift, Rechtsform, gesetzliche Vertretung)16- Anspruchsgrundlage (vertraglich / deliktisch / Bereicherung — Reihenfolge siehe `references/methodik.md`)17- Streitwert18- Beweismittel (Urkunden, Zeugen, Sachverständige)19- Gerichtsstand-Ueberlegungen (Wahlrecht?)2021## Ablauf2223### 1. Formale Voraussetzungen ([§ 253 ZPO](https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__253.html))2425#### Mussinhalt § 253 Abs. 2 ZPO2627- **Parteien** (mit gesetzlichen Vertretern)28- **Gericht**29- **Bestimmter Antrag** (Leistungsklage: was und wie viel; Feststellungsklage: was; Gestaltungsklage: was)30- **Anspruchsgrund** (Lebenssachverhalt, der den Anspruch trägt)3132#### Sollinhalt § 253 Abs. 4 ZPO3334- Beweismittel zu jedem behaupteten Tatsachen35- Wert des Streitgegenstands3637### 2. Streitgegenstand (zweigliedriger Begriff)3839- **Antrag** + **Lebenssachverhalt** (BGH, st. Rspr.)40- Aus identischem Sachverhalt können mehrere Ansprüche fließen (Anspruchskonkurrenz); aber ein Streitgegenstand.41- Klageänderung § 263 ZPO bei nachträglicher Änderung.4243### 3. Sachliche und örtliche Zuständigkeit4445#### Sachlich (GVG)4647- Amtsgericht: bis 5.000 EUR Streitwert; Mietsachen Wohnraum; Familien- und Betreuungssachen (vor FG bzw. Familiengericht).48- Landgericht: über 5.000 EUR; ausschließlich u. a. § 71 GVG (Pressezivilsachen).4950#### Örtlich (§§ 12 ff. ZPO)5152- Allgemeiner Gerichtsstand am Wohnsitz / Sitz des Beklagten (§§ 12, 17).53- Besondere Gerichtsstände: § 29 (Vertragserfüllungsort), § 32 (Tatort bei Delikt), § 23 (Vermögensgerichtsstand).54- Verbrauchergerichtsstand § 29c ZPO bei Haustürgeschäften.55- Internationale Zuständigkeit: Brüssel Ia-VO (VO (EU) 1215/2012) und Rom I/II.5657### 4. Klagearten5859- **Leistungsklage** § 253 ZPO – Zahlung, Lieferung, Unterlassung.60- **Feststellungsklage** § 256 ZPO – Bestehen / Nichtbestehen eines Rechtsverhältnisses. **Feststellungsinteresse erforderlich.**61- **Gestaltungsklage** – z. B. Anfechtungsklage § 246 AktG.62- **Stufenklage** § 254 ZPO – Auskunft + bezifferte Leistung (häufig im Familien- und Erbrecht).6364### 5. Substantiierungslast6566- Vortrag muss **schlüssig** sein: jeder einzelne Tatbestandsteil mit Tatsachen unterlegt.67- Beweismittel **bei jeder streitigen** Tatsache angeben.68- Pauschalvorträge („alles übliche") sind unschlüssig.6970### 6. Streitwert7172[§§ 3 ff. ZPO](https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__3.html) und Kostengesetze:7374- Hauptforderung in voller Höhe.75- Nebenforderungen / Kosten erhöhen nicht.76- Bei Feststellungsklagen: 80 % des Leistungswerts (BGH-Rspr.).7778### 7. Anlagen und Beweisangebot7980- Urkunden im Original / beglaubigt mit Anlage-Bezeichnung (K 1, K 2 …).81- Zeugen mit ladungsfähiger Anschrift.82- Sachverständige nur, wenn Tatsachenfragen ein Fachwissen erfordern.83- Beweis durch Augenschein oder Parteivernehmung selten primär.8485## Quellen8687### Statute8889- [§ 253 ZPO](https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__253.html), [§ 256 ZPO](https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__256.html), [§ 263 ZPO](https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__263.html)90- [§ 12 ZPO](https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__12.html), [§ 17 ZPO](https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__17.html), [§ 29 ZPO](https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__29.html), [§ 32 ZPO](https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__32.html)91- [GVG](https://www.gesetze-im-internet.de/gvg/)92- [Brüssel Ia-VO](https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2012/1215/oj)9394### Kommentare9596- Foerste, in: Musielak / Voit, ZPO, 22. Aufl. 2025, § 253 Rn. 1 ff.97- Greger, in: Zöller, ZPO, 36. Aufl. 2025, § 253 Rn. 1 ff.98- Vollkommer, NJW 2024, 1 ff. (Aufsatz zur Substantiierung)99100### Rechtsprechung101102- BGH, Urt. v. 11.05.2017 – I ZR 60/16, NJW 2018, 235 (Streitgegenstand zweigliedrig) `[unverifiziert – prüfen]`103- BGH, Urt. v. 23.06.2005 – VII ZR 197/03, NJW 2005, 2615 (Substantiierung) `[unverifiziert – prüfen]`104105## Ausgabeformat106107```108KLAGESCHRIFT-ENTWURF — <Mandat> — <Datum>109110An das <Gericht>111Aktenzeichen: noch nicht vergeben112113In der Sache114 <Kläger>, Anschrift, gesetzliche Vertretung115 Prozessbevollmächtigte: <Kanzlei>116gegen117 <Beklagter>, Anschrift118wegen <Streitgegenstand kurz>119120Streitwert: <EUR>121122Antrag:123 <bestimmter Antrag — Leistung / Feststellung / Gestaltung>124125Begründung:126 I. Sachverhalt127 <substantiierter Vortrag, gegliedert nach Tatsachen-Komplex>128 II. Rechtliche Würdigung129 1. Anspruch aus <Norm>130 a) Tatbestand131 b) Subsumtion132 (Anspruchsgrundlagen in kanonischer Reihenfolge)133 III. Zuständigkeit134 Sachlich: <…>135 Örtlich: <…>136 IV. Beweismittel137 Urkunden: Anlage K 1, K 2, …138 Zeugen: <Name, ladungsfähige Anschrift>139 Sachverständiger: <Themenstellung>140141Anlagen: K 1 bis K <N>142143<Datum>, <Unterschrift Rechtsanwalt>144```145146## Risiken / typische Fehler147148- **Unbestimmter Antrag** — „Zahlung der Schadensersatzansprüche" reicht nicht; konkrete Summe.149- **Mehrere Streitgegenstände vermengt** — saubere Trennung notwendig (Hilfsanträge).150- **Anspruchsgrundlagen-Reihenfolge ignoriert** — Vertrag vor Delikt etc.151- **Pauschalvortrag** — jede Tatsache muss konkret sein, sonst unschlüssig.152- **Beweisangebot fehlt** — eine streitige Tatsache ohne Beweisantritt ist nicht bewiesen.153- **Falsches Gericht** — örtliche Zuständigkeit verbindlich prüfen.154- **Brüssel Ia / Rom I/II übersehen** bei Auslandsbezug.155- **Stufenklage statt Leistungsklage** wenn die Stufenklage besser passt (Auskunft + bezifferte Klage).